Die Bestimmung - Divergent

Die Bestimmung - Divergent





Unbestimmtes Denken ...

Jeder Teenager weiß, wie schwierig es ist, herauszufinden, wer man ist. Zu erkennen, wo man hingehört. In Harry Potters Hogwarts gab es seinerzeit den sprechenden Hut, um Jugendlichen einzuflüstern, wohin sie passen. In der Sci-Fi-Dystopie "Die Bestimmung - Divergent" der jungen Autorin Veronica Roth, die ebenfalls zum Weltbestseller wurde, müssen die 16-Jährigen nach einem unverbindlichen Eignungstest letztlich selbst wählen, zu welcher Fraktion sie zukünftig gehören wollen. Zur Auswahl stehen die Altruan, die das Leben aus dem Blickwinkel der Selbstlosigkeit betrachten. Und außerdem die freimütigen Candor, die gelehrten Ken, die friedfertigen Amite und die furchtlosen Ferox. Klingt erst einmal gar nicht so schlimm, aber die Sache hat einen Haken: Junge Menschen, wie Beatrice "Tris" Prior, die laut Eignungstest mehrere Begabungen hat, also eine "Unbestimmte" ist, werden im Chicago der näheren Zukunft, das von einer riesigen Mauer umschlossen ist, eliminiert.

Regisseur Neil Burger nahm sich dieser erneuten "Weiblicher Teenager rebelliert gegen das inhumane System"-Geschichte an, die offensichtlich wieder einmal den Nerv der Zeit trifft. Die Ähnlichkeit zu einer weiteren Erfolgsstory - "Die Tribute von Panem" - ist natürlich kaum zu übersehen. Scheint so, als ob viele junge Menschen heute in Angst vor der Übermacht eines vermeintlich zum Wohl der Menschheit bis ins Kleinste durchdachten Systems leben. Glauben die Teenager heute trotz ihrer vielfältigen Wahlmöglichkeiten, dass ihre Freiheit eigentlich stark eingeschränkt ist und Querdenkerinnen wie "Tris" vom System hart bestraft werden?

Ein spannender Grundgedanke, doch vermag der Film nicht wirklich zu veranschaulichen, warum die "Unbestimmten" eigentlich so gefährlich für das System sind, geschweige denn die heraufziehende Verschwörung der fanatischen Systembefürworter glaubhaft zu machen.

Wenigstens traf Regisseur Burger eine gute Wahl, indem er Shailene Woodley ("The Descendants") für diesen zeitgemäßen Stoff als Beatrice besetzte. Der ehemalige Fernseh-Kinderstar vermag seiner zierlichen Protagonistin, die sich bei der Wahl der Fraktion für die wagemutigen Ferox entschieden hat, Leben einzuhauchen. Obwohl sie keine nennenswerten Dialogzeilen hat, meint man sie häufig bei stillschweigenden Geistesblitzen beobachten zu können.

Das bei Altruan-Eltern aufgewachsene Mädchen, das sein Testergebnis verschweigen muss, verständlicherweise aber gerne irgendwo hingehören möchte, muss ein knallhartes Ausbildungsprogramm überstehen. Ansonsten droht "Tris" der Ausschluss aus der Gemeinschaft und ein Leben als fraktionslose Stadtstreicherin. Auch einige recht beeindruckend animierte Traumsequenzen, in denen sich "Tris" unter Drogeneinfluss ihren schlimmsten Ängsten stellen muss, gehören zum Trainingsprogramm.

Gespannt verfolgt man, wie sie sich von einem der letzten Listenplätze hochkämpft. Dabei gerät sie wegen ihres Hangs zum Aufbegehren und ihrer Willensstärke immer wieder mit dem sadistischen Anführer der Ferox Eric (ebenfalls überzeugend verkörpert von Jai Courtney) aneinander. So weit, so gut. Aber neben Eric tritt auch noch der wesentlich älter wirkende Bravo-Starschnitt-Anwärter Theo James als ihr Ausbilder und späteres - ganz in Twilight-Tradition - rein platonisches Techtelmechtel "Four" auf den Plan. James' Spiel wirkt gekünstelt, und auch seine Liebe zu Tris nimmt man ihm nicht ab. An der ihm zugrunde liegenden Figurenzeichnung kann es nicht liegen, denn auch Kate Winslet muss einige Buchschwächen besonders im Showdown überspielen und macht dabei als Jeanine Matthews, eiskalt-raffinierte Anführerin einer ziemlich hanebüchenen Verschwörung der Ken-Fraktion, dennoch eine gute Figur.

So bleibt man am Ende der überlangen Verfilmung des ersten Teils dieses Jugend-Bestsellers, der unausgegoren und aus erfolgreichen Versatzstücken zusammengeschustert wirkt, etwas ratlos zurück und wünscht sich, das "Hollywood-System" würde bei der Verfilmung des nächsten Teils "unbestimmtere" Denker ans Ruder lassen....

Quelle: teleschau - der mediendienst