Pasquale Aleardi

Pasquale Aleardi





"Ich wollte nie der coole Kommissar sein"

In der Verfilmung des Bestsellerromans "Bretonische Verhältnisse" spielt Pasquale Aleardi (42) die Hauptrolle des Commissaire Dupin. Der aus Paris strafversetzte und etwas skurril anmutende Ermittler versucht, vor der malerischen Kulisse der Bretagne einen Mordfall aufzuklären. Aleardi, Sohn griechisch-italienischer Gastarbeiter, erklärt im Interview, was den Fernsehkrimi "Kommissar Dupin - Bretonische Verhältnisse" (Donnerstag, 24. April, 20.15 Uhr, ARD) von anderen deutschen Krimi-Produktionen unterscheidet, und warum er lieber Dupin spielt als einen typischen "Tatort"-Kommissaren.

teleschau: Herr Aleardi, was macht einen guten Fernsehkommissar aus?

Pasquale Aleardi: Schwierig zu sagen. Ich kann da eigentlich nur für meine Figur sprechen, also für die des Commissaire Dupin. Einer seiner größten Vorzüge ist, dass er immer und absolut leidenschaftlich bei der Sache ist. Er besitzt eine Hartnäckigkeit, die dazu führt, dass er, wenn er einen Fall zugewiesen bekommt, erst davon ablässt, wenn er ihn auch geknackt hat. Sein Fall verfolgt ihn sogar bis in seine Träume. Außerdem hat er etwas, das tatsächlich jeder ermittelnde Kommissar haben sollte, nämlich eine gute Auffassungsgabe und ein analytisches Denken. Das ist bei Dupin besonders ausgeprägt, bis hin zu sehr eigenwilligen, skurrilen Methoden.

teleschau: Commissaire Dupin lebt einerseits von dieser Zielstrebigkeit, andererseits auch von seiner Lockerheit und seinem Charme. Kam Ihnen das schauspielerisch gerade recht - oder hätten Sie lieber einen eigensinnigen, grantigen Ermittler gespielt, wie man ihn aus dem "Tatort" kennt?

Aleardi: Nein, ich wollte nie der coole, harte Kommissar sein. Man darf auch nicht vergessen, dass es eine Bestseller-Verfilmung ist und man deshalb gewissermaßen schon eine Vorgabe hatte, wie Dupin sein sollte.

teleschau: Wann haben Sie zum ersten Mal vom Roman "Bretonische Verhältnisse" erfahren?

Aleardi: Erst durch den Hype um das Buch, vorher wusste ich davon noch nichts. Und so richtig beschäftigt habe ich mich dann auch erst damit, als ich für die Hauptrolle in der Verfilmung in Frage kam.

teleschau: Das Buch "Bretonische Verhältnisse" fand bis heute mehr als eine Million Leser. Hat Sie das besonders unter Druck gesetzt?

Aleardi: Ich hatte natürlich größten Respekt davor, vor allem am Anfang. Ich konnte den hohen Erwartungen ja eigentlich gar nicht gerecht werden. Wenn man es vergleichen will, dann vielleicht mit der Situation des italienischen Fußballnationaltrainers vor einem wichtigen Spiel: Er muss die Aufstellung machen, aber Millionen Menschen wissen es natürlich besser als er.

teleschau: Wie sind Sie an die Rolle dann herangegangen?

Aleardi: Ich habe mich auf ein paar Eigenheiten Dupins im Roman fokussiert und zusammen mit dem Autor, der Regie und der Produktion damit herumgespielt und improvisiert. Herauskam dieser kauzige Typ, der ganz eigene Methoden anwendet, um einen Fall zu lösen. Ich fand es auch ganz spannend, dass er ein Geheimnis hat, was seine Vergangenheit betrifft. Das ist etwas, das man auch noch in kommenden Verfilmungen ausweiten kann.

teleschau: Haben Sie und Dupin Gemeinsamkeiten?

Aleardi: Wir sind beide leidenschaftlich und impulsiv, jedoch ist der Gedanke, Menschen im Notfall nachzujagen und sie dann stellen zu müssen, bei mir ganz, ganz weit weg. Mir macht es allerdings großen Spaß, so was zu spielen. Das fand ich schon als Kind auf dem Pausenhof toll. Damals war ich großer Fan von zum Beispiel "Die Straßen von San Francisco" und "Einsatz in Manhattan".

teleschau: Und wenn wir über Macken sprechen? Dupins Macken sind seine angesprochenen skurrilen Methoden. Was sind Ihre?

Aleardi: Es gibt tatsächlich eine Eigenheit, die Dupin und ich gemeinsam haben: Wenn ich eine Aufgabe habe, die mich interessiert, kann ich leicht die Zeit dabei verlieren. Dann vergesse ich manchmal sogar das Essen und muss mir einen Wecker für andere wichtige Dinge stellen.

teleschau: Nun ist "Bretonische Verhältnisse" grundsätzlich ein ganz anders aufgemachter Krimi. Was hat der Film Ihrer Ansicht nach dem gängigen "Tatort" oder "Polizeiruf" voraus?

Aleardi: Zunächst mal natürlich den ganz eigenen Charme, den die Landschaft der Bretagne mit sich bringt. Diese wunderschönen Bilder! Ich war zum ersten Mal dort, und diese Gegend hat mich echt umgehauen. Allein das Wetter: Alle 15 Minuten gibt es ein richtiges Spektakel. Jeder Maler, der dorthin kommt, zückt sofort den Pinsel. Aber natürlich ist es letztendlich die Art und Weise, wie Dupin und sein Team die Fälle lösen, was jedem Krimifan der, zum Beispiel auch Maigret oder Chabrol mag, gefallen wird. Hinzukommt, dass alle Kollegen toll besetzt sind, und das Ganze internationalen Flair hat.

teleschau: Dupin hat sehr mit den bretonischen Verhältnissen zu kämpfen. Sie während des Drehs also nicht?

Aleardi: Ich habe die Menschen dort ganz anders erlebt als Dupin - aber ich bin ja auch kein Pariser wie er. Pariser und Bretonen haben diese sehr spezielle Beziehung zueinander: Für die Bretonen sind die Pariser Franzosen, und sie selbst sind eben Bretonen. Ich fand die Menschen dort jedenfalls wahnsinnig nett und hilfsbereit. Einige kamen sogar zu uns ans Set und haben uns mit Fisch versorgt.

teleschau: Es gibt Fortsetzungsromane - wird es auch Fortsetzungsfilme mit Ihnen geben?

Aleardi: Ja. Ab Anfang Mai stehen wir wieder in der Bretagne und fangen mit dem Drehen von "Bretonische Brandung" an.

teleschau: Stellen Sie sich vor, Sie hätten gleichzeitig mit dem Dupin-Rollenangebot eine Ermittlerrolle in einem neuen deutschen "Tatort" angeboten bekommen. Was hätten Sie gemacht?

Aleardi: Man kann die beiden Formate nicht vergleichen, aber wenn ich gewusst hätte, dass ich Dupin selbst mitentwickeln darf, und das durfte ich, dann hätte ich auf jeden Fall wieder Dupin gewählt. Ist doch cool, neben den vielen "Tatort"-Krimis, die es schon gibt, mal was ganze Neues zu machen.

Quelle: teleschau - der mediendienst