Grace Of Monaco

Grace Of Monaco





Hohheit oder Hollywood?

Schönheit, Erfolg, eine große Liebe und ein tragisches Ende - Grace Kelly lebte ein drehbuchreifes Leben. Erstaunlich, dass es erst jetzt mit "Grace of Monaco" den Weg auf die große Leinwand findet. Vielleicht ahnte aber auch schon so mancher, dass das monegassische Fürstenhaus nicht kommentarlos dabei zusehen wird, wie sich Hollywood die Familiengeschichte unter den Nagel reißt und massentauglich aufmotzt. So zumindest scheint der Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes auf die Grimaldis zu wirken. Sie distanzieren sich von dem Werk, das kein Biopic sein will, aber ein Porträt, das Fiktion mit wahren Begebenheiten mischt.

Dabei hätte alles so schön werden können: Die Kinder der Fürstin zusammen mit Hauptdarstellerin Nicole Kidman an dem Ort, an dem alles begann: In Cannes, bei den Filmfestspielen von 1955, lernten sich Grace Kelly und Fürst Rainier III. von Monaco kennen. Der französische Regisseur Olivier Dahan ("La Vie En Rose") gehört nun nicht zu denjenigen, die im Dreck wühlen und versuchen Skandale auszugraben. Das zeigt auch der Plot, den er um das Jahr 1962 ansiedelt. Grace Kelly hat sich 1956 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere dazu entschieden, Abschied vom Film zu nehmen und Fürst Rainier III. zu heiraten. Ein bisschen Sissi-Feeling kommt auf, angesichts der Anfeindungen ihrer Person und das strenge Palastprotokoll, dem sich der Hollywoodstar plötzlich unterordnen musste.

Die wahre Prüfung aber kommt noch. Rainier (Tim Roth) muss um die Souveränität des kleinen Landes kämpfen. Der französische Präsident Charles de Gaulle (André Penvern) verlangt Steuerabgaben, er droht mit der militärischen Überlegenheit Frankreichs und verfügt schließlich eine Blockade der Landesgrenzen. Olivier Dahan heizt den Konflikt nun dramaturgisch auch auf privater Ebene an, indem er eine Ehekrise beschwört, in der sich Grace Kelly entscheiden muss. Will sie das Rollenangebot von Alfred Hitchcock (Roger Ashton-Griffiths) annehmen und wieder vor die Kameras zurückkehren? Oder verzichtet sie auf die berufliche Chance und versucht als wahre Landesmutter Monaco in schweren Zeiten beizustehen?

Jeder weiß, wie die Geschichte ausgeht: Grace unterzieht sich einem hollywoodreifen Trainingsprogramm, um "die Rolle ihres Lebens" zu spielen: Fürstin. Den Lehrer für Sprache und Landeskunde mimt ein etwas aus der Zeit gefallener Conte (Derek Jacobi), stilistisch irgendwo zwischen Disney und einem durchgeknallten Modedesigner anzusiedeln. Ihr Berater, Hofkaplan Tucker (wie immer ein Mann zum Anlehnen: Frank Langella) bringt auf den Punkt, warum erst Jahre vergehen mussten, bis Grace Kelly wirklich zu Gracia Patricia werden konnte: "Niemand weiß, was es wirklich bedeutet, in ein europäisches Königshaus einzuheiraten." Kleiner Seitenhieb auf die heutige Zeit, in der mehr Bürgerliche denn je zukünftige Monarchen ehelichen. Diese sind vielleicht besser vorbereitet als Grace, der niemand ein Handbuch mit Verhaltenskodex und Who is who bei der Hochzeit überreicht hat.

Nicole Kidman behauptet sich in ihrer Rolle fabelhaft, auch wenn ihr Gesicht in den vielen Nahaufnahmen irritierend verjüngt wirkt und der Künstlichkeitsfaktor des Films dadurch erhöht wird. Überhaupt setzt Dahan, obwohl er Franzose ist, auf klassisches Hollywoodkino, das auf ein tränendrüsiges Finale zusteuert. Grace bewegt nämlich nicht nur die Herzen der Monegassen, sondern auch das des Finsterlings aus Frankreich. Charles de Gaulle gibt in ihrem Leben, das sie im Film selbst als Märchen bezeichnet, den Buhmann, der das arme kleine Königreich schlucken will. Ein paar Dialogfehltritte kann man durchaus verschmerzen. Dahan schafft es, Grace als eine Frau auf der Leinwand auferstehen zu lassen, die die Techniken der Schauspielerei aufs Leben anwendet und als geschickte Diplomatin ihre Rolle weiter entwickeln kann.

Quelle: teleschau - der mediendienst