Super-Hypochonder

Super-Hypochonder





Quatsch mit Neurose

Ein Mann und tausend Krankheiten - das ist Romain Faubert (Dany Boon). Der hypersensible Enddreißiger ist eigentlich kerngesund, bildet sich aber permanent ein, an schweren Krankheiten zu leiden. Dass er beruflich als Fotograf für eine medizinische Enzyklopädie arbeitet, bessert die Lage nicht gerade. Romains einziger Freund ist sein Arzt Dr. Dimitri Zvenka (Kad Merad) - ein gutmütiger Mann, der längst bereut, seinen Dauerpatienten auch privat auf der Pelle zu haben. Immer wieder enden Romains hypochondrische Anfälle auf Dr. Zvenkas Couch. Um dem "Super-Hypochonder" zu helfen, entschließt sich der Mediziner zur Schocktherapie. Dany Boons französische Komödie startet nun in den Kinos.

Dr. Zvenka nimmt Romain mit in ein echtes Krankenlager, in dem Flüchtlinge versorgt werden. Aber auch dort landet der ewige Patient bald auf der Krankenliege - und wird seiner Identität beraubt: Der Revolutionär Anton Miroslav (Jean-Yves Berteloot) aus der Bananenrepublik Tscherkistan, der dem Franzosen ähnlich sieht, entwendet Romains Papiere und steckt ihm seine eigenen zu. Überraschenderweise fühlt sich Romain pudelwohl als Neu-Revoluzzer. Vor allem, weil er nun die volle Aufmerksamkeit von Krankenpflegerin und Tscherkistan-Aktivistin Anna (Alice Pol) genießt ...

Dany Boon inszeniert Dany Boon. Das ging schon einmal richtig gut, ja, war brüllend komisch, als er und Kad Merad mit "Willkommen bei den Sch'tis" die Eigenarten von Nord- und Südfranzosen spielerisch aufs Korn nahmen und zu Kassengold veredelten. Nun ist das "Dreamteam" zurück, wie in dicken Lettern vermeldet wird. Doch der "Super-Hypochonder" poltert derart überspannt über die Leinwand, dass man alsbald den Überblick verliert. Als müsse der Film die Phobien seines Protagonisten selbst ausschwitzen: Der wie aufgedreht agierende Boon wirft und quasselt sich durch die Szenen, dass der Wille zur Komik bisweilen über das dramaturgische Rüstzeug hinausgeht.

Die Geschichte vom eingebildeten Kranken ist zu unausgegoren, um als komplette Komödie zu tragen. Regisseur und Drehbuchautor Dany Boon baut deshalb mit einer Flüchtlingsgeschichte und einer Verwechslungsstory zwei weitere Ebenen mit ein. Beide geben dem Film Futter, wirken aber arg zusammengeschustert und bisweilen einfach billig. Nie können sie jene natürliche Frische entfalten, die die Sch'tis auszeichnete. Immer dann aber, wenn Situationskomik gefragt ist, lakonischer Wortwitz über bloßes Possenspiel triumphiert, kann Boon begeistern. Dann flammt eine Komik auf, die der Franzose mit seinem Mienenspiel so wunderbar zu akzentuieren vermag. Mehr jedenfalls, als wenn er sich wie ein zweiter Peter Sellers durch die Kulissen schmeißt. Das ist zu wenig, um lustig zu sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst