3 Days To Kill

3 Days To Kill





Der Papa im Killer

Mit voller Wucht rammt Ethan Renner (Kevin Costner) im schwarzen Peugeot den silbernen der Gangster. Wie Billardkugeln schießen die Fahrzeuge auf die Champs Elysées. Patronen aus automatischen Waffen bohren sich ins Blech, aus einem Wagenfenster zieht Ethan einen übereifrigen Gegner heraus und lässt ihn auf den Asphalt tropfen. Final katapultiert Ethan das Verbrecherauto über ein Brückengeländer. Sehr durchschnittliches Actionkino ist das, und ohne Berücksichtigung der räumlichen Finessen, mit denen die französische Hauptstadt aufwarten kann. Aber die große Botschaft der einigermaßen hirnverbrannten Thrillerfarce "3 Days To Kill" kommt ja noch. Warum er ihn aus dem Wrack ziehe statt ihn zu töten, will Mitat Yilmaz (Marc Andréoni) wissen. "Weil Du der Dad bist, der Bescheid weiß", gibt Ethan zurück.

Denn darauf kommt es an. Killen? Das kann irgendwie jeder. Aber ein guter Vater sein? Tja. Dass er das nie war, das reut den alternden Ex-CIA-Auftragskiller Ethan Renner, der bald an Krebs sterben wird. Um seiner entfremdeten, 16-jährigen Tochter Zooey (Hailee Steinfeld, "True Grit") etwas hinterlassen und eventuell seinen Tumor kurieren zu können, nimmt er einen Auftrag von Vivi Delay (Amber Heard) an, einer schrillen Mischung aus Fee und Femme fatale. Er soll den Bösewicht "der Wolf" (Richard Sammel) und den rücksichtslosen Albino (Tómas Lemarquis) in seinen Diensten jagen.

Aber damit ist es nicht getan. Während seine Ex-Frau Christine (Connie Nielsen) drei Tage auf Business-Trip in London weilt, ist Ethan als Vater gefragt. Auf seinen Füßen stehend lernt Zooey tanzen, er fährt mit ihr Karussell, boxt sie aus zweifelhaften Discos raus, bringt ihr bei Sacre-Cur Fahrradfahren bei und, ja, dazwischen Leute um, recht viele und ziemlich drastisch.

Eine Menge Unsinn prasselt in "3 Days To Kill" auf einen ein, und nicht nur so triefend sentimentaler wie die stilisierte Niederkunft einer jungen Flüchtlingsfrau in Ethans Wohnung. Mit der Produktion der fesselnden "Taken"-Reihe um den väterlichen Rächer Liam Neeson hat Luc Besson so etwas wie den familientauglichen Gewaltfilm zu schaffen versucht. "Malavita - The Family" unter eigener Regie war die geschmacklose Anstrengung, das Konzept auf makabere Art zu komödiantisieren. Seine jüngste Produktion will nun fast noch krasser Brüllwitz und Brutalität in eins blenden.

Während sich Ethan mit seiner Tochter verbal am Handy kabbelt, versucht er seinem Lieblingsopfer, jenem schon erwähnten Mitat, die besten Tipps fürs Vatersein zu entlocken. Mit Starterkabel-Elektroschocks. Regie hat McG geführt, der es vor ein paar Jahren in "Terminator: Die Erlösung" permanent krachen ließ, ohne dass irgendetwas Besonderes geschah. Ähnlich inspirationslos dürfte McG bei "3 Days To Kill" bloß Bessons Drehbuch und seine Anweisungen als Produzent getreulich umgesetzt haben. Wer kann Besson sagen, dass Folter nicht witzig ist und seine Filme peinlich und abstoßend geraten?

Womöglich hat Besson dabei gar nichts Böses im Sinn: In "3 Days To Kill" darf ein Comic-lesender Bube den Killer Ethan Renner bei einer seiner riskantesten Aktionen bewundern. Vielleicht glaubt Besson, mit seinen zweifelhaften Rezepturen sein Kino verjüngen zu können. Und so wieder der kleine Junge werden zu können, als der er die ersten Ideen zu "Das fünfte Element" und anderen Blockbustern hatte.

Quelle: teleschau - der mediendienst