Christian Bale

Christian Bale





Nur mit Hosenschlitz!

Als sein Bruder von einem fiesen Gangsterboss erschossen wird, muss sich Stahlarbeiter Russell Baze entscheiden: Lässt er die Polizei die Mordermittlungen führen oder bringt er den Schuldigen selbst zur Strecke? In "Auge um Auge" (Kinostart: 3.4.) spielt Christian Bale - der "American Psycho", "The Dark Knight", der Cracksüchtige aus "The Fighter" - mal wieder einen dieser Typen, denen man lieber nicht persönlich begegnen möchte. Doch auch für diese Leinwandfigur zeigt der Oscarpreisträger im Interview Verständnis - und gibt nebenbei praktische Lebenshilfe-Tipps für seinen "Batman"-Nachfolger Ben Affleck.

teleschau: Dreht sich "Auge um Auge" tatsächlich um Rache, wie der Titel suggeriert?

Christian Bale: Oberflächlich betrachtet schon. Aber mir hat gefallen, dass Regisseur Scott Cooper nicht einfach dem Publikum seine eigenen Ideen und Vorstellungen überstülpt, sondern Interpretationsspielraum lässt.

teleschau: Ist Russell ein netter Kerl?

Bale: Im Grunde seines Herzens auf jeden Fall. Aber er kann den Tod seines Bruders nicht ungesühnt lassen, auch wenn er keine Chance hat. Am Ende ist es das Publikum, das sich entscheiden muss, ob es ebenso handeln würde.

teleschau: Sie sind vor zwei Monaten 40 geworden. Hat sich etwas geändert?

Bale: Ich bin überrascht, wie weit ich es gebracht habe. Mit 15 waren 40-Jährige wie Opas für mich. Mit 20 habe ich gedacht, ich würde mit 40 bestimmt sehr weise sein und wissen wie die Welt funktioniert. Ich weiß es leider nicht. Zuweilen bin ich noch immer verwirrt und weiß nicht so recht, wohin mich mein Weg führt.

teleschau: Haben Sie als Junge nach Ihrem Durchbruch 1987 in "Das Reich der Sonne" davon geträumt, als Erwachsener ein Star zu sein?

Bale: Ich habe nicht mal damit gerechnet, überhaupt als Erwachsener vor der Kamera zu stehen. Ich wusste eigentlich nicht genau, was ich wollte. Und mein Vater gehörte zu der Sorte von Eltern, die immer sagen: "Kind, Du musst etwas Anständiges lernen, du musst einen Plan haben, wie Du Dein Leben leben willst." Ich war aber erst 13 Jahre alt. Kein 13-Jähriger hat schon seinen Lebensentwurf in der Tasche.

teleschau: War Ihnen Ihr Vater trotzdem eine Inspiration?

Bale: Er hat mich auf jeden Fall gut auf das Leben vorbereitet und war ein tolles Rollenvorbild. Er war sehr altruistisch, manchmal unkonventionell, aber ein wunderbarer Vater.

teleschau: Wie sehen Sie Ihren Beruf heute?

Bale: Er hat Momente, in denen er zutiefst befriedigend ist. Aber gleichzeitig gibt es auch grenzenlose Enttäuschung. In diesen dunklen Momenten kann man ertrinken. Es ist eben ein gefühlbetontes Handwerk. Man liebt es manchmal und man hasst es zu anderen Zeitpunkten - aber darum übt man ja gerade diesen Beruf aus.

teleschau: Sie sind berühmt für Ihre ernsthaften Figuren ...

Bale: Wirklich? Dann mache ich etwas falsch. "Ernsthaft", das klingt in meinen Ohren angestrengt und bemüht! Ich versuche auf jeden Fall, in meine Figuren einzutauchen, mit ihnen zu verschmelzen. Das ist wie beim Motorradfahren.

teleschau: Wie bitte?

Bale: Man muss mit der Maschine und der Straße völlig verschmelzen. Ganz besonders bei Rennen. Tut man das nicht vollkommen, dann läuft man Gefahr zu stürzen. Ich fahre zum Beispiel kaum mehr Motorrad, weil ich ein einziges Mal unkonzentriert war und dann prompt einen schweren Unfall hatte.

teleschau: Sie sind beim nächsten "Batman"-Film leider nicht mehr mit dabei ...

Bale: ... aber ich habe meinem Nachfolger Ben Affleck schon die zwei entscheidenden Tipps für diese Rolle gegeben: Lass Dir ein Kostüm schneidern, in dem Du den Kopf drehen kannst, damit Du nicht wie ein ferngesteuerter Roboter wirkst. Und sorge dafür, dass Batman einen Hosenschlitz hat. Nichts ist entwürdigender als ein Superheld, dem man in der Drehpause beim Pinkeln helfen muss.

Quelle: teleschau - der mediendienst