Ride Along

Ride Along





Schnupperpraktikum unter Schurken

Buddy-Komödien - das weiß man nicht erst seit Michael Bully Herbigs Weihnachtsfilm "Buddy" - leben vom Zusammenprall zweier gegensätzlicher Charaktere. So auch in der auf ein Teenie-Publikum zugeschnittenen und damit gemäßigt "wilden" Cop-Komödie "Ride Along" von Regisseur Tim Story ("Fantastic Four", "Denk wie ein Mann"). Also ist der Polizei-Ermittler James (Rapper Ice Cube) ein ganz harter Hund mit einem eher zynischen Sinn für Humor. Ben, sein "Partner wider Willen", ist dagegen ein Softie: US-Comedian Kevin Hart spielt den quasseligen Sicherheitsmann einer High School, der so gerne ein echter Cop wäre. Und noch viel lieber James' Schwester Angela (Tika Sumpter) heiraten würde. Doch die Erlaubnis für diese Liaison muss sich Ben hart erkämpfen - bei einem Schnupperpraktikum in der Unterwelt von Atlanta.

Wie soll man einen Hanswurst achten und lieben, der sich nicht einmal bei frechen Oberschülern Respekt verschaffen kann? Diese Macho-Frage lässt James, der seine Schwester wie seinen Augapfel hütet, einfach keine Ruhe. Noch unangenehmer ist ihm aber, wie sich der latent tollpatschige junge Mann an den erfahrenen Gangsterjäger ranschmeißt und sich für gefährliche Einsätze in der Verbrecherwelt der Großstadt interessiert. Also fordert James das vermeintliche Leichtgewicht Ben zu einem "Ride Along" auf. Soll heißen: Der zappelige Alptraum-Schwager in spe soll ihn einen Tag lang auf einer Patrouillenfahrt begleiten. Dafür, dass das ein eher abschreckendes Erlebnis werden wird, hat der abgebrühte Cop schon im Vorfeld gesorgt.

Und doch bekommt Ben nach allen Einsätzen, die der leicht sadistische Bruder seiner Freundin eingefädelt hat, noch ein "echte" Bewährungschance: Durch Zufall findet er heraus, was der gefürchtete Oberschurke Omar ("Matrix"-Star Laurence Fishburne) als Nächstes plant. Damit wird er für James plötzlich zum wichtigen, fast ernstzunehmenden Partner.

"Ride Along" ist fest in der Klischeewelt Testosteron-gesteuerter amerikanischer Macho-Männer verwurzelt und spielt mit Versatzstücken, die man aus Filmen deutlich härterer Gangart wie "Bad Boys" oder "Training Day" kennt. Was an Originalität und Schwung fehlt, versucht der Film durch Humor und Frotzeleien auszugleichen. Der pubertäre Geschlechtsteilvergleich wird dabei für ein junges Publikums etwas abgeschwächt, auch die Gangster legen in ihren Auseinandersetzungen mit den beiden Verfolgern eine doch sehr familienfreundliche Ruppigkeit an den Tag. Das Bemühen um Coolness ist erkennbar, trotzdem wirkt die Begleiter-Fahrt wie eine Spritztour mit permanent angezogener Handbremse.

Quelle: teleschau - der mediendienst