Christine Neubauer

Christine Neubauer





Eine chilenische Reise

Die Veränderung des TV-Stars Christine Neubauer ist überaus sichtbar. Seit der Trennung von ihrem langjährigen Partner Lambert Dinzinger hat sie eine neue Figur, mit dem chilenischen Fotografen José Campos einen neuen Mann und dazu eine neue Einstellung dem Leben gegenüber. Anstatt wie früher einen Film nach dem anderen zu drehen nahm der 51-jährige Publikumsmagnet eine Auszeit - auch wenn diese anfangs nicht ganz freiwillig war. Zur Ausstrahlung ihres chilenischen Politdramas "Die Briefe meiner Mutter" (Samstag, 26.04., 20.15 Uhr, ARD) spricht das ehemalige "Vollweib" über ihre chilenische Reise und das neue Lebensgefühl, das sie dabei fand.

teleschau: Sie haben tatsächlich eine Pause gemacht!

Christine Neubauer: Ja, das ist mein erster neuer Film seit zwei Jahren.

teleschau: War es eine bewusste Auszeit?

Neubauer: Die Pause hat sich ergeben durch die Veränderungen bei meinem Hauptauftraggeber, der ARD Degeto. Die Firma hat sich neu aufgestellt. Mit neuen Leuten und veränderten Konzepten. Das gibt es anderswo auch. Wenn eine Firma schließt, um in veränderter Form neu zu eröffnen, wird erst mal nichts produziert. "Die Briefe meiner Mutter" ist nun mein erster Film mit der neuen Degeto.

teleschau: Wie sind Sie damit zurechtgekommen, eine Zeitlang nicht gefragt zu sein?

Neubauer: Erst war ich etwas irritiert, doch dann habe ich mir vorgenommen, diese Pause ganz bewusst zu setzen. Es hätte ein paar Anfragen gegeben, aber denen bin ich nicht nachgegangen. Stattdessen wollte ich eine große Reise machen.

teleschau: Wohin führte die Reise?

Neubauer: Nach Chile. Ich fuhr vom Süden mit dem Auto etwa 3.000 Kilometer nach Norden, an den nördlichsten Punkt der Atacama-Wüste. Mein Lebensgefährte, der ja aus Chile stammt, hat mich dabei begleitet.

teleschau: Wie hat Ihnen sein Land gefallen?

Neubauer: Wunderbar, ich war überwältigt. Chile ist nicht sonderlich touristisch. Als Bayerin hat mich der südliche Teil meiner Reise nicht ganz so sprachlos gemacht. Dort sieht es nämlich aus wie in den Alpen. Das erinnerte mich tatsächlich an mein Zuhause am Tegernsee oder an den Schliersee, wo ich früher mit meiner Oma oft war. Nur, dass die Berge in Chile Vulkane sind. Was mich jedoch zutiefst beeindruckte, war die Wüste. Von ihr wurde ich emotional fast schon aufgesogen. Insgesamt waren wir drei Monate unterwegs. So etwas habe ich noch nie gemacht, noch nicht mal, als ich jung war. Vier Wochen mit meinen Eltern in Neuseeland - das war zuvor der längste Urlaub meines Lebens.

teleschau: Sie gelten als Arbeitstier. Wie sehr hat Ihnen die Arbeit gefehlt?

Neubauer: Für jemand, der seinen Beruf mit Leidenschaft ausübt - so wie ich - ist eine längere Pause immer auch eine Herausforderung. Das Ganze hat sich für mich jedoch schnell als Gewinn, ja als absolute Chance herausgestellt. Zeit zu haben empfinde ich mittlerweile als größten Luxus, den man im Leben haben kann. Auch dieses Jahr will ich wieder eine große Reise unternehmen.

teleschau: Ist denn auf dieser Reise auch die Idee ihres neuen Films entstanden? Er spielt ja in Chile ...

Neubauer: Nein, der Film hat mit meinem Privatleben nicht viel zu tun. Ich habe zuvor schon zwei Filme in Chile gedreht. Weil das dort immer alles gut geklappt hat, kam meine Produzentin Regina Ziegler nun mit der Idee dieses Stoffes um die Ecke.

teleschau: In der Vergangenheit stand ihr Name für die melodramatischen Filme der alten Degeto am ARD-Freitagabend. Werden Christine Neubauer-Filme in Zukunft anders sein?

Neubauer: Zunächst mal muss ich noch etwas über die Vergangenheit sagen. Da pickten Kritiker mit wenig Phantasie einfach ein bekanntes Gesicht heraus und stellten mich plakativ aus. Stellvertretend für eine gewisse Art Filme, die sie pauschal als schlecht empfanden. Nicht erwähnt wurde, dass ich auch andere Filme machte wie "Der kalte Himmel" oder "Hannas Entscheidung". Ebenfalls unter den Tisch gefallen ist, dass viele andere Schauspieler auch sehr regelmäßig in Degeto-Filmen zu sehen waren. Die neuen Degeto-Filme, um ihre Frage zu beantworten, werden mit Sicherheit eine etwas andere Ästhetik haben. Mit Christine Strobel und Sascha Schwingel sind bei der Degeto zwei junge, neue Chefs am Werk. Ist doch klar, dass sie diese Firma verändern wollen und werden.

teleschau: Wie sehr hat Sie die Kritik an Ihrer Arbeit in den letzten Jahren verletzt?

Neubauer: Kann man als Mensch, der Gefühle hat, diese Art und Fülle von Kritik ausblenden?

teleschau: Wahrscheinlich nur schwer.

Neubauer: Eben, dann haben Sie sich die Frage selbst beantwortet. Ich musste versuchen, diese Kritik von mir als Mensch unabhängig zu sehen, sie eher als Prozess in einem System zu betrachten. Damit läge ich auch sicher nicht ganz falsch. Für jene Journalisten, die diese Kritik äußern, bin ich ein Objekt, um Auflage zu machen. Zu 90 Prozent wurden Lügengeschichten über mich verbreitet, die dazu vorwiegend negative Dinge erzählten. Ich versuche trotzdem, das an mir abperlen zu lassen und mich selbst als Figur in einem Spiel zu betrachten. Trotzdem kann ich natürlich nicht alles schlucken. Es gibt Dinge, die sind so verletzend und unter der Gürtellinie, dass ich dagegen vorgehen muss.

teleschau: Was verletzt Sie mehr: Kritik an Ihren Filmen oder private Meldungen, die einfach nicht stimmen?

Neubauer: Kritik an Filmen ist für mich Kritik an meiner Arbeit. Damit gehe ich gerne um, weil ich ein absolut kritikfähiger Mensch bin. Alles andere, was ins Emotionale, ins Private geht, empfinde ich als sehr verletzend. Doch dass auf der anderen Seite ein Mensch mit Gefühlen sitzt, ist einer gewissen Art von Medien ziemlich egal.

teleschau: Sie haben angefangen zu malen und hatten mit Ihrer Kunst schon mehrere Ausstellungen. Ist das Malen etwas, das Ihnen beim Verarbeiten solcher Verletzungen hilft?

Neubauer: Ja, durchaus. Wobei die Malerei nicht ganz neu ist für mich. Mein Vater ist auch Maler, und ich habe das auch immer wieder mal selbst probiert - nur nicht in der Intensität wie zuletzt. Ich habe viel Zeit auf Mallorca verbracht und dort eine Menge gemalt. Es war eine Verarbeitung meiner Gefühle bezüglich der großen Umbrüche in meinem Leben. Andere machen aus so etwas Lieder. Auch ich suchte neben der Schauspielerei noch eine andere Ausdrucksform.

teleschau: Können Sie in der Malerei andere Gefühle ausdrücken als beim Schauspiel?

Neubauer: Ja, sicher. Schauspielerei ist eine Ausdrucksform, die ich mit über 30 Jahren sehr gut kenne und einschätzen kann. Malerei ist dagegen etwas komplett anderes. Sie ist für mich sehr wahrhaftig, weil sie sehr plötzlich passiert. Malen ist etwas emotional Wildes, das einfach so aus mir rauskommt. Manchmal hatte ich nach einem Bild enorm viel Energie, manchmal fühlte ich mich komplett leer. Ich konnte mein Tun auch nicht kontrollieren. So etwas ist mir in dieser Form noch nicht passiert.

teleschau: Schauspiel ist für Sie eher künstlerische Kontrolle, das Malen hingegen ein bewusster Kontrollverlust?

Neubauer: Ganz so krass ist es nicht, es gibt schon auch Gemeinsamkeiten. Schauspiel hat auch etwas davon, sich in die Emotion fallen zu lassen. Da bin ich ganz Strasberg-Schülerin. Ich arbeite durchaus mit privaten Emotionen, um vor der Kamera Gefühle zu erzeugen. Beim Malen ist der Kontrollverlust jedoch total, da sehe ich meine Hände eher als Medium zwischen Seele und Leinwand. Mitunter habe ich komplette Nächte durchgemalt. So sind mittlerweile knapp 50 Bilder in drei Jahren entstanden.

teleschau: Verkaufen Sie Ihre Bilder?

Neubauer: Wenn sie jemand haben will, würde ich sie verkaufen. Wobei mir manche Bilder so nahe sind, dass ich momentan ganz froh bin, als Malerin noch keinen großen Namen zu haben (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst