Henriette Richter-Röhl

Henriette Richter-Röhl





Weg mit dem Kitsch!

Man kennt ihr Gesicht vor allem aus der ARD-Telenovela "Sturm der Liebe" und den romantischen "Herzkino"-Filmen des ZDF. In die Schmonzetten-Schublade passt Henriette Richter-Röhl dennoch nur bedingt. Hinter dem bildhübschen Gesicht der brünetten Berlinerin verbirgt sich ein ernster, reflektierter und nachdenklicher Geist. Die 32-Jährige wünscht sich, dass speziell der Sonntagabend im ZDF mit relevanteren und mutigeren Stoffen bespielt wird. Der ZDF-"Herzkino"-Film "Julia und der Offizier", in dem Henriette Richter-Röhl am Sonntag, 11. Mai, 20.15 Uhr, in der Hauptrolle zu sehen ist, wagt bereits erste Schritte in Richtung eines komplexeren, kitschfreien Liebesfilms.

teleschau: Der Film "Julia und der Offizier" mischt die obligatorische Romanze des ZDF-Sonntagsfilms mit etwas ernsterem historischem Stoff. Der richtige Weg?

Henriette Richter-Röhl: Ja. Ich bin sehr optimistisch, dass das ZDF-"Herzkino" künftig öfter in diese Richtung geht. Dass auch dieses Format ein bisschen seinen Schmalz verliert und ein wenig mehr Relevanz bekommt. Man sollte etwas mutiger werden und nicht glauben, man vergrault die Zuschauer, wenn nicht das Wort "Liebe" im Titel vorkommt.

teleschau: Hat man dem Zuschauer zu lange nichts zugetraut, aus Angst ihn zu überfordern?

Richter-Röhl: Ganz bestimmt sogar! Aber vonseiten der Verantwortlichen heißt es eben immer, man habe ja vor allem ältere Zuschauer, auf die man Rücksicht nehmen müsse. Aber ganz ehrlich: Meine Großmutter verdreht die Augen bei einer Schmonzette. Unsere Omas sind ja nicht blöd. Die haben auch ein Leben hinter sich und beschäftigen sich heute noch mit Weltpolitik. Die sind absolut belastbar! Sie wollen vielleicht kein Blut sehen, sonst würden sie vielleicht den "Tatort" anschauen, aber nachdenken wollen sie trotzdem dürfen.

teleschau: Wie würden Sie sich das deutsche Fernsehen wünschen?

Richter-Röhl: Mutiger! Weniger Shows und mehr Filme mit relevanten Themen!

teleschau: Was sind relevante Themen?

Richter-Röhl: Genau die, die uns alltäglich beschäftigen. Angefangen bei Ökologie, über Partnerschaften - echte Partnerschaften und nicht solche, wie sie immer dargestellt werden - bis hin zu Elternschaft: Was bedeutet es heutzutage, ein Kind zu haben? Darüber hinaus natürlich die ganzen Krisen und Kriege um uns herum. Das muss mal raus aus den Nachrichten und hinein ins Unterhaltungsprogramm!

teleschau: Sie haben eine siebenjährige Tochter. Sehen Sie gemeinsam mit ihr fern?

Richter-Röhl: Wir schauen kaum Fernsehen. Sie hat bisher auch nie danach verlangt. Manchmal, wenn ich im Hotel übernachte, schalte ich den Fernseher ein. Meistens bin ich aber enttäuscht, weil ich es furchtbar finde, was da läuft. Manche Sachen sind okay. Es gibt schöne Dokumentationen und ein paar tolle Filme, aber dafür muss man keinen Fernseher haben. Aber es ist gut, dass es noch Leute gibt, die Fernsehen schauen, sonst wüsste ich nicht, wie ich meine Miete bezahlen soll! Da müsste ich sehr oft Theater spielen! (lacht)

teleschau: Sie standen schon länger nicht mehr auf einer Theaterbühne.

Richter-Röhl: Ich habe große Sehnsucht danach. Aber ich wüsste gerade nicht, wie ich das wieder anfangen soll. Wenn, dann möchte ich natürlich mit tollen Kollegen spielen. Die sind aber alle an großen Häusern, in die man als Fernsehschauspieler nicht so leicht kommt. Ehrlicherweise muss ich aber auch sagen, dass ich die Theater-Arbeitszeiten mittlerweile wohl nicht mehr mit meinem Leben vereinbaren kann. Ich will nicht mehr nachts arbeiten. Ich habe ein Kind, für das ich tagsüber wach sein möchte.

teleschau: Aber während den Filmdrehs haben Sie ja noch weniger Zeit ...

Richter-Röhl: Da bin ich dann mal drei, vier Wochen am Stück weg, und meine Tochter ist entweder dabei, oder, wenn sie Schule hat, fahre ich eben am Wochenende nach Hause. Dafür habe ich aber auch viel Freizeit. Wenn ich drei Filme im Jahr drehe, habe ich ja viel Zeit für meine Familie.

teleschau: Genießen Sie es, während den Drehzeiten auch ab und zu ein Leben abseits des Familienalltags zu haben?

Richter-Röhl: Nein. Ich finde das ehrlich gesagt nicht so schön, abends in ein leeres Hotelzimmer zu gehen. Dieses Umswitchen zwischen Drehalltag und Familienalltag fällt mir oft sehr schwer. Die Arbeit selbst ist schön, aber das Fernbleiben von meinen Lieben finde ich schwierig.

teleschau: Im Film spielen Sie eine Frau, für die Ehe und Familie nur den Entzug von Freiheit bedeuten. Sie haben auch früh geheiratet. Hatten Sie nie den Gedanken, dass sie damit Freiheit abgegeben haben?

Richter-Röhl: Nee! Was soll ich denn mit noch mehr Freiheit? Ich habe auch so sehr viel davon! (lacht)

teleschau: Haben Sie ein Erfolgsrezept für eine intakte Beziehung mit Kind trotz Karriere?

Richter-Röhl: Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ich das so gut mache. Meistens krieg ich beides gut hin, manchmal klappt's auch nicht, da läuft dann gar nichts gut. Es gibt kein Rezept. Man muss einfach das machen, was man gerne macht. Wenn ich Mutter sein möchte und Schauspielerin, dann klappt das auch. Ich habe ja beides gewählt - meine Tochter war ja kein Unfall! (lacht)

teleschau: Julia Welling bringt in "Julia und der Offizier" die "demokratische Kindererziehung" ins hinterwäldlerische Bayern. Haben Sie ein pädagogisches Konzept, nach dem Sie sich bei der Erziehung Ihrer Tochter richten?

Richter-Röhl: Nein. Ich habe während der Schwangerschaft alles gelesen, was man lesen kann, und kann jeder Frau empfehlen, das nicht zu machen. So etwas verunsichert nur. Solange du deinem Kind Sicherheit und Liebe geben kannst, ist alles gut. Mehr braucht ein Kind nicht. Eigentlich ist es aber schon schlimm, dass wir heutzutage kein allgemeingültiges Erziehungs-Konzept mehr haben. Unsere Eltern und Großeltern waren noch richtig tiefenentspannt, die wussten wie es läuft! Aus heutiger Sicht war vieles natürlich falsch! Aber damals waren sie sich sicher, dass sie gerade nichts falsch machen. Wir machen uns ja jeden Tag Gedanken, ob unsere Kinder am Ende des Tages schon traumatisiert sind. Das finde ich wahnsinnig belastend.

teleschau: Für sich selbst trifft man tagtäglich Entscheidungen, ohne darüber nachzudenken. Wieso macht man sich dann so viele Gedanken, sobald man ein Kind hat?

Richter-Röhl: Als unlängst der neue Klima-Bericht veröffentlicht wurde, hat mich, wie immer, wenn dieses Thema aufkommt, die Panik erfasst, wie lange es uns überhaupt noch geben wird. Wenn ich kein Kind hätte, hätte ich kein Problem, mir noch 20 schöne Jahre zu machen, bevor es zu Ende geht. Aber wenn du ein Kind hast, funktioniert dieses gleichgültige Denken nicht mehr, weil du für jemanden verantwortlich bist, der vielleicht noch eine ganze Weile leben möchte. Es kann dir also nicht egal sein, sondern du musst dich dieser Angst aussetzen. Manchmal wenn meine Tochter im Radio Nachrichten hört und dann Fragen stellt, versuche ich, sie abzulenken. Mir macht das ja selbst Angst, was da beispielsweise in der Ukraine passiert. Aber wenn sie mitkriegen würde, wie viel Angst ich habe, würde sie weinen.

teleschau: Man muss als Mutter also in gewisser Weise auch eine Maske aufsetzen?

Richter-Röhl: In manchen Situationen mache ich das schon. Um sie vor meiner eigenen Angst zu schützen.

teleschau: Ist das vergleichbar mit einer Rolle im Film?

Richter-Röhl: Natürlich, man schlüpft in die Mutterrolle. Die ist aber gerade von Kindern leicht zu durchschauen. Meine Tochter kann sehr gut unterscheiden, wann ich ich bin und wann ich versuche, jemand anderes zu sein. Das ist ja das Gemeine an Kindern: Mann kann ihnen noch nicht einmal etwas vormachen! (lacht)

Quelle: teleschau - der mediendienst