Zulu

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Drogenkrieg am Kap

Die Gewalt in Südafrika ist nach wie vor groß, womöglich größer als in jedem anderen Land der Welt, wenn man den Statistiken Glauben schenken darf. Die Unterdrückung und Entrechtung zu Zeiten der Apartheid haben ihre Spuren hinterlassen, die Kluft zwischen Arm und Reich ist 20 Jahre nach den ersten freien Wahlen größer denn je, auch jetzt noch bricht sich die Wut von damals Bahn. In "Zulu" (2013), einer aufwendigen französisch-südafrikanischen Koproduktion nach dem gleichnamigen Roman von Caryl Férey, gibt es zuweilen eine Orgie der Gewalt - Verstümmelungen mit der Machete, Bleiballett mit dem MG. Kino-Gewalt, die im Dienste einer guten Sache steht: Es möge endlich Friede werden im Mandela-Land Südafrika. Forest Whitaker und Orlando Bloom unterstreichen als wackere Kapstadter Cops das spürbare Engagement des französischen Regisseurs Jerôme Salle.

Dem schwarzen Kapstadter Chef der Mordkommission, Ali "Zulu" Neumann, den der Oscarpreisträger Forest Whitaker mit einer schier unglaublichen Gelassenheit spielt, könnte man ohne Weiteres den Friedensnobelpreis verleihen. Verzeihen will er und seinen Beitrag zum Frieden zwischen den ehemals verfeindeten Lagern leisten. Und das nach allem, was man ihm und seiner Familie einst angetan hat: Nur er und seine Mutter, um die er noch immer rührend besorgt ist, überlebten. Der Rest der Familie kam durch rassistische Gewalttäter ums Leben. Bis heute trägt Ali am Kindheitstrauma schwer und schläft noch immer schlecht.

Fein symmetrisch haben ihm die Autoren einen weißen Cop zur Seite gestellt, der ausgerechnet einer Familie entstammt, die zur Zeit der Apartheid großen Einfluss hatte. Auch dieser Brian Epkeen (Orlando Bloom) trägt an einem Trauma, gilt es doch, das Unrecht an den Schwarzen zu verdrängen. Er ist ein Polizist, der gelegentlich durch Gewalt- und Alkoholexzesse aufgefallen ist. Ein selbstzerfressener und selbstironischer Kerl. Außerdem hat er Frau und Sohn an einen wohlhabenden schnöseligen Zahnarzt verloren. Dass Bloom und Whitakers Figuren im Film selten auf gemeinsamer Streife zu sehen sind, setzt sie ab vom amerikanischen Cop-Kino der 70er-Jahre. Beide sind sie gebrochene Helden, nicht geeignet fürs Buddy-Kino mit Hollywood-Happy-End.

Es gibt gleich zu Beginn zwei Vergewaltigungen, zwei Frauenleichen. Mehr noch: Auf dunklen Spielplätzen in den Armenvierteln sind die Kinder derart aggressiv, dass sie zu Gewalttätern von monströsen Ausmaßen werden. Designerdrogen, aggressiv machende Psychopharmaka sind im Spiel, so viel wird bald klar. Und die Kapstadter Cops dringen nun recherchierend immer weiter in die Kreise übler Drahtzieher vor.

Sie stoßen auf eine ungeahnte Welt aus internationalen Drogengeschäften und Korruption. Dass sie sich dabei recht naiv in die Fanggründe des Bösen begeben, ist allerdings eher den Anforderungen des krachenden Actionkinos geschuldet als der Realität. Die Behauptung dagegen, dass der Schoß des Bösen von gestern noch immer fruchtbar sei, bringt die Story einigermaßen glaubhaft rüber, zumal sie im Kapstadter Milieu atmosphärisch dicht angesiedelt ist. Schönheit und Schmutz stoßen da sehr dicht aufeinander.

In Cannes stellte man den Film 2013 außer Konkurrenz an das Ende des Wettbewerbs. Das war schlau und trifft die Sache, denn "Zulu" ist ein ehrenwerter Thriller, der einige Längen hat, seine gute Botschaft aber geschickt in eine spannende Gewaltinszenierung verpackt. Schade, dass dabei die Bösen reichlich unterbelichtet bleiben. Man hätte den Übeltätern gerne mehr Psychologie und Anschaulichkeit gegönnt. So aber bleibt's unter der staubigen Sonne am Kap bei einem bösen Albtraum-Märchen, aus dem es in der Wirklichkeit so schnell kein Erwachen gibt.

Quelle: teleschau - der mediendienst