Jamie Foxx

Jamie Foxx





Der Alleskönner

Seine Tochter war eine der Ersten, die es erfuhr: Dass Jamie Foxx in "The Amazing Spider-Man 2: Rise Of Electro" Electro spielen würde, den Bösewicht, der Elektrizität kontrollieren kann. "Sie sagte: 'Oh Dad, du weißt, dass du da richtig vermöbelt werden wirst, oder?'", erinnert sich der zweifache Vater, der die Identität seiner Kindsmütter geheim hält. Doch was sind schon ein paar Schläge von Spider-Man, wenn man ein paar Filme zuvor noch ausgepeitscht wurde? Jamie Foxx, das weiß der Kinogänger spätestens seit "Django Unchained" (2012), ist hart im Nehmen. Das war er schon immer.

Erst sieben Monate war Eric Marlon Bishop alt, als sich seine Eltern scheiden ließen. Das Sorgerecht für den Jungen, der am 13. Dezember 1967 zur Welt kam, übernahm von da an seine Großmutter mütterlicherseits. Bis zu ihrem Tod im Oktober 2004 sollte Estelle Talley die wichtigste Frau im Leben des zukünftigen Hollywoodstars Jamie Foxx bleiben. Grandma war es, die darauf bestand, dass ihr Zögling während seiner Schulzeit nicht nur Football spielte (als Quarterback brach er sogar einen Schulrekord), sondern auch Klavierstunden nahm - was ihm Jahre später, als Taylor Hackford einen Hauptdarsteller für sein Ray-Charles-Biopic "Ray" suchte, sehr zupasskommen sollte. Und als er sich für den Oscar bedankte, den ihm eben jene Rolle 2005 einbrachte, nannte Foxx seine Oma in seiner bewegenden Rede seinen ersten Schauspiel-Coach: "Sie sagte immer: 'Stell dich gerade hin, zieh die Schultern nach hinten und tu so, als hättest du ein bisschen Verstand."

Als "schwarzes Pleasantville" beschrieb Jamie Foxx einmal gegenüber Oprah Winfrey seine kleine texanische Heimatstadt Terrell, einen Ort ohne Verbrechen und ohne Gewalt - in dessen "weißen" Vierteln er aber fast täglich "Nigger" genannt wurde. "Einmal war ich als Klavierspieler auf einer Weihnachtsfeier engagiert, und der Gastgeber und seine Freunde standen neben mir und erzählten einen rassistischen Witz nach dem anderen. Ich fühlte mich wie ein Sklave." Lange Zeit sei es ihm aufgrund solcher Erfahrungen schwergefallen, Weißen zu vertrauen, selbst als der erklärte Demokrat schon längst im viel liberaleren Kalifornien wohnte.

In den Sonnenstaat zog der heute 46-Jährige Ende der 80-er eigentlich, um an der United States International University Klassische Musik zu studieren. Doch es war nicht sein musikalisches Talent, das ihn letztlich auf die Bühne bringen sollte: Um einer Frau zu imponieren, begann der ehemalige Klassenclown, an den Amateurabenden in Comedy-Clubs aufzutreten - und sein Alter Ego Jamie Foxx war geboren. Den Namen Foxx lieh sich Eric Bishop von dem Komiker Redd Foxx, Jamie wählte er, weil der Vorname allein keine Rückschlüsse auf das Geschlecht des Künstlers zuließ. Weibliche Teilnehmer, so beobachtete der Newcomer, bekamen damals nämlich die besseren Auftrittszeiten.

So wurde Foxx in den 90er-Jahren zunächst "nur" als Comedian bekannt, der - wie er 1994 mit seinem ersten R&B-Album "Peep This" bewies -, auch ganz gut singen kann. Und eigentlich, räumte Foxx mal in einem Interview mit dem britischen "Guardian" ein, hätte ihm das damals zum Glücklichsein auch genügt. Obwohl er schon tragende Rollen in Oliver Stones Football-Drama "An jedem verdammten Sonntag" (1999) und Michael Manns Biopic "Ali" (2001) erhalten hatte, habe er erst vor zehn Jahren, während der Dreharbeiten zu "Ray" begonnen, ernsthaft über eine Karriere als Charakterdarsteller nachzudenken. "Und ich bin froh, dass ich es tat. Hätte ich mich nur auf die Musik konzentriert, würde ich heute wahrscheinlich auf einem Kreuzfahrtschiff singen", meint der Oscarpreisträger trotz zwei gewonnener Grammys, einer Gold- und zwei Platinschallplatten rückblickend.

Stattdessen gehört Jamie Foxx, der zur Vorbereitung über jede seiner Filmfiguren einen Song schreibt, inzwischen zu den wenigen Hollywood-Schauspielern, die in wirklich jedem Genre problemlos einsetzbar sind: In Thrillern wie "Collateral" und Actionfilmen wie "White House Down", Komödien wie "Kill The Boss" oder Musicals wie seinem nächsten Film "Annie", einem Western wie "Django Unchained" (für den Foxx übrigens sein eigenes Pferd mitbrachte) oder eben einer Comic-Verfilmung wie "The Amazing Spider-Man 2". Der kleine Junge, der von seinen Eltern im Stich gelassen wurde, nimmt heute seine ältere Tochter Corinne mit zu den großen Preisverleihungen. Und die jüngere, Anelise, machte Foxx jüngst überglücklich, indem er seinen Kumpel Robert Downey Jr. zu ihrem Kindergeburtstag einlud. Denn Spider-Man-Bösewicht Electro sei zwar "cool", zitiert der stolze Vater seine Kleine, aber "Iron Man" eben doch ein bisschen cooler ...

Quelle: teleschau - der mediendienst