Alexander Held

Alexander Held





Der Mann mit vielen Eigenschaften

Er ist einer der meistbeschäftigten Darsteller im deutschen TV. Fast jeder kennt sein Gesicht und erinnert sich an beeindruckend undurchsichtige, gerne mal etwas zwielichtige Charaktere, die Alexander Held schon gespielt hat. Doch der 55-jährige Münchner ist nicht so leicht zu fassen - und er macht sich auf den roten Teppichen rar. Das Buchführen über seine vielen Rollen, von Steven Spielbergs "Schindlers Liste", über den Otti-Fischer-Gegenspieler in "Der Bulle von Tölz" bis hin zum Oscar-nominierten Film "Sophie Scholl - Die letzten Tage", hat er anderen überlassen. "Es gibt zum Glück Leute, die meine Filme im Internet zählen. Daher muss ich das selbst nicht machen", sagt er. "Ich glaube, es sind derzeit so rund 200, an denen ich mitgewirkt habe." In der neuen ZDF-Krimireihe "München Mord", die am Samstag, 29. März, um 20.15 Uhr, erstmalig zu sehen sein wird, hat er sich wieder eine ganz besonderen Part geangelt: die Hauptrolle eines auf den ersten Blick undurchsichtigen Kriminalers, den man wegen seiner Tiefenschichten keineswegs unterschätzen sollte. Es ist ein äußerlich zurückhaltender Typ - genau wie der Ex-"Domspatz", Ex-"Löwen"-Torwart und überraschend charmante Theaterkomödiant Alexander Held.

"Ludwig Schaller hat mich unmittelbar nach dem ersten Lesen für sich eingenommen", sagt Alexander Held über seinen kauzigen "München Mord"-Ermittler, der von einem Keller-Kabuff aus eigentlich längst archivierte Fälle neu aufrollt. Schaller wirkt dabei wie der berühmte Eisberg, von dem man nicht genau weiß, wie viel sich unter der Oberfläche befindet. "Ich musste nicht lange überlegen, bevor ich zusagte. Er ist eine so ungewöhnliche Figur in der deutschen Fernsehlandschaft, dass ich sie unbedingt spielen wollte", sagt der Schauspieler stolz.

Dass in der Rolle und der Konstellation mit Helds Mitspielern Bernadette Heerwagen und Marcus Mittermeier Potenzial steckt, hat das ZDF bereits erkannt. Ein zweiter "München Mord"-Krimi ist abgedreht, ein dritter befindet sich in Vorbereitung. Dreh- und Angelpunkt ist seine originelle Hauptfigur. "Schaller hat eine ganz eigene Wahrnehmung. Es gibt nicht umsonst Stimmen, die behaupten, er wäre im Irrenhaus gewesen. Andere glauben zu wissen, dass er beim FBI eine Ausbildung zum Profiler gemacht hat", erklärt Held. "Um diesen eigenwilligen Polizisten ranken sich viele Gerüchte - und Genaueres weiß man nicht." Für Held drückt sich so eine besondere Stärke des Drehbuchs aus. "Schallers Rolle lässt vieles erst noch erahnen - das macht es spannend. Es muss im deutschen Fernsehen ja nicht immer alles ausgesprochen werden", sagt er. "Manchmal erzählen Blicke eine interessantere Geschichte als ein schlechter Text."

Wie der reale Schauspieler macht auch der Kripo-Beamte wenig Wirbel um seine Tätigkeit. "Er würde wahrscheinlich sagen: Ich mache meinen Job. Und den mache ich gut. Was die anderen über ihn denken, interessiert ihn wahrscheinlich nicht", so Held über Schaller. "Er löst seine Fälle induktiv. Er hat den geschulten Blick, ganz genau hinzusehen - und das Wesentliche zu erkennen", sagt Held. "Schaller kann sich perfekt in andere Menschen hineinfühlen. Allein das hat schon mit meinem Beruf zu tun. Und auch deswegen interessiert er mich sehr." Trotzdem muss er selbst ein wenig über offensichtliche Parallelen lachen. "Einerseits ist er mir sehr vertraut. Andererseits bin ich hoffentlich nicht ganz so verschroben, wie er manchmal wirken mag."

Dass "München Mord" in seiner Heimatstadt spielt, freut Alexander Held sehr. "Ich bin an der Isar aufgewachsen und kenne München natürlich sehr gut", sagt er. Mittlerweile lebt er auf dem Land, behält die Landeshauptstadt, die er liebt, aber stets im Blick. "Weil ich mittlerweile nicht mehr in der Stadt wohne, beobachte ich genau, wie sich München verändert und was sich im inneren Zusammenhalt tut. Mit Abstand sieht man oft ja besser." Sein eigener Weg hat ihn über das Theater zunächst einmal in die Ferne gebracht - etwa nach Hamburg, Berlin, Basel oder zu den Salzburger Festspielen. "Ich wollte nicht unbedingt an der Isar Wurzeln schlagen. Als junger Mensch muss man ja raus in die Welt - finde ich zumindest", sagt er im Rückblick. "Mich hat es immer wieder hingetragen, wo etwas los war."

Allerdings stand zunächst gar nicht fest, in welche Richtung es den jungen Künstler treibt. Zunächst war er ein ausgezeichneter Sänger - an einer der berühmtesten Schulen der Republik. "Mein Chorleiter bei den Regensburger Domspatzen war Georg Ratzinger", erinnert sich Held. Und das durchaus mit gemischten Gefühlen. "Ich habe dort so lange mitgemacht, bis 1970 die Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko stattfand. Damals wurde ein Fernsehgerät aufgestellt, und es stand im entscheidenden Spiel gegen Italien 2:2. Dann ging der Präfekt dazwischen und schaltete einfach ab", erzählt Held. "Er hatte nämlich erfahren, dass wir in der Turnhalle ein Musical einstudiert hatten. Das war natürlich nicht die Musik der Wahl bei den Domspatzen. Für mich war damals der Punkt erreicht, einen Schlussstrich unter die Domspatzen zu ziehen. Wenn Kreativität bestraft wird, dann kann ich auch gleich Fußballer werden."

Gesagt getan: Tatsächlich stand Alexander Held für den Münchner Traditionsverein TSV 1860 im Tor und gewann fünfmal die Jugendmeisterschaft. "Meine Begeisterung für die Löwen hing stark mit 'Radi' Radenkovic zusammen. Er war der erste spielende Torwart - und natürlich ein Held in der Stadt", schwärmt Alexander Held. "Er faszinierte mich, weil er eine außergewöhnliche Angewohnheit hatte: Wenn der Ball aufs Tor kam, hechte er in die Ecke, stürzte sich auf den Ball und blieb länger als üblich liegen. Keiner wusste: Hat er den Ball oder nicht?", so Held. "40.000 Leute im Stadion hielten den Atem an. Das zu schaffen, so viele Menschen für ein paar Sekunden zittern zu lassen, hat mich sehr beeindruckt. Also wollte ich auch Torwart-Schauspieler werden." Die Leidenschaft für den Fußball ist ihm geblieben - und auch die Treue zum Verein. Natürlich setzt die viel Leidensfähigkeit voraus. "Anders geht's ja nicht", sagt Alexander Held. "Der alte Satz gilt: Einmal Löwe, immer Löwe. Man braucht halt Durchhaltevermögen."

Aus dem Torwart wurde ein Torwart-Schauspieler und rasch einer der bestgebuchten Akteure der Republik. Dass man ihn auf der Leinwand und auf dem TV-Bildschirm meist in Antagonisten-Rollen sieht - beispielsweise als Steuerhinterzieher im brandaktuellen ARD-Thriller "Die Fahnderin" (Mittwoch, 26. März, 20.15 Uhr) -, wurmt Held zumindest nicht öffentlich. "Ich habe schon versucht, unterschiedliche Charaktere zu spielen. Trotzdem blieb nicht aus, dass der Bösewicht vielleicht etwas öfter hängenblieb", sagt er. "Das ist aber auch eine Frage der Wahrnehmung - auch dessen, was andere für erfolgreich oder weniger erfolgreich halten. Am Theater habe ich an einem Tag eine Komödie gespielt, am nächsten Tag ein Kammerspiel-Drama und probte nebenher für ein Musical."

Dass er sich lieber nicht zur oft albernen Münchner Bussi-Bussi-Gesellschaft der Schauspieler und Fernsehkreativen zählt, darauf wirkt er fast ein wenig stolz. "Man kann keinen öffentlichen Beruf ausüben und dann sagen, ich habe mit der Öffentlichkeit nichts zu tun. Aber ich muss mich nicht andienen und Hans Dampf in allen Gassen sein", so Alexander Held. "Vor allem mit 'Sophie Scholl' habe ich das ja alles erlebt - da war ich auf fast allen roten Teppichen, die es gibt", erinnert er sich und schlussfolgert für sich sehr pragmatisch: "Ich muss nicht auf jedes Event gehen, das von irgendwem aus dem Boden gestampft wird."

Quelle: teleschau - der mediendienst