Godzilla

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Lebt auf großem Fuß

Kein Genre ist den Asiaten heiliger als ihr heißgeliebter "Kaiju Eiga". Die Tradition des japanischen Monsterfilms lässt sich bis in die 50er-Jahre zurückverfolgen, ganze 28 Mal verwüstete allein "Godzilla" seither den Inselstaat im Ostmeer. Kaum verwunderlich also, dass aus dem Heimatland der Riesenechse mit Argusaugen auf die mittlerweile zweite Hollywood-Verfilmung des Stoffes geblickt wird. War Roland Emmerichs erste Verfilmung 1998 noch Comic-ähnlich überzeichnet, ist Gareth Edwards' "Godzilla" deutlich düsterer geraten - etwas zu düster sogar: Ein bisschen mehr Lockerheit hätten dem fast schon bierernsten Actionstreifen gut getan.

Mit großen Ungeheuern kennt sich Gareth Edwards aus - sein Erstlingswerk besitzt nicht umsonst den Namen "Monsters". Die kleine Indie-Produktion, in der eklige Tentakelviecher für Angst und Schrecken sorgten, spielte rund das Achtfache ihres 500.000-Dollar-Budgets ein. Dem gegenüber stehen nun geschätzte 160 Millionen US-Dollar, die der Engländer für "Godzilla" zur Verfügung hatte. Einen Teil der üppigen Summe investierte der Enddreißiger in eine ansehnliche Besetzung, die auf dem Papier aber leider mehr hergibt als auf der Leinwand.

Vor 15 Jahren havarierte ein japanisches Kernkraftwerk, bei dem der Wissenschaftler Joe Brody (Bryan Cranston, "Breaking Bad") seine Frau Sandra (Juliette Binoche, "Chocolat") verlor. Von offizieller Seite als Betriebsunfall eingestuft, stellt der Witwer eigene Nachforschungen an: Seiner Meinung nach war es kein Erdbeben, das die Atommeiler zum Einsturz brachte. Zusammen mit seinem Sohn, dem Soldaten Ford (Aaron Taylor-Johnson, "Kick-Ass"), geht er in der Jetztzeit auf Spurensuche.

Der Film baut sich langsam auf - sehr langsam. Bis das titelgebende Monster zum ersten Mal auftaucht, vergehen fast 40 Minuten, in denen der britische Filmemacher sein Publikum vor allem wissen lässt, dass er kein großer Fan von Kernenergie ist. Den wenigen Actionszenen, die aber über wertige CGI-Effekte verfügen, wurde im Vergleich dazu zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Das größte Problem von "Godzilla" ist allerdings im wahrsten Sinne des Wortes hausgemacht: Guillermo del Toro machte im letzten Jahr mit seinem ebenfalls von Warner und Legendary Pictures realisierten Action-Film "Pacific Rim" vor, wie Materialschlachten mit großen Monstern mittlerweile auszusehen haben. Zwar übertrieb es der mexikanische Regisseur einstweilen mit überbordender Coolness. Doch "Pacific Rim" hatte das, was "Godzilla" im Endeffekt fehlt: das Herz am rechten Fleck.

Quelle: teleschau - der mediendienst