Die Erfindung der Liebe

Die Erfindung der Liebe





Dem Tod entrissen

Ein wunderbares, leicht nostalgisches Krimimelodram hätte es werden können. Ein junges Paar, Emily und Daniel, steckt in Geldnöten. Beim Spaziergang finden die beiden eine leblose ältere Dame und retten sie - eine todkranke, alleinstehende Millionärin, wie sich herausstellt. Emily denkt sich aus, dass Daniel sie heiraten und beerben könnte. Etwa so weit war "Die Erfindung der Liebe" gediehen, als 2011 Emily-Darstellerin Maria Kwiatkowsky während der Dreharbeiten plötzlich verstarb. Um die abgedrehten Szenen hat Regisseurin Lola Randl nun eine erfundene Entstehungsgeschichte des Projekts zu einem Film-im-Film gestrickt. Eine gute Lösung?

Maria Kwiatkowskys realer Tod wird zum Kern einer Fiktion über das Filmemachen, die schonungslos sein will. Vor verschiedenfarbigen Hintergründen sprechen die Beteiligten, die Schauspieler, die Regisseurin, der Produzent und der Autor in die Kamera, wie es war, als die Hauptdarstellerin plötzlich tot war, wie sie durch eine untalentierte Praktikantin ersetzt und das Projekt trotzdem fortgesetzt wurde. Dass alle beklagen, die Qualität habe gelitten, ist natürlich ironisch gemeint, als Ausgangspunkt für eine Satire, aber bedauerlicherweise ist etwas Wahres dran.

Der Gang hinter die Kulissen bedeutet eben eine schwere ästhetische Hypothek. Es gibt viele Filme über das Filmemachen, aber nur wenige gute - Fellinis "8 1/2", Godards "Die Verachtung", Truffauts "Die amerikanische Nacht", Fassbinders "Warnung vor einer heiligen Nutte", um nur einige der berühmtesten zu nennen. "Die Erfindung der Liebe" darf kaum dazu gezählt werden, wird doch nichts weiter entsponnen als der sattsam popularisierte, millieuspezifische Liebesreigen.

Natürlich hat Regisseurin Ada (Mira Partecke) neben einer Affäre mit Altstar Mario Adorf, der sich selber spielt, ein Verhältnis mit Ulf (Bastian Trost), dem Darsteller des Daniel. Natürlich verliebt sich dieser nach anfänglicher Abneigung in die Praktikantin Tina (Marie Rosa Tietjen), die in die Rolle der Emily schlüpfen muss. Selbstverständlich ist der Autor (Sebastian Weber) schrecklich einsam mit seiner Schreibblockade und die Diva Claudia (Sunnyi Melles) in der Rolle der todgeweihten Millionärin Amine von Kirsch furchtbar launisch.

Auf dem schwierigen Gebiet des Metafilms bleibt Regisseurin Randl verwehrt, was im Torso des ursprünglichen Projekts eindrucksvoll überlebt hat: die Wiederverzauberung großer Vorbilder. Junges Paar will todkranke reiche Dame ausnehmen und erlebt die Korrumpierung ihrer Herzen: Das ist ein Stoff, wie ihn französische Regisseure wie Malle, Chabrol und eben auch Truffaut nach amerikanischer Schundliteratur drehten. Randls ursprünglicher inszenatorischer Ansatz und Stil lehrt die liebende Erinnerung daran.

Die Bauhaus-Villa der vor sich hinsterbenden Amine von Kirsch, dieser Klotz aus Ziegel und endlos spiegelndem Glas, wartet nur darauf, von einer frechen Abenteurerin mit Elan und Chuzpe erobert zu werden. Bald in eleganten Fahrten, die respektvoll Abstand halten, bald mitfühlend über sie gebeugt begleitet die Kamera ein ehrgeiziges und verzweifelt liebendes Girlie durch Hochs und Tiefs, durch Verführung und Mordversuch auf dem Weg zu Glück und Geld. Maria Kwiatkowsky verkörperte es mit gerade einmal 26 Jahren vor ihrem viel zu frühen Tod, in den Fußstapfen großer Kolleginnen wie die Brigitte Bardot oder Anna Karina, pulsierend vor Leben. Ihretwegen lohnt sich "Die Erfindung der Liebe".

Quelle: teleschau - der mediendienst