Sabotage

Sabotage





Keine Macht den Drogen-Kartellen

Arnold Schwarzenegger, "Steirische Eiche", Ex-"Gouvernator" und auch mit 66 Jahren durchaus noch ein Mucki-Vorbild, das man sich als Poster in den Fitness-Club-Spind kleben kann, braucht offenbar weiterhin Geld und Beschäftigung. Die Scheidung von seiner Noch-Ehefrau Maria Shriver, der er erst 2011 gestand, dass er einen außerehelichen Sohn mit der ehemaligen Haushälterin hat, könnte ihn Schätzungen zufolge bis zu 150 Millionen Dollar kosten. Und dass er sich nicht aufs Altenteil zurückziehen würde, hatte er schon nach seinem Abschied aus der Politik klar gemacht. Also dreht "Ahnuld" fleißig Filme. Zuletzt kamen "The Last Stand" (2012) und "Escape Plan" (2013) in die deutschen Kinos - mit jeweils sehr überschaubarem Erfolg. Ob sich das beim harten Drogen-Polizei-Thriller "Sabotage" (2014), der schon am US-Boxoffice spektakulär floppte, ändern wird, darf bezweifelt werden.

Der Film lässt es in jeder Hinsicht dermaßen krachen, dass man sich im Kinosaal weniger graust und fürchtet als in Gegenwart von Mit-Zuschauern öfter fremdschämt. Dem komplett unkorrekten, durch und durch verrohten Spektakel, dem man aber durchaus Unterhaltungswert abgewinnen kann, dürfte dagegen in der Video- und Digital-Auswertung als klassischer Bückware-Film ein langes Nachleben vergönnt sein.

Es ist eine diese Ausgangslagen, bei der so ziemlich alles schiefgeht, was schiefgehen kann: John Breacher (Arnold Schwarzenegger), Anführer einer wilden Horde von DEA-Spezialagenten, die mit schweren Waffen Jagd auf schwere Jungs aus der Drogenszene machen, stürmt mit seiner Crew einen festungsartigen Palast. Im Inneren feiert die mexikanische Narko-Mafia eine wüste Orgie. Kratzbürste Lizzy (Mireille Enos), die einzige Frau aus Breachers Truppe, hat sich als vermeintlich leichtes Mädchen unter die Party-Gäste geschmuggelt und koordiniert die Erstürmung verdeckt von der anderen Seite aus. Überfallartig rammen die Angreifer, die ja eigentlich Polizisten sind, Zäune und Tore ein, sprengen sich den Zugang ins Haus frei und schießen alles tot, was sich ihnen in den Weg stellt. Im Keller des Gangster-Forts sind sie endlich am Ziel angekommen - einem geheimen Schatzkammer mit Geldbündeln im Millionenwert.

Doch was machen Breacher & Co? Sie jagen die Penunze in die Luft, um die Drogen-Kartelle zu demütigen, zweigen aber selbst heimlich noch rasch eine Neben-Beute von zehn Millionen Dollar ab. Macht man so was als braver Gesetzeshüter? Natürlich nicht. Doch der riskante Plan schlägt fehl: Plötzlich ist das geklaute Geld verschwunden - gestohlen womöglich von einem aus der Johns Truppe? Ein unvorstellbarer Gedanke, der die verschworene Gemeinschaft, die sich selbst als "Familie" und Breacher als "Daddy" sieht, zu sprengen droht.

Schlimmer noch: Es kommt zu einer offiziellen Untersuchung, Breacher muss bis zu seiner von "oben" angeordneten Rehabilitierung zunächst dröge Schreibtischarbeit schieben. Und im Agenten-Vereinsheim, das wie eine Hell's-Angels-Höhle wirkt, wird frustgesoffen. Noch viel schlimmer: Auch die betrogenen Kartell-Bosse wollen sich den dreisten Raub natürlich nicht gefallen lassen. Sie schicken ihre blutgierigen Häscher aus - Elitekämpfer aus dem Dschungel Guatemala -, um sich die zehn Millionen wieder zu beschaffen. Und um grausam Rache zu üben.

Rasch setzt eine Gewaltspirale ein, die sich immer drastischer überbietet: Das erste Opfer aus Breachers Truppe wird von einem herannahenden Eisenbahnzug liquidiert, das zweite wurde von den unbekannten Brutalinskis aufgeschlitzt und an die Decke genagelt - was leider ganz wörtlich zu verstehen ist. Die Gefahr kommt nach dem Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip immer näher. Und die Schlinge um den bulligen Nacken von John Preacher scheint sich zusammenzuziehen. Dass ihm mit der Kriminal-Ermittlerin Caroline Brentwood (Oliva Williams) noch eine diensteifrige Kollegin hinterher ermittelt und zumindest jeden Anfangsverdacht zulässt, macht die Sache für den knorrigen Drogen-Jägermeister nicht leichter. Dass Brentwood auch noch so verdammt gut aussieht, noch viel weniger.

"Sabotage" sieht aus und fühlt sich an wie ein verfilmter unanständiger, brutaler, gewaltverherrlichender und großmäuliger Jungentraum. Regisseur David Ayer lässt seine kernigen Akteure, darunter Sam Worthington mit dem Rollennamen "Monster" oder Joe Manganiello als "Grinder", ungebremst fluchen, toben und chargieren. Direkte Kopfschüsse und Blutfontänen zu zählen, wird bald müßig. Inszeniert ist die Schlachtplatte häufig aus der Ego-Shooter-Kameraperspektive, die Videospieler von ihren Konsolen kennen. Dennoch bleibt bei aller Überzeichnung, Plattheit der Dialoge und hölzerner Dramaturgie ein Rest, der durchaus mitreißt. "Sabotage" bietet auf seine Art Unterhaltung, aber eben Unterhaltung der doch ziemlich kranken Art.

Quelle: teleschau - der mediendienst