Kylie Minogue

Kylie Minogue





"Mein Po erfüllt seinen Zweck!"

Im oberen Stockwerk des noblen Londoner The Corinthia Hotel empfängt Kylie Minogue ihre Gesprächspartner. Sie sitzt geduldig an einem runden Tisch ihrer Suite und hat die Beine überschlagen. Ihre Augen sehen müde und rot aus. Und sie hustet, aber bewahrt auch dabei Contenance. "Die Erkältung habe ich aus Paris mitgebracht", erklärt die 45-jährige Sängerin. Ein Termin jagt bei ihr gerade den nächsten: Sie gibt Interviews zu ihrem neuen Album "Kiss Me Once", war einen Tag zuvor in Köln, um für die neue Staffel der RTL-Promi-Tanzshow "Let's Dance" (ab 28. März, freitags, 20.15 Uhr) einen Trailer aufzunehmen. Ihre neue Single "Into The Blue" ist Titelsong der Sendung, mit ihr wird der australische Superstar auch bei der Verleihung des deutschen Musikpreises Echo (Donnerstag, 27. März, 20.15 Uhr, ARD) auftreten. Trotz des Stresses: Minogue ist im Gespräch ganz Profi und plaudert offen über ihr Single-Dasein, Weinkrämpfe im Studio und den Sex-Appeal ihres neuen Albums.

Doch nicht nur die Promotion von "Kiss Me Once" nimmt Zeit in Anspruch: Momentan pendelt Minogue zwischen London und ihrer Heimat Australien ständig hin und her. Denn der Superstar, der mit der Seifenoper "Neighbours" Mitte der 80-er den Durchbruch schaffte, ist nicht nur Mentorin bei der britischen Ausgabe von "The Voice", sondern auch bei der australischen. "Egal ob man bei einer Castingshow mitmacht oder wie ich über die Schauspielerei ins Musikbiz kommt - die erste Lektion, die man lernt, ist: "Man muss hart dafür arbeiten", reflektiert sie über ihren strammen Terminkalender. "Meine Karriere kam zwar schnell in Fahrt, aber es war unglaublich schwer, mich immer wieder unter Beweis stellen zu müssen und den Respekt der Leute zu bekommen. Das dauerte lange. Es ist sicherlich etwas anderes, wenn man nicht gleich auf die große Bühne gestoßen wird und erst mal im Kleinen anfangen kann. Aber egal wie, eine Karriere hat immer Herausforderungen und ist harte Arbeit."

Immerhin hat Minogue nun wieder Zeit, ihren vielfältigen Beschäftigungen nachzugehen: Ihre Beziehung zu dem spanischen Model Andrés Velencoso ging Ende 2013 nach fünf gemeinsamen Jahren in die Brüche. "Das war richtig hart. Aber was soll ich tun? Es ist nun mal passiert", erklärt sie. Wenn man unter die Oberfläche des Disco-Stampfers "Into The Blue" blickt, wird man auch deshalb Melancholie entdecken: "I paved the road that would one day leave me lonely", singt sie dort. Zu Deutsch: Ich ebnete den Weg für meine Einsamkeit.

Hat ihr Popstar-Job Anteil daran, dass sie immer noch Single ist? "Definitiv! Meine Karriere war und ist konstanter Motor und Leidenschaft in meinem Leben. Dafür opfere ich den Großteil meiner Zeit." Als Makel empfindet sie es nicht, im Alter von 45 allein und kinderlos dazustehen. "Was soll ich dazu sagen?", fragt sie. "Ich habe keine Erklärung dafür, warum das bei mir so ist. Als Teenager war ich mir sicher, dass ich eines Tages heiraten und eine Familie haben würde. Das war immer der Traum, der uns verkauft wurde. Aber vielleicht ist das ja gar kein Traum? Ich habe mich viel damit auseinandergesetzt. Inzwischen komme ich eher mit der Situation klar. Ich akzeptiere sie einfach mehr."

Immerhin holte sie sich für ihr zwölftes Studioalbum "Kiss Me Once" zwei potente Männer mit an Bord: einen mit Herz, einen mit Hirn. Für Ersteres war Enrique Iglesias zuständig, der ihr die Schmonzette "Beautiful" per E-Mail zuschickte. Das gemeinsame Duett wirkt trotz Vocoder-Verzerrung recht kitschig. "Aber gibt es nicht auch Momente, wo man genau das braucht?", fragt sie. "Außerdem will ich mit diesem Album für jeden etwas bieten. Manche meiner Fans mögen innovative Musik, andere eher den Disco-Sound von früher. Ich hoffe, ich beglücke sie alle!"

Die Chancen dafür stehen gut, denn Pop-Genie Pharrell Williams ("Happy") schrieb ihr mit "I Was Gonna Cancel" einen innovative Funk-Pop-Song auf den Leib. Auch wenn die zwei Tage in seinem Studio nicht ganz so einfach waren, wie Minogue verrät: "Es war Traum und Albtraum zugleich! Ich saß da und weinte stundenlang in seinem Studio, das war mir ziemlich peinlich. Ich konnte mich einfach nicht zusammenreißen. Ich hatte einen ganz schlimmen Tag. Aber Pharrell war süß." Sie überlegt kurz und fährt dann fort: "Ich glaube, er war fast froh darüber, dass er dadurch sofort ein Thema für den Song hatte - ohne lange suchen zu müssen oder mich zu fragen, was denn gerade so in meinem Leben passiert. Er schrieb 'I Was Gonna Cancel', weil ich an dem Tag am liebsten gar nicht ins Studio gekommen wäre."

Den kurzen Zusammenbruch hört man dem Song indes nicht an. Und auch das Album dreht sich eher um ein anderes Thema: Sex. Songs wie "Sexy Love", "Sexercize" und "Les Sex" sprechen da eine eindeutige Sprache. Minogue schiebt das gerne auf ihre Co-Produzentin Sia Fuller (David Guetta, Rihanna). Doch das klingt ein wenig nach Ausrede. Deshalb die Frage: Wie geht denn so eine "Sexercize"-Übung? "Langsam!", lacht Kylie. "Man kann sie auch gut im Gym machen, mit Dehnübungen auf einem Ball zum Beispiel. Auf jeden Fall mag ich es nicht schnell. Langsame Bewegungen, das ist mein Ding." Kylie räkelt sich und macht die Übung gleich mal vor. Schließlich heißt es im Song ja: "Bounce! Stretch! Hands in the air!"

Doch "Kiss Me Once" klingt nicht (nur) nach Fitnessübung. Wollte sie denn mit dem Album anrüchiger rüberkommen? "Ein bisschen. Ich bin aber auch gerne verspielt. Ich habe eine Linie, die ich nicht überschreiten möchte. Es darf nicht zu aufdringlich und anstößig sein - denn das entspricht einfach nicht meiner Persönlichkeit. Bei mir geht es um Andeutung, Verführung, den Spaß, den Flirt und natürlich auch um Sex. Warum sollte man Sex völlig ignorieren? Aber ich spiele damit auf meine Art." Ganz so offensiv wie früher will die 45-Jährige sich ohnehin nicht mehr zur Schau stellen. Goldene Hotpants, wie einst im Video zu "Spinning Around", will sie nicht mehr anziehen. "Nein, ich glaube, die Zeiten sind vorbei", lacht sie. "Mein Po erfüllt heutzutage seinen Zweck: Er ist sehr komfortabel, um darauf zu sitzen. Er tut, was seine Bestimmung ist."

22.10., Köln, Lanxess Arena

25.10., München, Olympiahalle

27.10., Berlin, 02 World

28.10., Hamburg, 02 World

Quelle: teleschau - der mediendienst