Alwara Höfels

Alwara Höfels





Stets am Steuer, ohne Führerschein

Man braucht schon Gemütsruhe, um sich einfach mal so hinter das Steuer eines tonnenschweren Traktors zu klemmen. Besonders dann, wenn man keinerlei Erfahrung hat und dort eigentlich gar nicht sitzen dürfte. Alwara Höfels hat keine Scheu vor PS-starken Gespannen - nur eben keinen Führerschein. Das hat sich bislang in der steilen Karriere der 31-jährigen "Fack ju Göhte"-Darstellerin einfach noch nicht ergeben. "Alles ging bei mir so nahtlos zwischen Schule und Beginn der Schauspielerausbildung, dass ich bislang nie die Zeit dafür gefunden habe, den Führerschein zu machen", sagt sie. Und doch muss sie sich immer wieder auf den Fahrersitz setzen - auch in der neuen ARD-Komödie "Einmal Bauernhof und zurück", die am Freitag, 21. März, um 20.15 Uhr, zu sehen ist. "Fast in jeder Produktion bin ich mit einem neuen Fahrzeug konfrontiert. Diesmal war es nicht nur ein Trecker, sondern auch ein russischer Lada", berichtet sie von ihrem Landausflug.

Dabei war der Fuhrpark nicht das Außergewöhnlichste an der etwas süßlichen Degeto-Komödie, die von zwei Schwestern erzählt, die den elterlichen Hof übernehmen. Für die Rolle der schollenverbundenen Jüngeren suchten sich die Produzenten ausgerechnet ein echtes Großstadtgewächs aus - Alwara Höfels. "Man ist als Schauspielerin oft auf der Suche nach Stoffen und Figuren, die nicht so sehr in der eigenen Biografie liegen", sagt sie selbst über die etwas ungewöhnliche Rolle, für die sie sogar das Melken von Kühen lernen musste. "Ich hatte im Vorfeld einen Übungstag auf einem Bauernhof", erzählt sie im Rückblick. "Es ist ein echtes Handwerk, eine Melkmaschine zu bedienen - so was kann man nicht von jetzt auf gleich.", Und die Schauspielerin gesteht ein: "Die Arbeit mit den Tieren hat mir einen gesunden Respekt eingeflößt."

Allerdings hat Alwara Höfels beim Drehen weniger die Sorge beschäftigt, einen Tritt abzukommen, als vielmehr der Ernst der Lage, von dem sie bei ihrem realen Bauernhof-Besuchstag erfahren hatte. "Die Begegnung mit der Bäuerin, auf deren Hof ich reinschnuppern durfte, hat mich tief bewegt. Sie sagte mir: 'Wissen Sie, das ist jetzt das letzte Jahr, in dem wir das machen", so erinnert sich Alwara Höfels. "In Zeiten, in denen ein Liter Wasser teurer ist als ein Liter Milch, können die Bauern nicht überleben. Diese Leute müssen wahnsinnig hart um ihre Existenz kämpfen." Deswegen habe ihr der Stoff imponiert - auch wenn er im Ersten latent verkitscht daherkommt.

Sich immer wieder auf Neues einzulassen, ist das, was die gebürtige Hessin, die seit vielen Jahren in Berlin lebt, so schätzt. Zuletzt beim "Tatort: Der Eskimo" musste sie Joachim Król, der den übel verkaterten Kommissar spielte, einen ganzen Fernsehfilm lang in vielen Auto-Szenen durch ein winterliches Frankfurt kutschieren. Auch das ohne Führerschein - und mit speziellen Vorkehrungen: "Das waren abgesperrte Straßen, die somit sicher waren", sagt sie und muss selbst rückblickend lachen. Ein Bedauern, dass aus ihrem Einmal-Gastspiel als Assistentin des HR-Kommissars nichts Dauerhaftes wurde, lässt sie sich nicht anmerken. Die ARD-Verantwortlichen haben für Frankfurt mit Margarita Broich und Wolfram Koch ein neues Team gefunden. Immerhin wäre die Main-Metropole wenigstens eine Großstadt gewesen - und kein Bauernhofland.

Abseits der Städte wirkt Alwara Höfels nämlich ein wenig fehl am Platz. Als Mädchen ist sie viel herumgekommen, was an den wechselnden Theater-Engagements ihre beiden Eltern - des Schauspieler-Paars Klara Höfels und Michael Greiling - lag. "Das Selbstverständnis für den Beruf habe ich mit der Muttermilch aufgesogen", sagt sie heute. Feste Pläne einer Karriere hatte sie dagegen nicht immer im Kopf - dafür ein sehr gelassenes, fast fatalistisches Grundvertrauen, dass sich das Richtige schon von fast wie von selbst einstellen würde. "Die Schauspielerei hat sich mich ausgesucht", sagt Alwara Höfels. "Irgendwann wurde mein Wunsch, Schauspielerin zu werden, konkret."

Allerdings wusste Alwara Höfels früh, worauf sie sich einlassen würde - und kannte auch die Ängste und Unsicherheiten, die eine Künstlerexistenz mit sich bringt. Dass sie in der Familie so viel über den Alltag eines Schauspielers mitbekommen habe, war Segen und Fluch zugleich - und ihre Verwandtschaft keineswegs ein automatischer Türöffner. "In einer Schauspielschule wird man sicher nicht aufgenommen, weil die Eltern Schauspieler sind", sagt sie. "Ich kam aus Patchwork-Verhältnissen. Wir haben ein enges, sehr freundschaftliches Miteinander bis heute." Die vielen Ortswechsel sind nun vorbei. "Man ist schon ein bisschen ein Nomadenkind", erinnert sich Alwara Höfels an ihre Jugend. "Am Ende landeten wir in Berlin. So habe ich dort die meiste Zeit meines Lebens verbracht."

In Charlottenburg fühlt sie sich wohl. "Berlin ist Heimat für mich", sagt Alwara Höfels. Anders als manche Berliner, die oft in ihrem Kiez hängen bleiben, liebt sie die Weite der Stadt. Und sie erkundet sie noch immer - allerdings mit Muskelkraft. "Mit meinem Rad bin ich meistens viel schneller dort, wohin die anderen mit dem Auto fahren."

Besonders wichtig ist ihr die lebendige Berliner Theaterszene, wo sie immer wieder andocken kann. "Die Bühne ist der Boden von allem", sagt sie über die geliebte Theaterwelt. "Es ist eine viel kleinere Welt als die TV-Branche." Dort möchte sie Kontakte halten, aber natürlich auch weiterhin viel drehen. Generalstabsmäßig voraussorganisieren kann man eine Schauspieler-Karriere ohnehin nicht. "Ich bleibe demütig. Ich glaube, dass die Dinge so für mich passieren, wie es eben sein muss", lautet Alwara Höfels' Credo. Nur eines will sie dann vielleicht doch in Angriff nehmen - den Führerschein. "Irgendwann möchte ich den schon machen."

Quelle: teleschau - der mediendienst