Annette Frier

Annette Frier





Zur Hölle mit den Weibern

Existiert ein Name für das Potenzgehabe von Frauen? Und auf welchen Schlachtfeldern vergleichen sich Frauen überhaupt? Wer Kinder hat, in Schul- oder Kindergartenkreisen unterwegs ist, kennt eine mögliche Antwort auf diese Fragen. Annette Frier spielt in der ZDF-Groteske "Die Mütter-Mafia" (Sonntag, 06.04., 20.15 Uhr) eine Frau, die mit ihren beiden Kindern in der schnöseligen Vorstadt-Community neu anfangen muss. Leider ohne Geld, Mann und sonstige Statussymbole. Der auf dem gleichnamigen Bestsellerroman von Kerstin Gier basierende Film stellt bei aller komödiantischen Übertreibung durchaus wichtige Fragen: Warum zum Teufel sind Frauen heutzutage die schlimmeren Männer? Zudem erklärt Zwillingsmutter Annette Frier, warum 40 zu werden gerade mit Kindern ein bisschen wie sterben ist. Groß gefeiert wurde übrigens trotzdem.

teleschau: Gibt es den Schwanzvergleich unter Frauen?

Annette Frier: Auf jeden Fall. Frauen sind in Sachen Konkurrenzverhalten sogar schlimmer als Kerle. In "Die Mütter-Mafia" vergleichen sich die Frauen vor allem über ihre Kinder. Das ist leider gar nicht unrealistisch - und insgesamt ziemlich übel, wie ich finde.

teleschau: Es gibt jedoch keinen Begriff für dieses Potenzgehabe bei Frauen - oder?

Annette Frier: Nein, den gibt's nicht. Tittenvergleich oder Schuhvergleich, wenn es das überhaupt gibt, würde ja etwas anderes meinen. Auch Zickenkrieg greift zu kurz.

teleschau: Aber warum vergleichen sich die Frauen überhaupt?

Frier: Weil unsere Gesellschaft vor allem über Wettbewerb funktioniert, und der erfordert einen permanenten Vergleich. Natürlich würde jeder, den man fragt, behaupten, ihm seien andere Dinge viel wichtiger. Das ist aber gelogen - in der Regel. Was ich wirklich schlimm finde ist, dass am Ende Erfolg immer Recht hat. Erfolg wird nicht hinterfragt und rechtfertigt alles. Weil wir uns in der Frage, wie wir leben wollen, auf Erfolg als höchstes aller Güter geeinigt haben. Dabei sind natürlich unsere Kinder die Leidtragenden. Die kriegen diese Denke voll von ihren Eltern ab.

teleschau: Ist dieses Erfolg-über-alles-Prinzip vor allem typisch für unsere Zeit?

Frier: Ach, ich will die Gegenwart nicht verteufeln. Vor 100 Jahren war die Gesellschaft auch nicht besser - sie hat unter anderem den Ersten Weltkrieg hervorgebracht. Was wir immerhin seitdem geschafft haben, ist, zu erkennen, dass Kindererziehung ein hohes Gut ist. Dass das Wohl des Kindes an erster Stelle steht, ist relativ neu und eine wichtige Errungenschaft. Die hässliche Fratze davon ist nur leider, dass wir es heute mit degenerierten Eltern zu tun haben.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Frier: Ich finde, dass wir Erwachsene in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit leben, die eigentlich viel zu hektisch für unseren Organismus und unsere Psyche ist. Wir machen alles zu schnell, zu viele Dinge gleichzeitig und vor allem ständig etwas Neues. Auch das überträgt sich natürlich auf die Kinder. Weil wir dieses hektische, auf ständigen Erfolg getrimmte Lebensmodell auf unsere Kinder projizieren, stehen sowohl Eltern wie auch Kinder immer unter Druck. Ich bin mir sicher, dass alle Eltern das Beste für ihr Kind wollen. Aber sie sagen auch: Oh Gott, ich will doch nur, dass mein Kind das alles schafft. Ohne zu hinterfragen, ob die Ziele den ganzen Stress wert sind. Ich glaube, dass Kinder heute in einer permanenten Überforderung leben.

teleschau: Pädagogen und Psychologen betonen wieder stärker die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Jungs toben und Mädchen zicken, um es mal ein wenig plakativ zu formulieren. Sind das unterschiedliche Arten, mit dem besagten Stress umzugehen?

Frier: Ich kann das mit den zickigen Mädchen nicht bestätigen, weil ich ja selbst mit zwei Schwestern aufgewachsen bin und wir überhaupt nicht rumgezickt haben. Es mag daran gelegen haben, dass unser Vater uns eher wie Jungs erzogen hat. Ich hatte natürlich auch eine Mutter (lacht). Aber unser Vater war derjenige, der uns oft zum Fußball mitnahm und total auf Sport abgefahren ist. Irgendwie waren wir keine typischen Mädchen. Das Rumzicken habe ich erst sehr viel später mitbekommen, deshalb ist es in meinem Leben vielleicht auch kein großes Thema geworden. Auf diese Weibertreffen, wie sie im Film dargestellt werden, gucke ich persönlich aus großer Distanz - wohl wissend, dass das, was wir im Film überzeichnen, leider gar nicht so weit weg ist von der Art, wie Frauen miteinander umgehen.

teleschau: Sie sind nicht so der Typ für reine Frauenveranstaltungen?

Frier: Nein, das war ich noch nie. Wenn andere begeistert davon schwärmen, dass sie heute nur Frauen eingeladen haben oder man in einer reinen Frauengruppe loszieht, hat das nie Begeisterung in mir ausgelöst. Natürlich treffe ich mich gern mal mit einer Freundin alleine - und da wird dann auch getratscht. Aber so eine weibliche oder wie auch immer zu bezeichnende Gruppendynamik fand ich noch nie interessant. Das gleiche empfinde ich auch in Bezug auf reine Männergruppen.

teleschau: Trotzdem gibt es offensichtlich ein Bedürfnis nach monogeschlechtlichen Veranstaltungen - sonst gäbe es zum Beispiel auch keinen Markt für Frauenromane. Einer davon liegt auch ihrem Film zugrunde.

Frier: Ich möchte dieses Bedürfnis auch nicht leugnen, sondern nur sagen, dass ich es nicht kenne. Vielleicht habe ich deshalb auch solche Lust auf eine bösartige Demontage solcher Frauengruppen. Die kann ich in dieser Komödie ausleben. Als ich mit Anfang zwanzig mitbekommen habe, dass tatsächlich viele Frauen ihre Typen nach dem Geld aussuchen, konnte ich es einfach nicht fassen. Ich dachte, so etwas gäbe es nur in schlechten Filmen oder Groschenromanen - doch es ist leider weit verbreitet. Ich glaube, ich war damals sehr naiv.

teleschau: Was schockiert Sie noch an der Frauenwelt?

Frier: Was man ebenfalls bei solchen Weiberabenden erfährt, ist, wie wenig manche mit ihren eigenen Männern kommunizieren. Sie erzählen da von massiven Problemen, von Einsamkeit. Und offensichtlich gibt es keine Chance, darüber mit den Männern zu reden. Und - da sind wir wieder beim Thema Geld - sie gestehen, dass sie nur bleiben, weil sie versorgt sind und nicht auf bestimmte Statussymbole wie schönes Wohnen verzichten müssen. Wenn ich solche Geschichten höre, wird mir schwindelig. Ich kann dann nur hoffen, dass diese Frauen eine andere Ebene mit ihren Männern haben - zum Beispiel Spitzensex.

teleschau: Ich nehme an, Sie lesen auch keine unterhaltende Frauenliteratur?

Frier: In der Regel nicht. Aber beim Lesen von "Mütter-Mafia" von Kerstin Gier hatte ich dennoch sehr viel Spaß. Solche weiblichen Alltagsstoffe bieten einfach Material für gute Komödien. Romane wie "Mütter-Mafia" können tolle Situationen erfinden - und davon leben Komödien. Ansonsten habe ich einen anderen Literaturgeschmack. Ich habe auch an Bücher andere Fragen als an Filme.

teleschau: Nämlich?

Frier: Filme, auf jeden Fall aber Komödien, schildern mir tolle Situationen oder Momente. Bücher sind dazu da, dass sich meine Fantasie ausbreiten kann, dass ich in meinem Kopf malen darf. Im Film kriege ich dagegen viel mehr geliefert.

teleschau: Hat "Die Mütter-Mafia" für Sie eine Botschaft?

Frier: Wenn, dann die, dass wir alle mal auf den Pausenknopf drücken sollten - was uns und unsere Kinder betrifft. Ich bin mit meinen Zwillingen gerade noch in dieser grotesken, eigenen Kindergartenwelt daheim. Insofern - wann sollte ich so einen Film machen, wenn nicht jetzt? Die Notwendigkeit, den Pausenknopf zu suchen, ist natürlich größer, wenn es Krisen im Leben gibt. Wenn alles einigermaßen läuft, macht man den Wahnsinn in der Regel einfach weiter. Im Film spiele ich eine Mutter, bei der sozusagen gar nichts mehr geht. So etwas ist - trotz humoristisch überspitzter Form der Darstellung - immer auch eine große Chance.

teleschau: Sie sind im Januar 40 Jahre alt geworden. Wie schlimm war der Tag für Sie?

Frier: Der Tag war geil, nur die Wochen davor haben sich komisch angefühlt. Hätte ich gar nicht gedacht ...

teleschau: Warum?

Frier: Weil ich bei anderen bedeutungsschwangeren Geburtstagen nie besonders angegriffen war. Die Beschäftigung mit dem eigenen Alter war bisher nicht mein Thema. Vielleicht auch deshalb, weil das Alter bisher für mich arbeitete. Ich bekam immer mehr und bessere Rollen. Sozusagen das Gegenteil eines Trends, den viele Kolleginnen ab einem gewissen Alter beklagen.

teleschau: Auf welche Weise fühlte sich der Vorgeschmack auf den 40. Geburtstag komisch an?

Frier: Ich lag oft wach nachts, obwohl ich ansonsten eine ausgezeichnete Schläferin bin. Dann kamen diese typischen nächtlichen Sinnfragen. Die stelle ich mir auch sonst, aber meistens tagsüber - weil ich ja nachts so gut schlafe. Tagsüber kann man besser mit solchen Fragen umgehen.

teleschau: Welche Gedanken haben Sie beschäftigt?

Frier: Die Endlichkeit der Dinge. Das Härteste am Kinderkriegen ist für mich die Zumutung, dass man sie loslassen muss. Erst will man die Kinder beschützen vor allem Bösen - was ja schon die Quadratur des Kreises ist. Und irgendwann später muss man den Tod akzeptieren, der uns alle ereilt. 40 werden, ist nüchtern betrachtet nichts anderes, als ein bisschen weiter sterben. Diesen Gedanken finde ich vor allem hart, wenn man kleine Kinder hat.

teleschau: Konnten Sie Ihren Geburtstag trotzdem ein bisschen feiern?

Frier: Ja, absolut! Es war eine riesige, sensationelle Party. Ich habe meine Gäste in verschiedenen Farben kommen lasen. Die Familie war rot, alte Freunde aus Köln weiß, die Filmleute trugen schwarz. Und die neuen Freunde, zum Beispiel aus dem Kindergarten, sie trugen grün. Die Idee ist natürlich total egozentrisch, aber es war ja auch meine Party. Wer sich im Vorfeld darüber beschwerte, bekam zu hören: "Freunde, das ist nur für euch! So wisst ihr genau, wo ihr jeden hinstecken könnt." Blau waren zum Beispiel sämtliche Begleitungen (lacht). Nach dem Motto: Sorry, du bist nur Begleitung! Es haben alle mitgemacht, keiner kam farbuntreu. Ich bin immer noch begeistert von meiner Idee und sollte sie mir unbedingt patentieren lassen (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst