Watermark

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Eis ist so schön wie Wasser

Wasser ist ein spannendes Element. Die kanadische Dokumentarfilmerin Jennifer Baichwal hat sich drei Jahre lang mit seiner Schönheit und seiner Macht beschäftigt. Sie und der Fotograf Edward Burtynsky setzen auf groß(artig)e Bilder, lange Einstellungen und zeigen die vom Menschen ausgehende Risikofreude, die Gefahr bedeutet. Die Gefahr der Ausrottung, so komisch das klingt. "Watermark" wurde bei der Berlinale und beim Toronto Film Festival gezeigt und wird auch beim DOK.fest in München vorgeführt.

Wasser kann es einem nie so richtig recht machen. Zwar bestehen sowohl Erde als auch Mensch ungefähr zu zwei Dritteln aus diesem Element. Doch eins ist auch klar: Zu viel Wasser ist genauso schlecht wie zu wenig. Dennoch gilt: Ohne Wasser geht es ziemlich schnell zu Ende auf der Erde, aber das scheint dem Menschen immer noch nicht klar zu sein. Deswegen braucht es solche Filme immer noch.

"Watermark" will in erster Linie zeigen, nicht dokumentieren und bewerten. Die Bilder sprechen für sich, sie sind wie ein Mosaik, aus dem sich der Zuschauer seine Meinung bilden soll. Die Kamera von Nicholas de Pencier wahrt stets Abstand, bedient sich oft der Vogelperspektive, um so die schönsten Muster zu weben. Auch für den Zuschauer sind die Aufnahmen hilfreich, muss man doch manchmal einen Schritt zurücktreten, um gut zu sehen.

Edward Burtynsky ist eigentlich Fotograf, und er war auf Reisen für einen Fotoband. Im Zuge dessen entstand dieser Film, der viele Themen rund um den Erdball anreißt, der aber auch gerne und vorwiegend in Bildern schwebt. Bilder gegensätzlicher Natur, die Jennifer Baichwal aufeinanderprallen lässt. Trockenheit versus Flut. Eis versus Surfen. Während sich andere Dokumentationen moderner Mittel des Spielfilms bedienen, bleibt die kanadische Produktion sehr konservativ, die Informationen werden schulbuchhaft vorgetragen. Vielleicht ist man etwas verwöhnt von den spektakulären Dokus der letzten Jahre, die vom Charakter des Regisseurs geprägt sind, sei es nun Michael Moore oder der Österreicher Werner Boote ("Population Boom", "Plastic Planet").

Inhaltlich enttäuscht "Watermark" ähnlich wie 2006 Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit". Denn die Amerikaner, so schien es damals, sind in Umweltbelangen doch um einiges schlechter aufgeklärt als die Menschen in Deutschland. So fasste Gores Umweltfilm mehr oder weniger nur zusammen, was hierzulande zum Grundwissen von 14-Jährigen gehört. Auch "Watermark" schafft wenig neue Wahrheiten - eine Ledergerberei frisst und verseucht viel Wasser, klar. Vielleicht informieren Baichwal und Burtynsky mehr als Gore, aber die Bilder verbinden sich nicht zu einem großen Ganzen. Man schwelgt nur in schönen Aufnahmen. "Watermark" taugt zum Schulfilm, doch das war womöglich nicht der Anspruch für die aufwendige Produktion, die sehr meditativ geraten ist. Bleibt die Erkenntnis: Eis ist mindestens so schön wie Wasser. Natürlich nur in der richtigen Menge.

Quelle: teleschau - der mediendienst