Antboy

Antboy





Dänisches Supermännchen

Mit seinen niedlichen Hamsterbacken mag der zwölfjährige Pelle vielleicht bei Seniorinnen gut ankommen. In seiner Klasse beachtet ihn jedoch niemand - schon gar nicht die Mädchen. Schlimmer noch, Pelles latent sadistischer Sportlehrer führt allen anderen überdeutlich vor, dass der Junge klein, unsportlich und schüchtern ist. Und doch kann, das weiß man aus unzähligen "Spider-Man"-Comic-Heftchen, natürlich aus jedem Knirps ein Held werden: Dafür benötigt man nur den Biss eines genmanipulierten Insekts. In Pelles Fall ist es eine nicht ganz alltägliche Ameise, die ihn verwandelt - in einen putzigen kleinen Superhelden mit angemessen großartigen Superkräften. "Antboy" von Regisseur Ask Hasselbalch war in Dänemark ein Sensationserfolg. Hierzulande könnte er zumindest einigen Grundschülern ganz gut gefallen.

Nach dem Biss der Ameise entdeckt Pelle (Oscar Dietz), dass er plötzlich völlig angstfrei die steilsten Wände hochklettern kann. Außerdem hat er nun den Mut und die entsprechenden Tricks, sich gegen seinen Schinder-Sportlehrer zu wehren. Allerdings muss sich der präpubertierende Vorstadtjunge erst noch an sein neues Leben als "Held" gewöhnen. Wie gut, dass er plötzlich einen verlässlichen Freund findet: Den Einzelgänger Wilhelm (Samuel Ting Graf), der alle neuen Comic-Bände verschlingt, die er in die Finger bekommt, und sich im Kosmos der großen Heroen bestens auskennt. Er zeigt Pelle, wie er sein ungeahntes neues Talent sozialverträglich nutzen kann - und schneidert dem "Ameisenjungen" auch gleich ein passendes Kostüm.

Fast noch wichtiger als der treue Begleiter ist für Antboy allerdings ein würdiger Gegner: Und der stellt sich ihm als der furchterregende "Floh" in den Weg. Mit dem Naturforscher Doktor Gæmelkrå (Nicolas Bro) wurde nämlich ein weiterer Zeitgenosse "verwandelt" - in seinem Fall allerdings durch einen Floh-Biss. Und natürlich möchte das deutlich dickere, brutale Super-Insekt die ganze Welt unterwerfen. Keine Frage: Der "Floh" muss gestoppt werden.

In Dänemark lockte die jugendgerechte Superhelden-Schnurre, die ziemlich schnörkellos und ohne spektakuläre Spezialeffekte die "Spider-Man"-Anverwandlung nacherzählt, über 150.000 Besucher in die Kinos. "Antboy" ist ein netter kleiner Film mit augenzwinkerndem Humor und nordeuropäischer Lakonie.

Allerdings ist er in der Tonalität oft ein wenig unausgegoren: Die Darstellung des "Flohs" erscheint für junges Publikum überraschend bedrohlich, während die Action-Komödie an sich über weite Strecken doch sehr kindlich wirkt. Gut möglich, dass manchen Filmgängern zu wenig passiert, um sich einen Kinobesuch lang mit einem sympathischen, aber doch auch ein wenig faden Lausbub zu beschäftigen.

Quelle: teleschau - der mediendienst