Geld regiert Spider-Mans Welt

Geld regiert Spider-Mans Welt





Warum "The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro" (Start: 17.04.) längst nicht der letzte Spider-Man-Film sein wird

"Wir werden das Spider-Man-Universum so weit ausdehnen, dass jedes Jahr ein neuer Film veröffentlicht wird." Das versprach Amy Pascal, Vize-Vorstandsvorsitzende von Sony Pictures den Reportern des Branchenblattes "Variety". Das freut Comicfans und die Buchhalter des Studios gleichermaßen: Sony Pictures druckt mit dem "Spider-Man"-Franchise rot-blaue statt grüne Dollarnoten - und zwar am Fließband. Seit der Veröffentlichung des ersten Blockbusters mit der menschlichen Spinne 2002 setzte der Entertainmentriese weltweit bislang 3,3 Milliarden US-Dollar an den Kinokassen mit den insgesamt vier Filmen um. Mit dem neuen Abenteuer, "The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro", das am 17. April in den deutschen Kinos anläuft, dürfte die Vier-Milliarden-Grenze erreicht werden. Doch Sony Pictures will noch aus einem ganz anderen Grund einen Spidey-Film nach dem anderen drehen: Die Rechtelage seines eingekauften Franchises ist eine äußerst komplizierte, und ein möglicher Abnehmer liegt in Lauerstellung, um seine Finger nach Spider-Man ausstrecken zu können.

2009 kaufte Disney für rund vier Milliarden Dollar die 1993 gegründeten Marvel Studios und somit eine ganze Riege an Comic-Helden-Rechten gleich mit. Etwa die an den sehr lukrativen Avengers, deren gleichnamiges Kinoabenteuer 2012 mit weltweiten Einspielergebnissen von eineinhalb Milliarden US-Dollar zum dritterfolgreichsten Film aller Zeiten wurde. Doch dem Superheldenteam gehören neben Iron Man, Hulk, Captain America und Thor eigentlich auch X-Man Wolverine und Spider-Man an. Warum dürfen sie nicht in den Filmen der Superhelden-Truppe mitmischen?

Um das zu verstehen, muss die Uhr noch ein Stück weiter zurückgedreht werden: In den 90er-Jahren stand der amerikanische Comicverlag Marvel kurz vor der Pleite und begann, Filmrechte an einzelnen Figuren zu verramschen. Spider-Man ging an Sony Pictures, die X-Men, auch ein äußerst wichtiger Teil des gesamten Marvel-Universums, gingen an Fox.

Marvel erholte sich in den Folgejahren und nahm schließlich so viel Geld ein, dass einige Charaktere wieder in den Schoß des Mutterkonzerns zurückkehren konnten. 2005 kaufte das Studio Iron Man und Black Widow von New Line Cinema wieder ein, Hulk (Universal) und Thor (Sony) folgten ein Jahr später. Doch Spider-Man blieb, wo er war, und sollte noch bis 2007 insgesamt drei Filme - unter der Regie von Sam Raimi - generieren. Als Disney 2009 dann das dicke Scheckheft zückte, klopfte der Mickey-Maus-Konzern auch an Sonys Pforte. "Wir haben alles versucht, um alle Charaktere einbinden zu können", fasst Marvel-Studio-Boss Kevin Feige in einem Interview mit "Digital Spy" zusammen.

Sonys Problem: Als Marvel in den 90-ern Hals über Kopf die Rechte veräußerte, ließen sie in die Verträge eine Klausel einbauen, die es ermöglicht, die Charaktere zurückzukaufen, sobald eine gewisse Zeit ohne eine Verfilmung über die jeweilige Figur verstreicht. Nachdem sich herauskristallisierte, dass es einen vierten Spider-Man-Film unter Sam Raimis Regie so schnell nicht geben würde, entschied sich das Studio notgedrungen für einen Neustart der Reihe, um das Franchise behalten zu können. "So lange sie weiter Filme produzieren und damit auch weiterhin große Erfolge feiern, kann ich mir keine Summe ausmalen, die sie akzeptieren werden", resümiert Feige trocken. Zur Erinnerung: Alle bislang veröffentlichten Spider-Man-Filme spielten 3,3 Milliarden US-Dollar ein. Diesen Goldesel stößt so schnell keiner ab.

Um die Rechte so lange wie nur möglich im Hause Sony Pictures zu halten, wurden jüngst die "Sinister Six" angekündigt - ein Spin-Off, das sich mit Spider-Mans Erzfeinden Doctor Octopus, Sandman, Vulture, Kraven und Electro auseinandersetzen soll. Mit "Cabin In The Woods"-Regisseur Drew Goddard wurde dafür inzwischen ein Regisseur gefunden, parallel arbeitet "The Amazing Spider-Man 2"-Autor Alex Kurtzman noch an einem Film über einen weiteren Spidey-Bösewicht, Venom. Das Ziel von Sony Pictures ist eindeutig: ein ähnliches Universum zu schaffen wie Disney mit den Avengers und Fox mit den "X-Men"-Filmen.

Und was ist mit den Fans, die seit Jahren auf ein filmisches Cross-Over hoffen, wie es in den Comic-Vorlagen gang und gäbe ist? Einer davon ist Wolverine-Darsteller Hugh Jackman, der sich für seinen im X-Men-Kosmos angesiedelten Charakter schon Pläne für einen Cameo-Auftritt in "The Amazing Spider-Man" oder den "The Avengers" ausmalte. "Ich fragte, ob es möglich sei und Marvel antwortete mir, dass es nicht einfach sein würde, da jedes Studio auf seinen Besitz schaue", gab sich der Australier gegenüber "Collider" geknickt, blickte aber auch optimistisch nach vorne: "Es muss doch einen Weg geben, Iron Man, die ganzen anderen Avengers, Wolverine, die X-Men und Spider-Man zusammenzubringen." Doch diesen Traum werden Comic-Fans wohl noch lange träumen.

Quelle: teleschau - der mediendienst