The Lego Movie

The Lego Movie





Aufstand im Lego-Land

Das scheinbar analogste Spielzeug der Welt entführt in die digitale Neuzeit: Hollywood macht aus Lego einen 3D-Animationsfilm. Doch der Weg auf die große Leinwand schien im Falle des dänischen Kinderzimmer-Klassikers vorgezeichnet. Lego hat sich spätestens mit den Computer- und Konsolenspielen mit "Harry Potter"-, "Herr Der Ringe"-, "Star Wars"-, Marvel- oder DC-Lizenzen neu erfunden und wieder zurück ins Blickfeld derer geschlichen, die den Steinchen-Klassiker beinahe schon vergessen hatten. Mit Phil Lord und Chris Miller ("Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen") durfte nun ein profiliertes Autoren- und Regisseur-Duo Batman, Gandalf, Han Solo und Co. in "The Lego Movie" in die bunte Kunststoffklötzchen-Aufsteck-Welt entführen.

Trotz der vielen im Lego-Stil animierten Superstars spielt ein stinklangweiliger Normalo die Hauptrolle in "The Lego Movie". Emmet, der gesetzestreue Bauarbeiter, muss seinen Alltagstrott verlassen, da er urplötzlich und wohl versehentlich als Schlüssel zur Rettung der Welt angesehen wird. Es gilt Präsident Business und dessen Adjutanten Bad Cop zu stoppen. Die tun alles, um die Kreativität im Lego-Land zu unterdrücken. Sie lassen die Bürger strikt nach Anleitungen leben und bespaßen sie höchststaatlich mit immer demselben Gedudel und TV-Programm. Ein bisschen realexistierender Kommunismus ist das. Da dürfen Separatisten natürlich nicht fehlen. Im "Matrix"-Stil ziehen Batman und die kesse Wyldstyle den verdutzten Emmet auf ihre Seite. Doch der schnallt genauso wenig wie einst Neo, was in seiner vertrauten Welt in Wirklichkeit vor sich geht.

Emmet benötigt Zeit, die der Film dem Zuschauer zum Eintauchen in die digitale Lego-Welt nicht gewährt. Gleich nach dem letzten Logo der verantwortlichen Produktionsfirmen des Filmes legen die klobigen Lego-Figuren in ihrer Pseudo-Stop-Motion-Eleganz ein Tempo vor, das Aug und Ohr zu überfordern droht. Es wird herumgerannt, die Figuren schlagen einen Salto nach dem anderen und lassen ein aberwitziges Sprüchefeuerwerk los - Luft holen ist kaum erlaubt.

Erst nach gut 15 Minuten hat man sich langsam an die Geschwindigkeit gewöhnt und kann die schier grenzenlose Detailverliebtheit des Films genießen. Denn all dieses Herumgehüpfe bleibt in seinem starren Plastikrahmen: Emmet, Batman und Co. besitzen die gleichen Bewegungseinschränkungen wie die Vorbilder aus Kunststoff. Die Arme bewegen sich nur vertikal, die Beine knicken ausschließlich in der Hüfte ein. Den jungen Eltern, die die ganz sicher begeisterten Kinder in "The Lego Movie" begleiten dürfen, wird vor allem eine Figur ein Lächeln auf die Lippen zaubern: Der sehr simpel gehaltene, blaue Astronaut Benny ist ein Relikt aus den 80er-Jahren. Sein zerkratztes und längst verblichenes Saturn-Bildchen auf dem Oberkörper sowie sein blauer, Visier-loser Helm mit kleinen Dellen und gebrochenem Kinnbügel sprechen dafür, dass er sich schon lange in überquellenden Lego-Kisten aufgerieben haben muss.

Auch diese Details lassen die Brücke zwischen dem scheinbar altbackenen Spielzeug und der digitalen 3D-Welt stabil erscheinen. Schließlich machen die Filmemacher mit ihren Pixeln im Grunde nur das, was Lego seit Jahren Klein und Groß mit quadratischen und rechteckigen Klötzchen ermöglicht: Sie kreieren sich ihre Welt und erzählen darin ihre eigenen Geschichten.

Technisch ist die Mischung aus moderner Animationstechnik gepaart mit Wasser, Rauch und Bauwerken aus Legosteinen eine wahre Freude. Erzählerisch ziehen Lord und Miller auch den erwachsenen Zuschauer spätestens mit ihrem Finale in den Bann. Die zwei schaffen urplötzlich eine nicht erwartete Metaebene, die einen erst zum Schmunzeln und schlagartig auch zum Nachdenken bringt. Trotz dieses intelligenten, bei einem Trickfilm aber sehr gewagten Schritts bleiben auch die Kinder am Ball, da die Spaßkanone auch zu diesem Zeitpunkt noch unentwegt gefeuert wird.

Quelle: teleschau - der mediendienst