Peter Kraus

Peter Kraus





"Das Beste kommt zum Schluss"

Peter Kraus, die deutsche Rock'n'Roll-Legende, feiert am 18. März den 75. Geburtstag. Nur drei Tage darauf, am 21. März, veröffentlicht Kraus sein neues Album "Zeitensprung". Darauf interpretiert er moderne Pop-Songs im Rock'n'Roll-Kleid der 50er- und 60er-Jahre. Die Idee, die an Heinos Sensationserfolg "Mit freundlichen Grüßen" erinnern mag, ist zugleich der Startschuss für seine Abschiedstournee "Das Beste kommt zum Schluss" ab Oktober 2014. Seine Frau Ingrid wolle nicht mehr, dass er sich den Stress des Reisens antue, sagt der am 18. März 1939 in München geborene Sänger.

teleschau: Herr Kraus, Sie haben ein Album mit gecoverten Songs von aktuellen, durchaus angesagten Pop-Künstlern wie Marteria, Culcha Candela oder Fettes Brot aufgenommen. Warum?

Peter Kraus: Vor einer Tournee bin ich stets auf der Suche nach etwas Neuem. Bisher habe ich unter anderem Big Band oder Musical gemacht. Wie aus dem Nichts kam das Angebot, moderne, deutsche Hits neu und frisch im Elvis-Rock'n'Roll-Stil aufzunehmen.

teleschau: War die Auswahl der Songs bereits festgelegt?

Kraus: Zuerst wurden mir "Hamma!" von Culcha Candela und Marterias "Lila Wolken" vorgespielt. Das war zunächst schwierig. Denn: Eigentlich war bei diesen Songs wenig für mich zu singen. Es hat etwas gedauert, wir änderten die Harmonien. Dann ging es. Hervorragend sogar. Aber ich musste mich an die Songs erst auch gewöhnen.

teleschau: Heino hat im vergangenen Jahr ein Album mit Coversongs herausgebracht. Mit enormem Erfolg ...

Kraus: Als Heinos "Mit freundlichen Grüßen" veröffentlicht wurde, waren wir mit der Arbeit an dem Album schon sehr weit. Der Gag bei Heino ist ja, dass er einen Song in seiner ganz eigenen Art singt. Bei "Zeitensprung" dagegen interpretiere ich einen Popsong so, wie ich ihn früher aufgenommen hätte. Genau das ist der Witz an unserer Idee: Der Song, der aktuell existiert, wird zur Coverversion von meinem.

teleschau: Ist der Vergleich mit Heino überhaupt gerecht?

Kraus: Ursprünglich sollte das Album "Alles nur geklaut" heißen, nach dem Song der Prinzen. Es gab bereits eine Coverproduktion mit mir als Verbrecher und dem klassischen Profilfoto. Dann kam die Heino-Scheibe und sein Image als Rocker. Wir mussten unsere Idee begraben, sonst würde ich noch mehr auf Heino angesprochen werden.

teleschau: Die Heino-Scheibe schoss bis an die Spitze der Charts. Welche Erwartungen haben Sie an Ihr Album?

Kraus: Einige meiner letzten Alben brauchte ich vor allem dazu, um eine Tournee gestalten zu können. Wenn ich also mit der SWR-Big-Band eine Swingplatte aufnehme, weiß ich im Vornherein, dass ich damit nicht die Charts stürmen werde. "Zeitensprung" dagegen ist etwas anderes. Das Album hat enormes Potenzial, auch für weiterführende Projekte. Die ersten Reaktionen jedenfalls sind nur positiv. Rosenstolz oder Culcha Candela zum Beispiel mögen meine Interpretationen ihrer Hits "Gib mir Sonne" oder "Hamma!"

teleschau: Sind Ihnen Chartsplatzierungen denn noch wichtig?

Kraus: In den letzten Jahren habe ich ein Album vor allem für die Tournee gebraucht. Quasi als Visitenkarte, eine hohe Platzierung in den Charts war da nicht so bedeutend. Zudem bin ich stolz drauf, behaupten zu dürfen, ein Künstler zu sein, der aufgrund seiner Arbeit die Konzertsäle füllt. Und eben nicht nur, weil ich gerade einen Nummer-eins-Hit habe. Mein persönliches Ziel habe ich also bereits erreicht. Aber natürlich: Ich würde es schon akzeptieren, wenn mein "Zeitensprung" Nummer eins wird.

teleschau: Herr Kraus, Sie werden am 18. März 75 Jahre. Auf den Plakaten für Ihre Tour ab Oktober steht "Meine große Abschiedstournee". Wie fühlen Sie sich, wenn Sie dieses Motto schwarz auf weiß lesen?

Kraus: Ich darf betonen, dass ich zwar eine letzte Tournee mache. Aber das heißt doch nicht, dass ich komplett aufhöre. Wie erwähnt, gerade das neue Album hat Potenzial möglicherweise für Projekte im Fernsehen. Einzelne Auftritte wird es also weiterhin geben. Ich bin nur des Tournee-Gehens leid.

teleschau: Stimmt es denn, dass Ihre Frau Ihnen eindeutig beigebracht hat, das sei nun Ihre letzte Tournee?

Kraus: So spricht meine Frau bestimmt nicht mit mir. Sonst gäbe es Ärger. Ja, wo wären wir denn da (lacht)?

teleschau: Sie hat also nicht gesagt: "Peter, einmal noch, dann aber ist definitiv Schluss"?

Kraus: Nein, nein! Sie ist eine sehr vernünftige Frau. Und so bohrt sie schon seit mindestens drei Tourneen und fragt immer wieder "Willst du dir das schon wieder antun?" Sie fragt ganz vorsichtig von hinten, das sei dann die letzte Tour, oder? Gleichzeitig bemerkt sie nebenbei, wie anstrengend das viele damit verbundene Reisen doch sei. Sie macht das schon clever.

teleschau: Aber für einen Rock'n'Roller wie Peter Kraus muss das Touren doch die pure Entspannung sein, oder?

Kraus: Eine Tournee ist eigentlich genau das Gegenteil zu dem, wie ich sonst lebe. Zu Hause am Luganersee schnappe ich mir gerne mein Paddelboot und fahre rüber nach Italien. Das ist nicht weit. Oder ich gehe mit meiner Frau zum Wasserskifahren. Am Abend bin ich dann todmüde und falle um Neun ins Bett. Kurzum: Es ist den ganzen Tag Action, bei der selbst mein Sohn manchmal daran verzweifelt, wie aktiv seine Eltern noch sind.

teleschau: Bei einem Konzert dagegen gehen Sie erst gegen neun Uhr auf die Bühne.

Kraus: Eine Tournee ist Arbeit. Man schläft wenig, man sitzt viel im Auto, der Tag vergeht kaum. Als ungeduldiger Mensch scharre ich bereits in der Garderobe mit den Hufen. Aber: Das alles muss sein, damit ich mich dann mit zwei Stunden Singen auf der Bühne und vor meinen Fans belohnen darf. Und das genieße ich. Bei jedem Auftritt.

teleschau: Bereits als Jugendlicher standen Sie im Rampenlicht. Wie wäre es denn mit einem "vernünftigen" Ausbildungsberuf gewesen?

Kraus: Meine Mutter wollte, dass ich einen Beruf erlerne. Ich zeichnete sehr gut. Eigentlich wollte ich Autodesigner werden - am liebsten bei Pininfarina.

teleschau: Ein Idol für eine ganze Generation zu sein, ist so schlecht doch aber auch nicht?

Kraus: Beschweren muss ich mich bestimmt nicht.

teleschau: Wie ist es auf einen 75. Geburtstag angesprochen und gleichzeitig dazu aufgefordert zu werden, doch bitte auf ein Leben zurückzublicken? Geht Ihnen das ans Herz?

Kraus: Nein, ans Herz geht es mir nicht. Im Gegenteil. Es macht Spaß. Vor allem bei Interviews mit jungen Damen. Denen erzähle ich gerne Geschichten, bei denen sie große Augen bekommen.

teleschau: Ein Beispiel, Herr Kraus, bitte!

Kraus: Als man damals in den 50er-Jahren von Elvis las, wurde in der Presse geschrieben: "Der kann nicht singen, schaukelt unmoralisch mit den Hüften, stottert irgendwelche Gesänge." Die Zeitungen waren richtig bösartig. Ich selbst hatte den Typen noch nicht einmal gesehen und mich nur mit seiner Musik beschäftigt. Als es plötzlich hieß, Deutschland habe mit Peter Kraus einen eigenen Elvis Presley, sah ich überhaupt zum ersten Mal, was der machte. Ich stand also mit 16 vor dem Spiegel und überlegte mir: Was könnte das sein, wenn der unmoralische Bewegungen in der Öffentlichkeit macht.

teleschau: Wären Sie denn gerne noch einmal 16?

Kraus: Nein! In der heutigen Zeit schon gar nicht. Für Jugendliche heute ist es irrsinnig schwer. Viel schwerer als zu meiner Zeit. Damals hatten wir sehr wenig. Aber es gab auch nicht viel zu selektieren. Heute dagegen stürzt doch alles auf die Jugend ein. Sie wird zugeschüttet mit Angeboten. Es muss schwer sein, sich zu orientieren oder herauszustechen. In meiner Jugend war man schon eine Persönlichkeit, wenn man ein buntes Hemd trug.

Peter Kraus auf Deutschland-Tournee:

03.10., Augsburg, Kongress am Park Augsburg

04.10., Halle/Saale, Georg-Friedrich-Händel Halle

05.10., Hamburg, CCH1

07.10., Bremen, Halle 7

08.10., Dortmund, Westfalenhalle 3A

10.10., Oberhausen, König-Pilsener-ARENA

11.10., Köln, LANXESS arena

12.10., Münster, Messe und Congress Centrum Halle Münsterland

14.10., Rostock, Stadthalle

15.10., Lübeck, Musik- und Kongreßhalle

17.10., Bielefeld, Stadthalle

18.10., Hannover, Swiss Life Hall

19.10., Kassel, Kongress Palais Kassel-Stadthalle

21.10., Berlin, Tempodrom

22.10., Leipzig, Gewandhaus zu Leipzig

23.10., Chemnitz, Stadthalle

27.10., München, Philharmonie

28.10., München, Philharmonie

30.10., Nürnberg, Meistersingerhalle

31.10., Wetzlar, Rittal Arena Wetzlar

02.11., Hof/Saale, Freiheitshalle

03.11., Koblenz, Conlog Arena

04.11., Frankfurt, Alte Oper

05.11., Baden-Baden, Festspielhaus

07.11., Mannheim, Rosengarten

11.11., Stuttgart, Liederhalle

12.11., Stuttgart, Liederhalle

13.11., Freiburg, Rothaus Arena

14.11., Neu-Ulm, ratiopharm arena

15.11., Kempten, bigBOX Allgäu

14.03.2015, Göttingen, Lokhalle

15.03.2015, Erfurt, Messe

17.03.2015, Saarbrücken, Saarlandhalle

20.03.2015, Aachen, Eurogress

28.03.2015, Magdeburg, Stadthalle

29.03.2015, Lingen, Emsland Arena

Quelle: teleschau - der mediendienst