Franziska Weisz

Franziska Weisz





Dem Glück einfach vertrauen

Es ist eigentlich der Traum: Man geht zu einem Schauspieler-Casting für eine kleine Rolle in einer Fernsehserie und wird dort für einen Kinofilm eines renommierten Regisseurs entdeckt. Danach studiert man in England, während in Deutschland eine Autorin einem eine Kinorolle auf den Leib schreibt. Nach vier Jahren Studium kommt man zurück, dreht besagten Kinofilm und wird auf der Berlinale als einer der "europäischen Shooting-Stars" ausgezeichnet. Daraufhin folgen viele Rollen und zwei weitere Filme, die Publikum und Jury des Berliner Filmfestivals in Staunen versetzen. Die Geschichte von Franziska Weisz klingt unglaubwürdig, kitschig gar. Mit gerade mal 33 Jahren hat die Wahl-Berlinerin bereits eine beeindruckende Karriere hingelegt. Und sie sagt selbst: Ihre Karriere basiert auf Mitleid. Am Montag, 5. Mai, 20.15 Uhr, ist sie im ZDF-Fernsehfilm "Die Tote in der Berghütte" zu sehen.

Franziska Weisz sagt das natürlich mit einem wissenden Augenzwinkern: Mitleid hatten lediglich ihre Betreuer bei einer Modelagentur. Mit 18 beschloss sie, sich als Model zu versuchen. Auch weil sie sich keinen anderen Weg in die Schauspielerei vorstellen konnte: "Ich hätte mich nie an einer Schauspielschule beworben, dazu hatte ich viel zu viel Ehrfurcht." Aber modeln konnte sie sich vorstellen. Nur bekam sie nie einen Job. Also riet man ihr, es doch mal bei einem Casting für eine kleine Rolle in der inzwischen eingestellten Krimiserie "Kommissar Rex" zu versuchen.

Markus Schleinzer, der damals mit Regisseur Ulrich Seidel zusammenarbeitete, veranstaltete das Casting. Der wollte sie zwar nicht für eine Rolle in der Krimiserie haben, bat sie aber darum, noch etwas anderes für ihn zu spielen. Das aufgenommene Material zeigte er Ulrich Seidel, der gerade Schauspieler für seinen Film "Hundstage" (2001) suchte. Und der besetzte sie einfach. "Damals wusste ich nicht, was das bedeutet. Als wir dann mit dem Film in Venedig Premiere hatten, waren da überall Fotografen und Reporter. Ich war sehr beeindruckt."

Bei der diesjährigen Berlinale fühlte sie sich kurz in diese aufregende Zeit zurückversetzt, allerdings aus anderer Perspektive: "Unsere Hauptdarstellerin Lea van Acken von 'Kreuzweg' ist ja auch noch ein junges Mädchen. Als wir da über den roten Teppich marschierten und überall Fotografen waren, wurden ihre Augen immer größer. Und genau so ging es mir damals auch."

In einem Film mitzuspielen, der auf den Filmfestspielen in Venedig Premiere feierte und auch noch den großen Preis der Jury gewann - kein schlechter Start für eine Karriere. Was für ein unfassbares Glück das war, war Franziska Weisz lange Zeit nicht bewusst: "Ich hab das einfach als abgefahrenes Abenteuer mitgenommen", erklärt sie.

Am Anfang dachte Franziska Weisz noch, ihr stehe das alles gar nicht zu, der Erfolg, der Rummel, die Aufmerksamkeit. "Mir wurde von meinen Eltern immer beigebracht, dass man sich Dinge erarbeiten muss. Und ich dachte mir: 'Das darf doch nicht wahr sein, ich habe nichts gemacht, das mir in irgendeiner Form etwas abverlangt. Es ist doch nicht möglich, dass mir etwas, das mir so viel Spaß macht und Freude bereitet, mein Beruf sein soll.'" Doch ihr Glück forderte sie eindeutig heraus: Direkt nach dem letzten Drehtag von "Hundstage" zog sie nach England zum Studieren. Entwicklungs- und Umweltpolitik sollten die Themen der nächsten vier Jahre sein. Das hat recht wenig mit Schauspielerei zu tun - abgesehen vom Politik-Aspekt.

Das Schicksal, der Zufall oder beides meinten es aber anders mit Franziska Weisz. Auf der "Hundstage"-Premiere in Wien machte Autorin und Regisseurin Jessica Hausner Polaroid-Fotos von ihr. Als Inspirations-Quelle: In den folgenden zwei Jahren schrieb sie Franziska die Hauptrolle im Kinofilm "Hotel" (2004) auf den Leib. Noch so ein unglaublicher Glücksfall, auch wenn die Vorbereitungen auf den Film Entbehrungen bedeuteten: "In den zwei Monaten vor dem Dreh habe ich zehn Kilo abgenommen. Durch das ständige Rumsitzen und den fehlenden Sport hatte ich nicht mehr die schlanke Figur, die Jessica im Kopf hatte." Sie lacht, als sie das erzählt. Selbstsicherheit strahlt Franziska Weisz aus. Kein Wunder nach so einer Karriere-Geschichte, die noch lange nicht zu Ende ist.

Mit ihrem Part in "Hotel" sorgte Franziska Weisz auf der Berlinale 2005 für Aufsehen. Danach folgten Rollen fürs Fernsehen und in Kinofilmen: Sie spielt unter anderem im "Tatort" mit, dreht einige Episoden der SAT.1-Serie "Der letzte Bulle" und landet 2010 mit "Der Räuber" wieder auf der Berlinale. Überhaupt die Berlinale: Dieses Jahr ist sie im Drama "Kreuzweg" zu sehen, das den Silbernen Bären für das beste Drehbuch gewann. Ist Berlin vielleicht wegen der Berlinale die Heimat der Österreicherin geworden? Nein, gibt sie lachend zurück, auch wenn sie das Filmfest gerne mag. Berlin verändere sich dann so, strahle einen anderen Glanz aus.

Dass sie einen ungewöhnlichen Einstieg in die Branche hinter sich hat, weiß Franziska Weisz inzwischen. Dass es nur Höhen gab, verneint sie aber entschieden: "Ich kenne die Zeit, in der das Telefon auch lange nicht klingelt, dass eben nicht eine Rolle nach der anderen kommt. Man sitzt dann zu Hause und denkt: Was habe ich falsch gemacht?" Das ist der verquere Humor, den das Leben bietet: Als sie tatsächlich beschloss, Schauspielerin zu werden, kamen die harten Zeiten. Durchgebissen hat sie sich dennoch.

Und das ist gut für den Zuschauer, wie man Montag, 5. Mai, im ZDF sehen darf: Im Fernsehfilm "Die Tote in der Berghütte" spielt Franziska Weisz eine von fünf Freundinnen, die ein Wochenende in den Bergen verbringen. Wie der Titel suggeriert, geht dabei jedoch nicht alles harmonisch zu. Franziska Weisz bleibt lange Zeit im Hintergrund, überlässt anderen das Feld. Das Drehbuch wollte das so. Aber sie fand ihre Figur von Anfang an am Spannendsten, erklärt sie. Und so fügt sie sich ins Ensemble dieses sehenswerten Films ein. Sie vertraute der Geschichte, der Regie, dem Zufall und dem Glück. Vertrauen hat sie schließlich dorthin gebracht, wo sie jetzt ist.

Quelle: teleschau - der mediendienst