Diana Amft

Diana Amft





Lachen mit mehr Tiefe

Diana Amft, rotblond gelockter Komödienstar, macht jetzt in Krimi? Gott sei Dank ist ihre neue SAT.1-Serie "Josephine Klick" weder Humor-Schenkelklopfer noch Schmunzelfernsehen der Marke "Heiter bis tödlich". Eher schon ein bittersüßer Erzählreigen über Menschen in der Großstadt. Diana Amfts neue Heldin hört auf den etwas ausgedacht klingenden Namen Josephine Klick. Immerhin ist der Name nicht Programm in Sachen Glaubwürdigkeit. Die neu Serie stammt aus der Feder von Marc Terjung, der schon "Edel & Starck" und vor allem "Danni Lowinski" erfand. SAT.1 und Diana Amft dürfen sich - geht es nach der Qualität - berechtigte Hoffnungen machen, einen weiteren deutschen Serienflop zu vermeiden - "Josephine Klick - Allein unter Cops, ist ab 5. Mai, immer montags, 21.15 Uhr, bei SAT.1 im Programm.

Terjungs Erzählungen sind immer von Ambivalenz geprägt, selbst wenn "Comedy" draufsteht. Da wird Komisches mit Tragisch-Melancholischem vermischt, und auch gesellschaftliche Wunden legt der Berliner Drehbuchautor auf leichte, aber oft elegante Weise offen.

Josephine Klick, eine Kriminalerin, die aus der ostwestfälischen Provinz kommend plötzlich im Berliner Großstadtdschungel ihre Frau stehen muss, ist so ein gespaltener Fall. "Josephine ist eine Heldin, die schießen, reiten und fechten kann", beschreibt Diana Amft die starke Seite ihres Charakters. "Darin ist sie unschlagbar. Aber sie ist auch eine, die nicht ganz so hart ist, wie sie auf den ersten Blick scheint."

Tatsächlich wird Josephine von ihren beiden männlichen Kollegen im Team zu Anfang gemobbt, und dieser Kampf Mann gegen Frau hat in Diana Amfts neuer Serie nichts Drolliges. Dabei darf die 38-jährige Rotblonde im neuen SAT.1-Krimi nicht nur die Tussi spielen, die mehr auf dem Kasten hat als gedacht, sondern sie packt mitunter verblüffende Kräfte aus. "Josephine musste sich immer durchbeißen in einer Männerwelt", beschreibt Amft ihre Rolle detaillierter. "Sie war immer ein natürlicher Typ, ein Pferdemädchen eben. Das unterscheidet diese Figur von anderen, die ich gespielt habe: der Mut, dieses Durch-die-Wand-wollen, das Furchtlose. Persönlich habe ich damit nicht so viel gemein. Dass sie immer so drauflos prescht, das ist gar nicht meins."

Wer Diana Amft zum Interview trifft, erlebt tatsächlich eine mädchenhafte, ja fast scheue Frau. Nur, wenn es manchmal "klick" macht und sie im Erzählfluss eine kleine, komische Bemerkung einstreut, erkennt man jene Frau wieder, die von großen Sendern wie ARD, SAT.1 und RTL in den letzten Jahren immer wieder als komödiantisches Zugpferd engagiert wurde. Zuletzt 2013, als RTL die amerikanische Sitcom "The New Adventures of Old Christine" adaptierte und Amft mit der Rolle einer alleinerziehenden Mutter betraute. Die Serie, die durchaus ihre Qualitäten hatte, gewann die Gunst des großen Publikums allerdings nicht und wurde nach nur einer Staffel eingestellt. Für Diana Amft, die sich stets stark mit ihren Projekten identifiziert, war das natürlich keineswegs angenehm.

"Natürlich ist es enttäuschend", sagt sie, "aber ich kann nur in meinem Bereich alles geben, was ich kann. Es ist aber auch aufgrund der vielen Sender sehr kompliziert geworden, Erfolg zu definieren." Dass dieses etwas "ernstere" Format "Josephine Klick" nun eine Reaktion auf das Scheitern von "Christine" sei, soll jedoch nicht behauptet werden - beide Projekte wurden parallel vorangetrieben. Wobei "Josephine" sicher die Serie war, welche Diana Amft vor größere persönliche Herausforderungen stellte. "Ich musste beim Abschießen von Waffen erst mal mit Mühe lernen, dass man die Augen auflassen sollte und, wenn möglich, auch nicht in die andere Richtung gucken sollte."

So ehrlich eigene Hemmungen auszusprechen, die sich für einen Schauspieler eigentlich nicht gehören, auch das ist Diana Amft. Dass Pferde bei "Josephine Klick" eine Rolle spielen, machte der gebürtigen Gütersloherin besonderen Druck. "Das Reiten ist mir schwer gefallen, weil ich selbst nach einem schweren Reitunfall nicht mehr angstfrei aufs Pferd steige. Ich war etwa 15 oder 16, da verletzte ich mich so schwer, dass ich lange nicht mehr reiten durfte. Damals kam sogar der Rettungshubschrauber. Die Angst beim Reiten ging von da an nicht mehr weg, deshalb habe ich nach einem letzten schönen Ausritt mit diesem Sport aufgehört." Für die Serie musste sich Diana Amft nun doch wieder überwinden, aufs Pferd zu steigen - auch wenn ihre Angst stets ein bisschen mitritt, wie sie offen zugibt.

"Josephine Klick" ist, anders als es der Titel vermuten ließe, keine Amft-Soloshow. Mit Matthi Faust und Alexander Khuon als ermittelnde Team-Kollegen hat man ihr zwei starke Schauspieler an die Seite gestellt, welche die männliche Seite des Existenzkampfes im Berliner Stadtdschungel überzeugend verkörpern. Tatsächlich nimmt Marc Terjungs Drehbuch seine Charaktere ernst. Nach der noch etwas konventionelleren Auftaktfolge "Die tote Boxerin" kommen die verhandelten Gesellschaftsthemen und charakterliche Feinzeichnungen der drei Hauptfiguren im Laufe der sechs Folgen immer besser in Schwung.

Die Tiefe der Figuren, für bisherige Amft-Projekte eher Neuland, begeistert auch die Hauptdarstellerin des montags direkt nach neuen Folgen von "Der letzte Bulle" platzierten Serie. "Ja klar, es macht Spaß, die Charaktere zu beobachten", sagt Amft. "Und um das Gefühl zu bekommen, dass man ganz nah dran ist, haben wir es etwa so umgesetzt, als würde man durch ein Schlüsselloch gucken." Jene Figurentiefe dürfte der für deutsche Serienverhältnisse recht sorgfältigen Drehbuchentwicklung geschuldet sein dürfte. Ein Job, der hierzulande leider immer noch stiefmütterlich behandelt wird, obwohl sich ganz langsam eine Wende nach amerikanischem Vorbild abzuzeichnen scheint, so dass Sender und Produzenten ihre Projekte immer mehr vom Drehbuch aus denken und sich erst danach an die Planung einer passenden Umsetzung machen.

Für Diana Amft, die nun gespannt auf die Quoten "ihrer" Josephine Klick wartet, hat die Komödienlandschaft in Deutschland - zumindest in den letzten Jahren - allerdings keine wirklichen Quantensprünge erfahren. "Ich kann keine große Veränderung erkennen", sagt sie auf die Frage, ob die Qualität besser geworden sei. "Es gibt nach wie vor gute und weniger gute Sachen. Das A und O ist das Buch. Gute Autoren sind entscheidend. Man merkt schon beim Lesen, ob etwas komisch ist. Wir Schauspieler können ein Buch nur adäquat umzusetzen versuchen. Verbessern lässt sich etwas, das nicht auf geschmackvolle Art lustig ist, nicht." Gut, dass bei "Josephine Klick" beides stimmt: die Geschichten und ihre bisweilen klassisch-komödiantisch, manchmal aber auch tragikomische schauspielerische Umsetzung.

Quelle: teleschau - der mediendienst