Bekas

Bekas





Das Paradies von Superman

Karzan Kader, der mit "Bekas" sein Spielfilmdebüt gibt, verließ mit sechs Jahren den Irak. Die Flucht war eine Odyssee, nach elf langen Monaten landete er mit seiner Familie in Schweden. Sie wurden geschmuggelt, Menschenhändler brachten sie von einer Landesgrenze zur nächsten. Seine Kindheit prägte ihn. Schon in einem ausgezeichneten Kurzfilm thematisierte der Regisseur die eigene Biografie. Mit seinem Langfilm erzählt er nun die Geschichte mit denselben Hauptdarstellern weiter - als tragisch-komisches Roadmovie, das dem Schrecken des Krieges ganz außergewöhnlich mit wunderbarem Humor begegnet.

Ein gewisser "Superman", wer auch immer dieser Kerl genau sein mag, ist der große Held der beiden irakischen Brüder Zana (Zamand Taha) und Dana (Sarwar Fazil). Sie sind Waisenkinder, sieben und zehn Jahre alt, ihre Eltern wurden Opfer von Saddam Husseins brutalem Regime. Die Jungs sind bettelarm, aber dafür erfinderisch, wenn es darum geht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Als sie eines Tages "Superman" im Kino erspähen, der Wunder vollbringen kann, haben sie eine Mission: Sie wollen auswandern nach Amerika; dorthin, wo dieser Superman daheim ist. Amerika avanciert zum Land ihrer Träume.

Also fangen sie an zu sparen und putzen umso eifriger die dreckigen Schuhe fremder Leute. Mit dem Geld kaufen sie einen Esel namens Michael Jackson, der sie ins gelobte Land bringen soll. Die Landkarte, die sie dabei haben, ist nicht weiter detailliert, Zana und Dana vermuten das amerikanische Paradies gleich hinter den Bergen. Irgendwie, davon sind sie überzeugt, werden sie ihren Weg schon finden. Aber es gibt da noch ein Mädchen, Helliya (Diya Mariwan), in die Dana schrecklich verliebt ist. Auch ihre Familie will angeblich nach Amerika auswandern. Für das Mädchen lässt Dana seinen Bruder mehr als einmal im Stich, er ist zerrissen zwischen den eigenen Sehnsüchten.

"Bekas", was so viel wie "Waisen" heißt, ist ein in warmen Farben gedrehtes Feel-Good-Movie aus dem dunklen Herzen des Krieges. Es spielt in einer bitteren Welt, in der Krieg keine Fiktion, sondern düstere Realität ist, mit der man sich zwangsläufig arrangieren muss - oder eben davor flüchten. Regisseur Karzan Kader erzählt die Geschichte der beiden Brüder auf befreiende Weise - mit Humor. Egal, was auch passiert, um diese Kinder muss man keine Angst haben. Das ist eine schöne Lösung, die das Kino hier verspricht. Denn auch wenn klar ist, dass die Reise der beiden Helden nie und nimmer im gelobten Amerika enden wird, so ist doch der Weg das Ziel.

Kader hat seine beiden Hauptdarsteller nach intensiver Suche auf der Straße gefunden, ihre Darstellung ist genuin im besten Sinne, ihre Figuren verkörpern sie mit der größtmöglichen Authentizität. Dem Charme der beiden Stehaufmännchen Dana und Zana, die in einer grausamen und ziemlich kinderfeindlichen Gesellschaft mit naiver Kühnheit ihren Weg finden, kann man sich als Zuschauer kaum entziehen.

Quelle: teleschau - der mediendienst