Lisa Kudrow

Lisa Kudrow





"Ich genieße es, rücksichtslos zu sein"

Die US-Schauspielerin Lisa Kudrow war als Phoebe Buffay einer der Stars in der 90er-Jahre-Sitcom "Friends". Obwohl Kudrow seitdem in zahlreichen Produktionen mitwirkte, zehrt die 50-Jährige bis heute vor allem vom Erfolg dieses Serienhits. Mit einer Show scheint Kudrow nun zumindest ansatzweise das Phoebe-Image loszuwerden: "Web Therapy" ist eine Sketch-Reihe, in der Kudrow die Psychotherapeutin Dr. Fiona darstellt, die ihre Patienten nicht persönlich und stündlich, sondern via Skype und nur wenige Minuten spricht - und das ohne jede Ausbildung und den Antrieb, ihren Klienten wirklich helfen zu wollen. Hierzulande laufen die Folgen der zweiten Staffel und im Anschluss daran auch die komplette Staffel drei ab Mittwoch, 30. April, 21.25 Uhr, beim Pay-Kanal TNT Glitz. Ein Gespräch mit Kudrow über ihre beiden bisher erfolgreichsten Projekte, ihre eigenen therapeutischen Fähigkeiten und den schwarzen Humor, der sie und ihre Rolle vereint.

teleschau: Lisa, sprechen wir über "Web Therapy", die US-Comedy-Serie, in der Sie die Hauptfigur, Psychotherapeutin Dr. Fiona darstellen. Stimmen Sie zu, dass eben diese Fiona die wohl schlechteste Therapeutin ist, die man sich vorstellen kann?

Lisa Kudrow: (lacht) Absolut! Schlechter geht's wahrscheinlich nicht.

teleschau: Beschreiben Sie Fiona ein wenig.

Kudrow: Sie ist selbstgerecht, ungeduldig und gibt ständig Wertungen ab. Eigentlich tut sie alles, was eine Therapeutin nicht tun sollte.

teleschau: Ihre Therapiesitzungen hält Fiona über Skype ab, weil sie ihre Patienten nicht persönlich treffen will. Therapiegespräche dauern bei ihr auch nur wenige Minuten, da sie schnellstmöglich zum Punkt kommen möchte. Warum, denken Sie, hat sie dennoch Erfolg?

Kudrow: Ich glaube, dass die Leute ihr aus ganz verschiedenen Gründen vertrauen. Einer der Hauptgründe ist sicherlich Dr. Fionas striktes Zeit-Management. Das klingt erst mal seltsam, kommt all denjenigen, die keine Lust auf eine normale und deshalb zeitaufwendige Therapie haben, aber sehr entgegen. Dr. Fiona macht es ihren Patienten sehr einfach, eine "Therapie" anzugehen. Wer zu ihr kommt, denkt sich wahrscheinlich: "Wow! Das hätte ich mir viel schwieriger vorgestellt!"

teleschau: Naivität, Faulheit, Dummheit: Was ist der entscheidende Faktor, der Menschen in die Fänge von Therapeuten wie Dr. Fiona treibt?

Kudrow: Ich glaube, dass viele im Vorfeld den Fehler machen, sich nicht ausreichend zu informieren. Sie recherchieren oft gar nicht, auf wen und auf was sie sich da eigentlich einlassen. Sie machen zwei Klicks im Internet und glauben, sie hätten den Richtigen gefunden.

teleschau: Kannten Sie im Vorfeld der Serie auch eine Internettherapie im wahren Leben? Gab es eine Vorlage für die Show?

Kudrow: Nein, die "Web Therapy" haben wir komplett selbst erfunden. Wir wussten bis dahin von nichts Vergleichbarem. Tatsächlich gibt es jetzt aber Nachahmer, also Leute, die eine Therapie, wie Fiona sie macht, in Wirklichkeit anbieten. Manche Leute haben das, was sie da im TV gesehen haben, scheinbar ernsthaft als Grundlage für ein neues Geschäftsmodel genommen. Das war natürlich nicht unser Ziel. Im echten Leben finde ich eine Internettherapie ganz schrecklich.

teleschau: Bekommen Sie böse Mails von echten Therapeuten?

Kudrow: Ich weiß von vielen echten Therapeuten, dass sie die Show verfolgen und Dr. Fiona auch lustig finden. Einige haben mir auch schon erzählt, dass sie das, was Fiona da manchmal absurderweise sagt, auch ab und zu denken. Dass sie den ein oder anderen Patienten auch gerne mal anschreien und ihm sagen würden: "Ist mir ist scheißegal, wie deine Kindheit war - komm' drüber hinweg!" Ich habe sogar schon von Ausbildungsstätten gehört, die angehenden Therapeuten die Serie zeigen und die Studenten aufschreiben lassen, was Dr. Fiona alles falsch macht. Und das ist natürlich eine Menge.

teleschau: "Web Therapy" ist vor allem ihr Projekt: Sie schreiben, spielen und produzieren. Macht Sie der Erfolg der Show deshalb auch besonders stolz? Vielleicht sogar stolzer als Ihre Erfolge mit "Friends"?

Kudrow: Ich bin stolz auf viele Dinge, die ich gemacht habe. Allerdings würde ich nichts mit "Friends" vergleichen wollen. "Friends" ragt einfach aus allem heraus. Diese Zeit damals war einfach grandios, und ich bin ewig glücklich und dankbar, dass ich dabei sein durfte.

teleschau: Aber es nervt Sie doch sicher ein wenig, dass Sie bis heute von vielen nur als "Phoebe" bekannt sind. Da kommt der Erfolg von "Web Therapy" doch eigentlich gerade recht und wäre eine gute Möglichkeit für Sie, Phoebe hinter sich zu lassen.

Kudrow: Ich glaube, nichts, was ich mache oder irgendwann machen werde, wird jemals so groß werden wie "Friends". Da bin ich ganz realistisch. Für viele werde ich immer die Phoebe bleiben, egal wo ich bin, egal was ich mache, egal wen ich darstelle. Und ich kann gut damit leben. Ich werde nicht versuchen, den Leuten Phoebe auszureden.

teleschau: Kommen manche denn jetzt auf Sie zu und nennen Sie Fiona statt Phoebe?

Kudrow: Ja, manchmal kommt das tatsächlich vor.

teleschau: Wollen einige Leute auch einen Rat von Ihnen? Zumindest in Ihrem Freundeskreis? Sind Sie, wie Fiona, die Anlaufstelle für Leute mit Probleme?

Kudrow: Nein, im wahren Leben bin ich alles, aber keine Therapeutin. Wenn Freunde von mir Probleme haben, kommen sie nicht als erstes zu mir. Darüber bin ich ehrlich gesagt auch ganz glücklich. Da bin ich dann doch ein bisschen wie Fiona: Ich habe keine Lust, ständig mit anderen über ihre Gedanken und Gefühle zu sprechen oder nur davon zu hören. Ich bewundere jeden Therapeuten und auch sonst jeden, der gerne und viel über solche Dinge spricht. Für mich ist das aber eher nichts. Ich kann das nicht.

teleschau: Und wie steht's mit Problemgesprächen mit ihrem 15-jährigen Sohn? Kommt der mit seinen Sorgen zu Ihnen?

Kudrow: Nur manchmal. Er ist ein typischer Teenager - nicht sehr gesprächig. Vor allem dann nicht, wenn es um Gefühle geht. Aber wenn ihn wirklich etwas bedrückt, sprechen wir natürlich darüber. Das kriegen wir Gott sei Dank hin.

teleschau: Würden Sie sich als sehr entspannte Mutter beschreiben?

Kudrow: Mein Mann würde sogar sagen, dass ich etwas zu entspannt bin und vieles unnötig toleriere. Mein Sohn würde das aber wohl eher nicht behaupten.

teleschau: Wann sind Sie denn streng zu ihm?

Kudrow: Es gibt schon Dinge, auf die ich sehr achte. Einige Tugenden möchte ich meinem Sohn schon gerne vermitteln.

teleschau: Was sind das für Tugenden?

Kudrow: Freundlichkeit ist mir sehr wichtig. Ich will, dass mein Sohn lernt, dass man mit einem freundlichen Auftreten ganz gut durchs Leben kommen kann.

teleschau: Was ist mit Humor? Fiona hat einen sehr schwarzen Humor - Sie auch?

Kudrow: Ja, ein Stückweit schon. Wobei Fiona schon noch gemeiner ist als ich. Ich lasse nur in der Rolle alles raus - was mir aber auch großen Spaß macht. Ich genieße es, einfach mal rücksichtslos zu sein und den Leuten direkt meine Meinung zu sagen.

teleschau: Was mögen Sie an Fiona grundsätzlich?

Kudrow: Dass sie eben immer gerade heraus sagt, was sie denkt. Außerdem gefällt mir ihr Selbstbewusstsein. Wenn das auch manchmal so groß ist, dass sie glaubt, niemals selbst einen Fehler machen zu können.

teleschau: Und wenn Sie zum Schluss Ihrer Rolle mal einen Rat geben sollten? Was würden Sie Fiona sagen?

Kudrow: Sie sollte versuchen, sich etwas mehr in ihre Patienten hineinzuversetzen. Sie sollte sich Mühe geben, die Menschen zu verstehen, so weit das möglich ist. Das würde ihr sicherlich nicht schaden.

Quelle: teleschau - der mediendienst