Bernhard Piesk

Bernhard Piesk





"Wie jetzt, Schauspieler?!"

RTL wagt sich mal wieder ins Kittchen: Sieben Jahre nach "Hinter Gittern - Der Frauenknast" geht nun "Der Knastarzt" (ab Donnerstag, 03.04., 21.15 Uhr) ins Quotenrennen. Drehort war das ehemalige Gefängnis "Ulmer Höh" in Düsseldorf. Hauptdarsteller Bernhard Piesk war beeindruckt von der Kulisse: "Man merkt, dass hier vor Kurzem noch Leben war. Anfangs war es ein bisschen einschüchternd, ich musste den Ort erst mal auf mich wirken lassen", erklärt er. "Aber mittlerweile ist er fast eine Art Zuhause geworden." Ob er für den Dreh einer zweiten Staffel noch einmal in dieses traute Heim darf, wird sich in den nächsten Wochen herausstellen. Falls es nicht klappen sollte, hat der 35-jährige Wahlberliner aber noch eine Zweitkarriere in der Hinterhand: Derzeit nimmt er sein viertes Musikalbum "alive" auf.

teleschau: In der Pilotfolge wirkt Ihr Dr. Falk erst mal wie ein rundum guter Mensch, fast zu perfekt. Bleibt das so im Laufe der Serie?

Bernhard Piesk: Tja, das ist eben die Frage. Sein Charakter ist eigentlich stark und stabil, aber es wird spannend sein zu sehen, ob er diesen unguten Energien, denen man im Knast ausgesetzt ist, standhalten kann.

teleschau: Eine Stärke des "Knastarzt" sind die unterschiedlichen Machtverhältnisse zwischen Dr. Falk und den Personen, auf die er im Gefängnis trifft, etwa den Schließer, die Anstaltsleiterin oder die Krankenschwester. Welche Beziehung hat beim Spielen am meisten Spaß gemacht?

Piesk: Spaß gemacht haben alle Konstellationen. Meine Figur kriegt von allen Seiten auf die Nuss. Natürlich ist die Geschichte mit dem Schließer ganz toll zu spielen, da gibt's direkt immer Konfrontation, fast wie eine Kindergartenkabbelei. Der Konflikt mit der Leiterin ist vor allem deshalb spannend, weil die Figur so interessant ist: Einerseits hat sie was Mütterliches, andererseits drangsaliert sie ihn. Eine sehr ambivalente Beziehung. Aber sie hat eben auch immer einen Grund für ihr Verhalten: Sie ist selbst getrieben und muss schauen, wo sie bleibt.

teleschau: Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Piesk: Es gibt hier zwei Hauptkomponenten, das Medizinische und das Gefängnis. Beides konnte ich schauspielerisch schon mal ausprobieren. Ich habe in den letzten Jahren ein paar Medizinerrollen gespielt, außerdem gibt es einige Ärzte in meiner Familie, da hatte ich vielleicht eine kleine Vorbildung. Was die andere Seite angeht, habe ich vor ein paar Jahren in Ungarn in einem Gefängnis gedreht - bei laufendem Betrieb. Da konnte ich ein bisschen nachvollziehen, was es bedeuten könnte, im Knast zu sein. Aber natürlich weiß ich es nicht. Ich glaube, man kann sich gar nicht vorstellen, was das eigentlich heißt: nicht selbst bestimmen zu können, was ich mache, wann ich es mache und wie ich es mache. Zusätzlich hatten wir ja mit der Ulmer Höh ein reales Gefängnis, das hat mir alles gegeben, was ich brauchte, um mich da einzufühlen.

teleschau: Aber selbst haben Sie noch nichts angestellt, oder?

Piesk: Nein, ich bin natürlich ein total gesetzestreuer Bürger. (lacht) Nur einmal wurde ich nachts von zwei sehr motivierten Polizisten aufgegabelt und habe mich da wohl ihrer Meinung nach der Situation nicht ganz angemessen verhalten. Da das noch sehr junge Polizisten waren, entstand daraus so eine Art Hahnenkampf. Da saß ich dann bis morgens um sechs auf dem Revier. Das war bis jetzt mein einziger Konflikt mit dem Gesetz.

teleschau: Gibt es denn legale Sünden, die Sie schon begangen haben?

Piesk: Eigentlich nur Ernährungssünden. Ich esse zu viel Schokolade und habe eine Schwäche für sämtlichen Süßkram und Junkfood. Abgesehen davon bewegt sich alles im normalen Bereich.

teleschau: Sind Sie eigentlich ein singender Schauspieler oder Sänger und Schauspieler?

Piesk: Ich würde sagen Musiker und Schauspieler. Ich werde es zwar nicht verhindern können, dass die Leute mich erst mal als singenden Schauspieler sehen. Aber jeder, der sich ein bisschen damit befasst, wird sehen, dass ich sogar schon länger Musik mache als ich schauspiele. Schauspielerei und Musik sind zwei gleich wichtige Säulen für mein Leben.

teleschau: Sie spielen mehrere Instrumente: Klavier, Gitarre, Cello ... Um das alles zu beherrschen, muss man sehr viel üben. Wie viel Zeit ist in Ihrer Jugend dafür draufgegangen?

Piesk: Keine Ahnung. Musik war immer ein wesentlicher Teil meines Lebens, ich wuchs in einer Musikerfamilie auf. Instrumente zu spielen, gehörte einfach zum Leben dazu. Deswegen habe ich damals sehr viel Zeit mit dem Cello verbracht. Zwischen sechs und sechzehn wollte ich Cellist werden, da habe ich das auch auf einigermaßen hohem Niveau gespielt. Quartette, Trios, Kammermusik und Orchester - das ganze Programm. Nebenher habe ich dann quasi zur Entspannung noch am Klavier improvisiert und Songs geschrieben. Ich konnte stundenlang sitzen und vor mich hinklimpern. Das war für mich aber nicht Üben, das war ein Fallenlassen in die Klänge. Aber ich war jetzt auch kein Eremit, natürlich habe ich auch viel Fußball gespielt und hing mit meinen Freunden rum. Das hielt sich glaube ich so ungefähr die Waage.

teleschau: Von der Klassik sind Sie ja inzwischen weitgehend weggekommen ...

Piesk: Nö, nicht wirklich. Die Klassik ist immer noch sehr wichtig für mich. In ein paar Tagen gehe ich zum Beispiel in ein sehr geiles Konzert bei den Berliner Philharmonikern, Bruckner wird gegeben, ich freu mich schon.

teleschau: Ihr Musikprojekt pieska ist aber doch eher poporientiert. Ziemlich klassisch hingegen war bis vor Kurzem Ihre Art, Musik aufzunehmen: Ohne digitale Hilfsprogramme, mit analogen Instrumenten und Geräten. Wie kam's?

Piesk: Es geht mir in der Musik wie in der Schauspielerei um größtmögliche Echtheit. Und die ist stärker, wenn ich nicht fitzelweise digital vorgehe und dran rumpoliere, sondern jede Spur original so klingt, wie ich sie eingespielt habe. Das habe ich bei meinem letzten Album so gemacht. Ich hatte auch gar keine Möglichkeit, daran noch etwas zu verändern. Wenn mir etwas nicht gelungen ist, musste ich's halt noch mal komplett einspielen.

teleschau: Dafür muss man ein ganz schöner Perfektionist sein ...

Piesk: Ja. Es hilft schon, Fehler auch mal zuzulassen, das habe ich inzwischen gelernt. Aber ich komme nun mal aus einer sehr perfektionistischen Richtung, in der Klassik hat man ohne Perfektionismus gar keine Chance.

teleschau: Ihr Vater Wolfgang Piesk ist Musiker im Klassikbereich. Wurden Sie durch sein Beispiel in Ihrem Berufswunsch Cellist damals letztlich bestärkt oder eher abgeschreckt?

Piesk: Bestärkt. Dass ich Cellist werde, das wollten wir alle; da habe ich auch sechzehn Jahre lang sehr viel investiert. Das alles einfach aufzugeben, war ein harter Schritt. Schon allein deshalb war das mit der Schauspielerei für den einen oder anderen in meiner Familie erstmal nicht ganz so leicht zu verstehen ...

teleschau: Gab es noch einen anderen Grund?

Piesk: Für Juristen, Mathematiker oder Kaufmannsväter klingt das wahrscheinlich absurd, dass da ein Unterschied gemacht wird, weil offiziell beides als brotlose Kunst gilt. Aber als ich mit meinem neuen Berufswunsch ankam, hieß es tatsächlich: "Wie jetzt, Schauspielerei? Da verdienst du doch nichts!" Aber zum Glück konnte ich dann doch relativ schnell beweisen, dass man sehr wohl davon leben kann.

teleschau: Wie sind Sie denn überhaupt auf die Schauspielerei gekommen?

Piesk: An meinem Gymnasium gab es eine Theatergruppe. Anfangs habe ich mich sehr lange nicht da hingetraut, das war so ein eingeschworener Haufen. Aber irgendwann hat ein Freund mich überredet, mal mitzumachen. Da war für mich vom ersten Tag an klar, dass es das war, wonach ich immer gesucht hatte.

teleschau: Sie wirken eigentlich gar nicht so schüchtern ...

Piesk: Naja, in den letzten Jahrzehnten hat sich ja auch einiges getan! (lacht)

teleschau: Und vor der Kamera? Stellt sich da noch gelegentlich Lampenfieber ein?

Piesk: Kommt drauf an. Nach 17 Jahren nur noch ganz, ganz selten. Es gibt aber natürlich große Szenen, schwierige Szenen, vor denen man Respekt hat, dann ist vorher schon mehr Adrenalin im Blut. Beim Knastarzt war das ein Teil der Anfangsszene des Piloten. Da haben wir im Gefängnishof ein Set aufgebaut; weil da aber auch eine Baustelle war, hatten wir nur zehn Minuten um die Szene in den Kasten zu kriegen. In diesen zehn Minuten musste ich einen Riesentextblock abliefern - und dabei besonders gut spielen, denn das ist die Einstiegsszene, die ist wichtig für das ganze Projekt. Und ich wusste, ich hatte nur einen oder höchstens zwei Versuche. Da ging mir ganz schön die Pumpe. Die Euphorie danach war dann aber umso größer.

Quelle: teleschau - der mediendienst