Miss Sixty

Miss Sixty





Alte Jungfer, frische Eier

Es ist aus: Nachdem Molekularbiologin Luise (Iris Berben) es sich endgültig mit allen Kollegen verscherzt hat, wird das Arbeitsverhältnis beendet. Frührente heißt es, ein Rauswurf ist es. Und jetzt? Nachdem die ehrgeizige, kühle (und auch biestige) Forscherin sich jahrelang ausschließlich ihrem Beruf gewidmet hat, steht sie nun ziemlich einsam da. Kein Mann, keine Familie, keine Freunde, dafür jede Menge Freizeit - und eine plötzliche Lust auf Leben. Aber Luise will nicht nur ihr eigenes Leben entdecken, sie will ein neues Leben in die Welt setzen. Zum Glück hat sie aus einem alten Experiment noch ein paar eingefrorene Eizellen übrig ... Aus dieser erstaunlichen Prämisse machte Sigrid Hoerner ihr Regiedebüt "Miss Sixty". Sie beweist, dass man auch zwischen Rente, Tod und Torschlusspanik eine leichte Sommerkomödie inszenieren kann - oder besser: könnte.

Das Drehbuch (Jane Ainscough) versammelt die üblichen Verdächtigen: Iris Berben gibt die überspannte Schreckschraube, die sich zur lebenslustigen Schönheit wandelt. Edgar Selge spielt den alternden Kunsthändler Frans, der sich für seine junge Geliebte (Jördis Richter) zum berufsjugendlichen Deppen macht - komplett mit Toupet, Zungenpiercing und Lederjacke. Björn von der Wellen mimt Frans' leidgeprüften Sohn Max, echt jugendlich, kein Depp, aber ewig mit Wollmütze auf dem Kopf und natürlich aufstrebender Journalist. Carmen-Maja Antoni komplettiert das Ensemble als Luises Mutter Doris, ein verrücktes altes Huhn, das mehr Lebensfreude besitzt als die Tochter.

Alles schon mal gesehen, irgendwie. Da birgt auch die Story mit den Eizellen - und der unvermeidlichen Suche nach passendem Sperma - keine echte Überraschungen mehr. Wie sich die Situation letztendlich auflösen wird, ist von Anfang an klar, und die Regie bietet trotz einiger hübscher Einfälle (etwa während Luises Ausflug mit einem geliehenen Probekind) nicht genug Ideen, um den Film über ein mittleres Niveau zu heben. Dass die Schauspieler ernsthaft und meist erfolgreich versuchen, das Beste aus ihren Figuren zu machen, zeigt leider oft nur, dass sie nicht sonderlich viel Material zum Arbeiten bekommen haben.

Trotzdem kann man mit "Miss Sixty" einen netten Abend verbringen. Das liegt zum einen an einigen herrlichen Einzeilern. Dass die im Grunde alle nur von einer Person serviert werden, macht nicht allzu viel aus, denn diese Person ist eine bestens aufgelegte Iris Berben. Nicht nur, wenn sie auf die Frage nach dem Mangel an Freunden nur ein ungehaltenes "Freunde? Bin ich Facebook?" schnauzt, sondern auch, wenn sie sich beim Kinderausflug in bester Slapstickmanier mit einem störrischen Esel abmüht, zeigt sie das komödiantische Talent, das ihr einst als Sketch- und Komödiendarstellerin den Einstieg ins Filmgeschäft ebnete.

Insgesamt also hätte der Film mit etwas ambitionierterer Charakterzeichnung und Plotentwicklung sicher noch mehr Spaß machen können. Aber in diesem Fall empfiehlt es sich, der Titelheldin folgend, nicht dem hätte-könnte-wäre nachzuhängen, sondern alles so zu nehmen, wie es kommt: Als fluffiges Komödien-Leichtgewicht, das seine Botschaft wenig überraschend, aber immer wieder auch ganz charmant verbreitet.

Quelle: teleschau - der mediendienst