Liebe im Gepäck

Liebe im Gepäck





Bereitmachen zur Bruchlandung

Gott sei Dank fällt der Satz irgendwann doch noch: "Wir leben im 21. Jahrhundert, du brauchst keinen Ehemann, um dich zu definieren", ruft die selbstbewusste Gail ihrer verzweifelten Freundin Montana in Erinnerung. Die will innerhalb eines Monats unbedingt nicht nur an den Mann, sondern auch gleich unter die Haube kommen. Doch Gails Einwand - der einzig vernünftige in "Liebe im Gepäck" - wird flugs abgetan, mit einem Sätzlein über die Ehe, das Regisseur und Autor David E. Talbert mutmaßlich in einem Spruchkalender abgeschrieben hat. Einem etwa 50 Jahre alten Spruchkalender.

Man kann ja durchaus verstehen, dass Montana (Paula Patton, frisch getrennt von "Blurred Lines"-Sänger Robin Thicke) nicht mehr Single sein will. Dass sie sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt. Warum aber glaubt die schöne Stewardess, dass sich beides nur dann einstellt, wenn man einen Ehering am Finger trägt? Warum beharrt sie so darauf, den Nächstbesten heiraten zu müssen? Vor allem, wenn ihre eigene Mutter (Jenifer Lewis) schon fünf Ehen hinter sich hat?

Um sich die Demütigung zu ersparen, als Um-die-30-Jährige unversprochen auf der Hochzeit der jüngeren Schwester zu erscheinen, setzt Montana jedenfalls alle Hebel in Bewegung: Unterstützt von ihren quirligen Kollegen Gail (Jill Scott) und Sam (Adam Brody) betreut die Flugbegleiterin in den folgenden vier Wochen "zufällig" immer die Flüge, die von ihren Verflossenen gebucht wurden. Denn vielleicht taugt der eine oder andere inzwischen ja doch zum Ehemann.

Ist das nun alles ernst gemeint - mit allen Klischees, die bedient und all den Phrasen, die gedroschen werden? Oder bringen die schlecht getimten Gags einfach nur nicht richtig zur Geltung, dass das alles eher ironisch gemeint ist? Was auch immer David E. Talbert dem Publikum sagen will, er bringt es mit seiner unentschlossenen Inszenierung leider nicht fertig: Vergeblich sucht er den Weg von "Romantisch" zu "Komödie", "Liebe im Gepäck" bewegt sich völlig unkoordiniert zwischen überdrehter Sitcom und Rosamunde-Pilcher-Kitsch. Eine besonders unangenehme Liebesszene lang wähnt man sich aufgrund von Kameraführung, Schnitt und Ausleuchtung sogar in einem R&B-Video der schmierigen Art. Herzerwärmend ist das eher weniger.

Dabei könnte man sich Paula Patton durchaus als eine Art afroamerikanische Bridget Jones vorstellen: Die 38-Jährige hat zumindest genug Charme, um eine Figur sympathisch erscheinen zu lassen, deren Selbst-, Frauen- und Männerbild doch sehr fragwürdig anmutet. Nur ist dieser Charme leider völlig vergeudet in einer romantischen Komödie, die weder sonderlich witzig noch auffallend romantisch ist.

Quelle: teleschau - der mediendienst