Stereo

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Sein Feind Henry?

Ab und an traut sich das deutsche Kino ja wirklich was. Und wenn dabei auch noch so prominente Darsteller wie hier auf der Besetzungsliste stehen, kann schon etwas Außergewöhnliches dabei herauskommen. "Stereo" lautet der schlichte und dennoch kryptische Titel des Films von Maximilian Erlenwein, der bei der Berlinale seine Premiere feierte. Der perfekte Rahmen für eine zwar nicht perfekte, aber eben ungemein mutige Produktion, die irgendwo zwischen Thriller, Drama und Mystery angesiedelt ist.

1951 war es ein zwei Meter großer Hase ... ein weißer. Er folgte James Stewart in "Mein Freund Harvey" als imaginärer Gefährte. Erik (Jürgen Vogel) hat da nun nicht ganz so viel Glück. An seiner Seite taucht plötzlich der grimmig dreinschauende Henry (Moritz Bleibtreu) im Kapuzenpulli auf, und schon bald ist klar: Nur Erik kann diesen ominösen Henry sehen, der Rest der Welt nicht.

Alles hätte so prima sein können: Erik ist aufs Land gezogen und will dort mit seiner neuen Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller) und deren kleiner Tochter ein neues Leben beginnen. Er repariert Motorräder und wirkt wie ein ziemlich netter Kerl. Viel mehr weiß der Zuschauer zunächst nicht über Erik, aus dessen Sicht die absurde Geschichte erzählt wird. Als der geisterhafte Henry auftaucht, ist Erik natürlich einigermaßen verwirrt. Er besucht Ärzte, Wunderheiler - nutzt alles nichts. Henry weicht nicht von seiner Seite, und er verfolgt ganz offensichtlich einen größeren Plan. Eines scheint jedenfalls klar: Der unsichtbare Besucher steht nicht gerade für Anstand und Moral. Er flüstert dem eigentlich so biederen Erik nicht gerade Anständiges ins Ohr ...

Was also will dieser Typ? Das ist die Kernfrage, die sich der Betrachter die meiste Zeit stellt. Regisseur Maximilian Erlenwein streut geschickt immer neue Informationen und gewährt ab und an Einblicke auch in Eriks Vergangenheit. An Rätselhaftigkeit, so wird bald schon klar, nehmen sich die beiden Männer nichts. Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu ist die Freude an ihren spannenden Rollen durchweg anzumerken. Und doch fragt man sich immer mal wieder, wie der Film angefühlt hätte, hätten die beiden die Figuren getauscht: Bleibtreu als ratloser Erik und Vogel als schurkenhafter Besucher - auch das hätte seinen Reiz gehabt.

Das Buch von Erlenwein treibt die Geschichte etwas ungleichmäßig voran. Bis die Fronten geklärt sind, vergeht einiges an Zeit. Manches mutet ein bisschen zäh erzählt an. Am Ende jedoch, beim fulminanten und inhaltlich forschen Finale, geht es drunter und drüber. Die Fantasie des Zuschauers wird auf eine ernste Probe gestellt. Doch gerade mit dem Auftauchen des ungemein fiesen Schurken Keitel nimmt der Unterhaltungswert des Films noch einmal beträchtlich zu. Gespielt wird er von dem Österreicher Georg Friedrich, der im Kino beileibe nicht zum ersten Mal auf der anderen Seite des Gesetzes steht, dies aber geradezu zauberhaft gut beherrscht.

Quelle: teleschau - der mediendienst