Zwischen Welten

Zwischen Welten





Auf verlorenem Posten

Mit ihrem zweiten Film "Zwischen Welten" hat sich die ambitionierte Regisseurin Feo Aladag erneut auf gefährliches Terrain begeben. Sie thematisiert den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan. Nachdem Aladag 2010 zu Recht den Deutschen Filmpreis für ihr subtiles Ehrenmorddrama "Die Fremde" entgegennehmen durfte, war man bei der diesjährigen Berlinale äußerst gespannt, ob sie mit ihrem Wettbewerbsbeitrag auch dieser schwierigen Thematik gerecht werden würde.

Zunächst einmal beeindruckte, dass die Österreicherin Feo Aladag ihren Film an Originalschauplätzen in Kunduz und Mazar-e-Sharif drehte - woraus Kamerafrau und Co-Autorin Judith Kaufmann aber in diesem Kammerspiel leider wenig gemacht hat: Die von ihr fotografierten Landschaften unterscheiden sich kaum von den sonst üblicherweise im weniger gefährlichen Marokko geschossenen Aufnahmen.

Mittendrin: Der dauerbetroffen dreinblickende Hauptmann Jesper (Ronald Zehrfeld), der bereits seinen Bruder in Afghanistan verloren hat und dennoch in die karge Wüstenlandschaft zurückkehrt. Warum nur meldet sich dieser offensichtlich vom unsinnigen Tod des Bruders traumatisierte Mann freiwillig für einen Einsatz der ISAF-Truppen? Eine wirklich einleuchtende Antwort bleibt Feo Aladag schuldig, so wie sie nahezu alle entscheidenden Figuren lediglich metaphorisch handeln und plakativ sprechen lässt. Einzige Ausnahme ist der afghanische Übersetzer Tarik (Mohsin Ahmady), den Jesper gleich nach seiner Ankunft in dem kleinen afghanischen Dorf kennenlernt, das er fortan mit seiner Truppe vor den Taliban schützen soll.

Tarik lebt mit seiner Schwester (Saida Barmaki) zusammen, die als angehende Ingenieurin das moderne Afghanistan symbolisiert, und bemüht sich schon lange um seine Ausreise, da sein Leben als Verbündeter der Talibangegner in ständiger Gefahr ist. Er ist Vermittler zwischen verschiedenen Welten. Wenn er in einem ersten Gespräch zwischen dem Hauptmann und dem Miliz-Führer Haroon (Abdul Salam Yosofzai) nach dem Stellplatz der Truppe ganz diplomatisch falsch übersetzt, dass der von den Deutschen für zu klein befundene Truppenstellplatz angeblich der beste Platz im Dorf ist, bekommt man einen Eindruck davon, wie unerwünscht die deutschen Truppen in Afghanistan eigentlich sind. Und wie unüberbrückbar die sprachlichen und kulturellen Unterschiede.

Doch mehr und mehr bewegt sich der mit freundlicher Unterstützung der Bundeswehr produzierte Film in Richtung selbstgerechtes Betroffenheitskino, das die Frage nach dem Recht der Deutschen, "unsere Freiheit am Hindukusch" zu verteidigen, erst gar nicht stellt. Der gute deutsche Soldat, der an den unmenschlich-bürokratischen Hürden der Bundeswehr scheitert, darf letztlich zum selbstlosen Helden werden: Hauptmann Jesper wird folgenreich einen Befehl verweigern, um Tariks angeschossene Schwester in das nächstgelegene Bundeswehrkrankenhaus zu bringen.

"Ihr habt die Uhr, aber wir haben die Zeit", diesen lehrreichen Satz gibt der Milizführer einmal von sich. Auch Aladags Film wirkt leider streng getaktet - und zwar nach starren, deutschen Fernsehdramaturgie-Regeln. Trotz aller intensiver Vorabrecherchen bewegt sich das Drama so auf verlorenem Posten. Vielleicht wird es Zeit für einen Antikriegsfilm aus der Perspektive der Berg- und Wüstenvölker - der aus afghanischer Sicht die Militärintervention am Hindukusch schildert.

Quelle: teleschau - der mediendienst