"Das soll nicht eingebildet klingen ..."

"Das soll nicht eingebildet klingen ..."





Romain Duris spielt die Hauptrolle in "Beziehungsweise New York" (Kinostart: 01.05.)

Romain Duris ist Künstler, durch und durch. Man sieht das sofort. Er trägt zur stylish engen schwarzen Hose spitze Schuhe und zum gepflegten Strickpulli ein üppiges Halstuch, wie es hierzulande Bundestrainer Jogi Löw tut. Vielleicht ist er aber auch ein bisschen krank, es schadet auf jeden Fall nicht, die Stimme zu schonen. Mit der er übrigens nur französisch spricht. Ein Interview auf Englisch lehnt er aus nicht weiter benannten Gründen ab. Aber auch in seiner Muttersprache redet der 39-Jährige nicht gerne, wendet den Blick nie vom anwesenden Übersetzer ab. In Frankreich ist er ein Star, nicht zuletzt dank der "L'Auberge Espagnole"-Trilogie, in der er den mittlerweile erwachsenen Austauschschüler Xavier spielt. In "Beziehungsweise New York" (Kinostart: 01.05.) soll die Geschichte nun ihren Abschluss finden.

teleschau: Nach "L'Auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr" und "L'Auberge espagnole - Wiedersehen in St. Petersburg" spielen Sie nun zum dritten Mal mit Audrey Tautou, Cécile De France und Kelly Reilly. Sind Sie mit einer der drei Frauen auch privat befreundet?

Romain Duris: Cécile de France und ich sind im selben Bekanntenkreis, wir treffen uns auch außerhalb der Arbeit. Mit Audrey ist das ganz anders. Sie sehe ich beispielsweise gar nicht.

teleschau: Mit ihr geben Sie nur das Kino-Traumpaar, wie zuletzt in Michel Gondrys "Der Schaum der Tage" und jetzt wieder in "Beziehungsweise New York".

Duris: Ach, ein bisschen vielfältiger ist das Kino schon. Wir haben jetzt zwei Filme hintereinander gedreht. Und ja, wir haben Gemeinsamkeiten: Wir sind Franzosen, eher brünett, haben eine gewisse Leichtigkeit, aber das ist ein Image, mehr nicht. Wir sind kein Traumpaar.

teleschau: In "Beziehungsweise New York" geht es um die Frage, ob das Leben einfach oder kompliziert ist. Wie schätzen Sie Ihr eigenes ein?

Duris: Wessen Leben ist schon einfach? Sicher habe ich einen Beruf, der mich sehr privilegiert, und ich muss auch sagen, dass ich viele Entscheidungen darüber treffe, was in meinem Leben passieren soll. Ich bin Herr über Entwicklungen und hole mir Dinge heran, die ich erleben möchte. Das ist der große Unterschied zwischen meiner Rolle Xavier und mir. Xavier würde gerne Entscheidungen treffen, wartet aber, bis es das Leben tut.

teleschau: Sie leben in Paris - tun Sie das aus Überzeugung oder aus beruflicher Notwendigkeit?

Duris: Es ist eine Notwendigkeit, aber es ist gleichermaßen der Ort, in dem ich geboren bin. Da bin ich ich, das ist meine Stadt, in der ich auch mal einsam sei kann. Paris ist nicht meine absolute Lieblingsstadt, aber die Stadt, in der ich ehrlich, authentisch bin. Ich kann mir vorstellen, in London, New York oder auch in Berlin zu leben, aber das wären Übergangsphasen, nach einer gewissen Zeit müsste ich dann wieder zurück.

teleschau: In Paris dürften Sie allerdings alle paar Meter von Fans angesprochen werden.

Duris: Man denkt, dass ich in Paris oft erkannt werde und es genossen habe, in New York zu drehen. Aber es gibt ziemlich viele Franzosen in New York - und während sie in Paris meine Privatsphäre respektieren, freuen Sie sich in den USA so, mich zu sehen, dass sie nicht darüber nachdenken, ob mir das Verhalten unangenehm ist.

teleschau: Berühmt wurden Sie vor allem durch die Filme von Cédric Klapisch ...

Duris: Cédric hat mich in gewisser Weise gepflückt damals bei "L'Auberge Espagnole - Barcelona für ein Jahr". Ich kam ja eher aus der Malerei, und er hat mich in diesem Film genau so gesehen wie ich war. Ich war schon in der Schule der Klassenclown, hatte Spaß daran, Chaos zu säen. Spielen hat mir immer Spaß gemacht, aber es ist mir tatsächlich erst bei diesem Dreh 2002 aufgefallen, dass das ein richtiger Job ist. Da habe ich erstmals eine Figur erschaffen, mich intensiv mit dem Entstehungsprozess beschäftigt. Daraufhin habe ich den Beruf ernstgenommen, weil ich den Unterschied realisiert habe zwischen ein bisschen Schauspieler im Leben zu sein und das als richtigen Job zu sehen.

teleschau: Bevorzugen Sie Charaktere, die Ihnen ähneln oder suchen Sie welche, die möglichst weit von Ihnen entfernt sind?

Duris: Auf der einen Seite suche ich Rollen, die weit weg sind, so wie es jetzt bei "Beziehungsweise New York" war, aber es gibt auch Dinge, die wiederkehren. Privatleben und Rollen sind zweierlei. Und wir haben Xavier auch nicht aus meinem Leben abgeschrieben, ich bin keineswegs so chaotisch. Aber wenn ich mir eine Rolle bewusst vornehme, ist sie weit weg von mir, das stimmt schon.

teleschau: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie lustig sein können? Zunächst spielten Sie ja eher ernste Rollen.

Duris: Das soll nicht eingebildet klingen, aber ich weiß aus Erfahrung, dass ich etwas in mir habe, das komisch wirkt. Das war schon so, als ich noch jung war. Als ich noch Kind war, nahmen wir Sketche auf Video auf, und die Freunde, für die sie waren, haben sehr gelacht. Da ist vielleicht noch mehr, als man auf der Leinwand sieht. Am komischsten bin ich, wenn es sehr persönlich wird.

teleschau: Obwohl es heißt, dass "Beziehungsweise New York" den Abschluss bildet der "L'Auberge Espagnole"-Reihe bildet: Können Sie sich einen vierten Teil vorstellen?

Duris: Natürlich, gar keine Frage. Die Figuren transportieren viel. Sie in zehn Jahren ein weiteres Mal zu besuchen und da ganz jungfräulich heranzugehen - warum nicht?

Quelle: teleschau - der mediendienst