Sophie Dal

Sophie Dal





Frech? Nur im Job.

Manchmal ist der Unterschied zwischen Film und Leben deutlich sichtbar. So wie im Fall von Sophie Dal. Wer die 32-Jährige aus dem Fernsehen kennt, erwartet wahrscheinlich die nassforsch-süße Draufgängerin Yasmin Ülküm aus der Dieter Pfaff-Serie "Der Dicke". Seit der ersten Staffel, die vor zehn Jahren gedreht wurde, gibt Dal dort das Büroküken der Anwaltskanzlei. Als türkischstämmige Provinzpolizistin in "Friesland" (ZDF, Samstag, 03.05., 20.15 Uhr) spielt die Tochter des Schriftstellers Güney Dal nun ihre erste Hauptrolle. Auch hier trägt sie ihr Herz im Gesicht und auch ein bisschen auf der Zunge. In der Hamburger Vertretung des ZDF, wo Sophie Dal und ihr Spielpartner Florian Lukas nun Interviews geben, trifft man jedoch eine Frau, die nichts mit all dem zu tun hat. Zurückgenommen höflich, mit Brille und adretter Business-Kleidung, erinnert die gebürtige Berlinern eher an eine attraktive Vorstandssekretärin oder Bibliothekarin. Alles nur Schauspiel oder was?

Die ruhige, ja fast ein wenig scheue Art der Sophie Dal entspricht nicht dem Klischee der jungen Deutschtürkin. Da ist nichts Feuriges, nichts überbordend Emotionales. Das "Fest des Lebens" steht ihr nicht unbedingt ins Gesicht geschrieben. Ihre Hände liegen ruhig im Schoß, große Gesten bleiben aus. Dabei ist Dal, die 1981 in Berlin geboren wurde, doch auch noch Schauspielerin! Tatsächlich macht einen diese Frau ein wenig nachdenklich - in Bezug auf eigene Klischees, die in ihren Rollen sogar teilweise bedient werden.

Die Rolle als Yasmin in der ARD-Serie "Der Dicke", die nun nach dem Tod von Dieter Pfaff unter dem Namen "Die Kanzlei" weitergeführt wird, war Sophie Dals Eintritt ins professionelle Schauspielgeschäft. Vorher hatte sie als Kind und Jugendliche einige Male vor der Kamera gestanden. Mit sieben oder acht Jahren an der Seite von Harald Juhnke beispielsweise oder in einem Münchener "Tatort" als 15-Jährige. Eine Schauspielausbildung hat die Berlinerin nicht absolviert - auch hier zerplatzt wieder eine Klischee-Seifenblase.

"Die Schauspielerei lag für mich so ein bisschen auf der Hand", erklärt Dal ihre Berufswahl. "Wir waren mit vielen Künstlern befreundet, sowohl türkischstämmigen als auch anderen. Ich wollte schon sehr früh Schauspielerin werden und dachte, ich würde nach dem Abitur auf eine Schauspielschule gehen. Im letzten Moment habe ich mich umentschieden und studierte erst mal Philosophie. Eigentlich albern, weil ich den einen unsicheren Job gegen eine andere vage Idee eingetauscht habe."

Sophie Dals Eltern, die Anfang der 70-er aus Istanbul nach Berlin zogen, darf man getrost als Intellektuelle bezeichnen. Ihre Mutter studierte Archäologie und schrieb ihre Diplomarbeit in Deutschland. Ihr Vater ist der auch in Deutschland verlegte Schriftsteller und Philologe Güney Dal ("Europastraße 5"). Sophies acht Jahre ältere Schwester Ceren arbeitete früher ebenfalls als Schauspielerin. Als Sophie 21 war, veränderte das Casting für die neue Dieter Pfaff-Serie "Der Dicke" ihr Leben. Von da an war sie Yasmin, die junge Bürokraft, die eher handelt als denkt und in ihrer entwaffnenden Spontaneität so ganz anders ist als Sophie Dal.

Ihre Karriere, die aufgrund der traditionell langen Staffelpausen von "Der Dicke" auch Durststrecken gehabt haben muss, scheint mit "Friesland" nun eine neue Stufe zu erfahren. Die Idee, eine türkische Polizistin namens Süher Özlügül in der ostfriesischen Provinz zu installieren und ihr Florian Lukas als Partner an die Seite zu stellen, besitzt einen gewissen Charme. Zweimal pro Jahr sollen die einfachen Uniformierten mit höheren Ambitionen humorige Fälle zur Samstags-Primetime im ZDF lösen. "Eine Rolle, die mit viel Potenzial angelegt ist, weil neben dem sichtbar Spontanen, Klugen und Emotionalen in dieser Figur auch ganz viel irritierende Unsicherheit angelegt ist", fasst Sophie Dal den Charakter ihrer Rolle ganz treffend zusammen.

Heute lebt die Berlinerin mit den nordischen Rollen in Hamburg und Ostfriesland immer noch in Berlin-Wilmersdorf. Ganz in der Nähe der Eltern übrigens, die sie als Vorbilder und Ratgeber bezeichnet. Mit ihrem Partner, der nichts mit dem Film-Business zu tun hat, ist sie nicht verheiratet. Und, auch das wird betont, der enge Kontakt mit ihrer Schwester ist ihr sehr wichtig. Eine ganz normale junge Frau eben, die durch ihre Rollen an Selbstbewusstsein gewonnen hat. Über die fehlende Schauspielausbildung, ein tief sitzendes Trauma für so manchen Star, kann sie heute entspannt mit den Schultern zucken. "'Der Dicke' war ein toller Start, weil ich von tollen, erfahrenen Schauspielern wie Dieter Pfaff, Gisela Schneeberger oder Katrin Pollitt viel mitnehmen konnte. Ich durfte lernen und zugucken. Das war mein Glück", sagt Sohpie Dal in der ihr eigenen, leisen und bescheidenen Art.

Dass diese Art von Nachteil in der Ellenbogengesellschaft des Schauspielberufes ist, glaubt sie übrigens nicht. "Ja, es stimmt schon - ich bin eher ein zurückhaltender Mensch, keine Rampensau. Ich muss nicht immer im Mittelpunkt stehen. Es gibt viele Schauspieler, die sich in den Vordergrund spielen wollen, aber es kommt doch nichts dabei raus. Ich denke nicht, dass private Zurückhaltung ein Makel in diesem Beruf ist."

Nun wartet Sophie erst mal auf die Quoten der geplanten neuen Reihe "Friesland", die mit ihrer lieblichen, etwas altmodisch-komödiantischen Art das "Wilsberg"-Publikum im ZDF abgreifen sollte und gute Chancen auf Fortsetzung mitbringt. Mit "Die Kanzlei", in der Herbert Knaup anstelle von Dieter Pfaffs für ein Weiterführen des Hamburger Anwaltsbüro sorgen soll, geht es im Herbst 2014 in der ARD weiter. Zwei Eisen hat Sophie Dal also im Feuer, auch wenn sie dabei immer noch relativ cool und unbefeuert wirkt. Schauspielerei ist ja nur ihr Beruf.

Quelle: teleschau - der mediendienst