Felicitas Woll

Felicitas Woll





Wo bleibt der Mut?

Im ARD-Film "Von Kerlen und Kühen" (Freitag, 11.04., 20.15 Uhr, im Ersten) spielt Felicitas Woll eine Jungbäuerin, die den Mann fürs Leben sucht. Im Interview spricht der 34-jährige einstige "Berlin, Berlin"-Star über die Arbeit in verschiedenen Filmgenres, die aktuelle deutsche TV-Landschaft und mögliche zukünftige Projekte. Und sie macht sich Gedanken, wie man das Fernsehen für die junge Generation etwas schmackhafter machen könnte.

teleschau: In "Von Kerlen und Kühen" spielen Sie eine Bäuerin. Sie wuchsen selbst ländlich auf und leben auch heute noch auf dem Land ...

Felicitas Woll: Ich würde mich nicht als Landmädchen kategorisieren, beruflich bin ich ja ständig in Städten unterwegs, aber es stimmt, dass ich auf dem Land lebe. Und weil ich auf dem Land groß geworden bin, kam ich bei den Dreharbeiten gut zurecht. Ich hatte keine Berührungsängste mit den Tieren und keine Angst davor, dreckig zu werden. Im Gegenteil, ich musste der Maske immer sagen, dass ich hier eine Bäuerin spiele und kein Model. Der Rolle Natürlichkeit zu geben ist einfach wichtig, und ich mache Dinge auch gerne selbst: Wenn meine Figur Traktor fahren muss, dann will ich das auch lernen und ihn dann selbst fahren.

teleschau: Hat man bei den Dreharbeiten für eine Komödie mehr Spaß als bei anderen Genres?

Woll: Ich habe es immer so erlebt, dass bei einem Drama auch sehr viel gelacht wird. Man braucht im Team auch eine gewisse Humorebene, weil die Dreharbeiten sehr anstrengend sind. Viele denken, man wird schön geschminkt und sagt seinen Text, aber das ist ja nicht das, was die Zuschauer berührt. Sie möchten die Handlung auch nachfühlen können. Ich muss also Gefühle produzieren, was sehr anstrengend und emotional sein kann. Wenn man in den Pausen dann eine gewisse Leichtigkeit am Set hat, erleichtert das die Arbeit ungemein. Genauso gibt es Komödien, bei denen man denkt: "Ach, das wird jetzt richtig lustig!", und dabei werden die Dreharbeiten zum richtigen Drama (lacht). Das kommt eben auf das Team an und darauf, wie man sich miteinander versteht. Da werden Menschen zusammengeworfen, die miteinander funktionieren müssen. Ich hatte da aber bislang viel Glück.

teleschau: Wobei Sie einmal gesagt haben, dass Ihnen diese schnelle Vertrautheit am Set oft auf die Nerven geht.

Woll: Wenn man gleich einen auf beste Freunde macht, wird einfach schnell eine Grenze überschritten. Oder wenn Leute, die ich nicht kenne, gleich "Feli" zu mir sagen. Ich bin ja keine 20 mehr. Damals hat mir das nichts ausgemacht, aber heute ist das eine andere Sache. Auf der anderen Seite ist es ganz gut, wenn man vorübergehend eine freundschaftliche Ebene herstellt, aber danach auch wieder getrennte Wege gehen kann. Bisher kam es nur ein einziges Mal vor, dass sich Freundschaften fürs Leben entwickelt haben: bei "Berlin, Berlin".

teleschau: "Berlin, Berlin" ist jetzt genau zehn Jahre her. 2004 endete die Produktion. Wie blicken Sie heute darauf zurück?

Woll: Das hat mir so viel gegeben, so viel Erfolg gebracht. Davon zehre ich immer noch. Ich kann schon sagen, dass ich gut von meinem Beruf leben kann. Das verdanke ich natürlich "Berlin, Berlin".

teleschau: Ein ähnliches Format gab es danach nie wieder.

Woll: Viele versuchten, die Serie zu kopieren. Da wurden dann hier und da mal ein paar Stilmittel herausgenommen. Aber in der Konstellation gab es das nie wieder. Deswegen finde ich es umso verwunderlicher, dass die Serie nur ein einziges Mal wiederholt worden ist. Die Sender sehen das anscheinend nicht so wie die Zuschauer. Viele Leute kommen auf mich zu und fragen mich, warum "Berlin, Berlin" nicht mal wieder im Fernsehen kommt, sie müssten sich das immer im Internet anschauen. Heutzutage geht das ja, aber wenn man in Deutschland eine Serie hat, die einen Emmy gewonnen hat, warum strahlt man sie nicht noch mal aus?

teleschau: Warum wurde in Deutschland nie wieder etwas Ähnliches produziert?

Woll: Vor zehn Jahren hatte man vielleicht mehr Mut, etwas anderes zu machen. Jetzt liest man überall Artikel, dass im deutschen Fernsehen nichts mehr los ist, das immer nur nach Amerika geschaut wird, dass wir nur noch kopieren und selbst nichts hinkriegen. Es ist ja nicht so, dass wir es nicht können. Aber ich denke, dass oft zu sehr auf das Geld geschaut wird. Manchmal brauchen Dinge einfach länger. Aber wenn man sich nichts traut, kann auch nichts passieren.

teleschau: Sie können sich also nicht vorstellen, selbst ein Drehbuch zu schreiben?

Woll: Eigentlich schon, weil ich viele Ideen im Kopf habe. Ich weiß, dass ich das kann. Ich würde mich gerne mit zwei, drei Leuten zusammen hinsetzen, weil da ganz viel passieren kann. Man redet, bespricht Sachen, sammelt Ideen. Genügend Ideen habe ich eigentlich, sie müssen nur noch umgesetzt werden. Vielleicht mache ich das noch irgendwann.

teleschau: In welche Richtung gehen Ihre Ideen?

Woll: Ich habe Lust, etwas Verrücktes zu machen. Etwas Surreales, wie wir das bei "Berlin, Berlin" hatten, um wieder Träume anzufachen. Etwas, das mal wieder den Rahmen sprengt, ohne den Zuschauer zu überfordern. Oft träumt man etwas und denkt sich am nächsten Tag: "Was war das denn Absurdes?" Und so etwas ist eigentlich geil. Wenn man solche Geschichten hat, wenn man zwischen den Welten mischen kann, finde ich das sehr spannend. Nicht immer die typischen Themen, die wir immer behandeln, und die man schon so oft gesehen hat. Krimis haben wir zum Beispiel viele.

teleschau: Sie drehen selbst Krimis.

Woll: Ich mache das sehr gerne, aber es sind schon sehr viele Krimis. Oft frage ich mich, woran es liegt, dass so viele Krimis gedreht werden. Wollen die Leute das wirklich sehen? Oder liegt es daran, dass es keine wirklichen Alternativen gibt?

teleschau: Trotzdem sind Sie laut Umfragen momentan die beliebteste Krimi-Ermittlerin in der jüngeren Zielgruppe.

Woll: Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich bin aber wahnsinnig kritisch mit mir selbst. Nur selten kann ich mir meine eigenen Filme anschauen, das finde ich furchtbar. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass alles gut läuft und man beliebt ist. Eine gute Quote ist das eine, aber mir kommt es viel mehr darauf an, dass mich die Leute auch mögen. Als ich diese Umfrage in der Zeitung sah, habe ich mich tierisch gefreut. Das junge Publikum anzusprechen, ist viel wert.

teleschau: Gerade bei den Öffentlich-Rechtlichen, über die immer gesagt wird, dass ihr Publikum veralte...

Woll: Absolut. Die sind immer ganz überrascht. Gerade die letzten Taunus-Krimis liefen richtig gut. "Eine unbeliebte Frau" (Mai 2013, d. Red.) hatte ja knapp über sieben Millionen Zuschauer, worunter unheimlich viele junge Leute waren. Da merkt man schon, dass die das nicht nur wegen dem Taunus schauen, sondern auch wegen uns oder in dem Fall meinetwegen. Und wenn man merkt, dass ich anscheinend ganz gut bei den Jüngeren ankomme, könnte man doch schauen, ob man nicht vielleicht doch noch mal ein Konzept für eine Serie findet, um die Jüngeren anzusprechen.

Quelle: teleschau - der mediendienst