Ottfried Fischer

Ottfried Fischer





Der richtige Weg

Er hadert nicht. Zetert nicht. Klagt nicht. Und er gibt keinem die Schuld. "Zwischen Gerücht und Parkinson" lautet der Untertitel zu seinem neuen Bühnenprogramm, aber eines stellt Ottfried Fischer gleich mal klar: "Das wird keine Abrechnung mit der Krankheit. Die geht eben leider nicht mehr weg. Aber ich lese immer wieder von Menschen, die sich nach der Diagnose Parkinson in sich zurückziehen." Er indes ist sich sicher: "Das ist nicht der richtige Weg." Ungemein offen spricht der 60-Jährige über die Krankheit und ihre Folgen und gibt dabei, ohne es so zu planen, jedem, der ihm begegnet, eine Art Leitfaden zur Krisenbewältigung. Wobei, es ist wohl vor allem seine offensichtlichste Eigenschaft, die ihn in diesen Jahren auch durch schwere Zeiten trägt: sein Humor. Er war da, als es ihm gut ging, in all den Jahrzehnten des Erfolgs. Und er blieb, als ihn Ottfried Fischer am meisten brauchte: in den Zeiten des Unglücks.

Es war das Jahr 2008, und die Veröffentlichung der Diagnose war, wie er sich lächelnd erinnert, "generalstabsmäßig geplant". Über die Agenturen lief die Nachricht, dass Ottfried Fischer "unheilbar erkrankt" sei. Am Abend dann, beim Aschermittwoch der Kabarettisten in der Münchner Philharmonie, betrat er die Bühne und eröffnete mit den Worten: "Haben Sie keine Angst, ich mach' keine Schüttelreime." In so gut wie jedem Gespräch erinnert sich Ottfried Fischer an diesen Moment, der gleich mehrere Botschaften enthielt: Zum einen, dass Mitleid nicht gewünscht ist. Und zum anderen, dass der Humor zwar keine Krankheit heilen kann, den Umgang mit ihr aber gehörig erleichtert. Und doch: Es ist eine Kunst, ihn nicht zu verlieren, wenn der Körper bisweilen zu streiken beginnt. Und wenn das eben auch Folgen für die Karriere hat.

Zum 21. und letzten Mal ist Ottfried Fischer nun als "Pfarrer Braun" im Ersten zu sehen (Do., 20.03., 20.15 Uhr). "Es war wahnsinnig anstrengend", erinnert er sich an die Dreharbeiten, die den Hauptdarsteller bis zu zwölf Stunden am Tag beanspruchten. "Die Maschinerie muss eben laufen. Da kann man keine Rücksicht nehmen auf jemanden, der nicht voll leistungsfähig ist", sagt Fischer. Ganz ohne Groll übrigens, sondern mit großem Verständnis für die Situation. Auch mit Dankbarkeit. Dafür, dass die verantwortliche ARD Degeto ihm die Chance gab, sich in der Rolle zu verabschieden. Sogar mit einem Dreh in Rom.

Es war der Stammautor Wolfgang Limmer, der die mutige Idee hatte, dem Pfarrer vor seinem letzten Fall eine tödliche Diagnose zu geben. So "kriminalisiert" der sterbende Geistliche ein letztes Mal, überführt einen letzten Mörder, ehe sein irdischer Auftrag endet. Mit entspannter Leichtigkeit geht diese Figur ihren Weg, getragen vom tiefen Glauben an ein "Danach". Seine eigenen Großmütter, "die westfälische und die katholische", seien auch so gewesen, erinnert sich Fischer durchaus ein bisschen neidvoll. Er selbst ist noch in der katholischen Kirche und wird sie auch nicht verlassen. Aber das letzte Gebet, das liegt Jahrzehnte zurück. "Damals in der Schule bat ich um eine 4 in Latein." Anfangs übrigens mit Erfolg, später dann nicht mehr. "Ich habe den Glauben nie abgelehnt", sagt er heute, "aber ich selbst glaube eigentlich nicht."

Wohl aber habe er in all den Jahren dank seiner Rolle viele bemerkenswerte Geistliche kennengelernt. Nette einfache Pfarrer von nebenan waren darunter. Und auch Kardinal Lehmann, dem Fischer einst begegnete und der dem Schauspieler dankte für seine Interpretation eines "Geistlichen in den Medien". "Eine tolle Begegnung, ein tolles Gespräch" sei das gewesen, erinnert sich in der Niederbayern geborene Ottfried Fischer. Aber auf die Idee, nun, in manchmal schweren Zeiten, Gott anzurufen, kommt er dann doch nicht. Aber eben auch nicht darauf, sich bei ihm zu beklagen, ihn als Schuldigen auszumachen. "Ich hadere nicht mit dem Schicksal und leide auch nicht unter Depressionen", sagt er und verweist sogleich auf die positive Folge seiner Krankheit: "Die Entschleunigung ist das Interessante."

"Jetzt noch langsamer" hat er denn auch sein neues Bühnenprogramm genannt, das ihn in diesen Tagen quer durch Süddeutschland führt. "Ich will schon, dass die Menschen sehen, wie ich mit der Krankheit umgehe", sagt er und meint: mit Offenheit, mit Humor und auch mit Selbstironie. Übertreiben dürfe man es nicht mit den Parkinson-Witzen, aber negiert werden soll die Krankheit eben auch nicht, ist sie doch sichtbar für seine Zuschauer.

Fischer hat viel vor: Neben dem Bühnenprogramm arbeitet er an einem zweiten. Die szenische Lesung unter dem Titel "Wandogo Filosofi" hatte vor Kurzem in Wien an der Volksoper Premiere. "Aber da gibt es noch Handlungsbedarf", gibt er sich selbstkritisch. Lars Montag und Jan Stahlberg unterstützt er bei der Vorbereitung eines Kinoprojekts, eine Behindertenkomödie mit dem Titel "Liebe im Schatten des Hakenkreuzes". Auch neue Bücher wird es geben von Ottfried Fischer. "Mein Schlachthof" könnte eines heißen, in dem es um die Wendezeit geht ... "als Kohl & the Gang am Brandenburger Tor standen".

Nur im Fernsehen wird man ihn eben künftig nur noch selten sehen. "Ich bin eigentlich noch ganz gut im Saft", kokettiert er. "Aber ich muss natürlich akzeptieren, dass die sich beim Fernsehen nun eben immer fragen werden, 'ob der das durchhält'. Ob man sich den am Samstagabend live leisten kann. Glauben Sie mir: Ich verstehe das", sagt er und fügt amüsiert hinzu: "Aber das Medium ist ja facettenreich. Wenn ich die entsprechende Schmalheit erlangen sollte, wird es mir bestimmt gelingen, mich an dem einen oder anderen Heizkörper vorbei ins Bild zu drängen."

Das Publikum, da darf er sich sicher sein, wird Ottfried Fischer ohnehin nicht vergessen. "Der 'Pfarrer Braun' wird ja im Dritten dauernd wiederholt", scherzt er. Mindestens ebenso wichtig wie die Fans sind ihm jedoch die Wegbegleiter. Der Peter Heinrich Brix zum Beispiel, der beim "Pfarrer Braun" in all den Jahren den etwas trotteligen Kommissar Geiger spielte und uneigennützig den wichtigen Kontrapunkt zum souverän-klugen Geistlichen setzte. "Eine der tollsten Bekanntschaften, die ich je gemacht habe", sagt Fischer.

Und vor allem nennt er die vielen jungen Kabarettisten, die in all den Jahren in seiner BR-Sendung "Ottis Schlachthof" von ihm eine Bühne bekamen. "An meinem 60. Geburtstag waren sie alle da, obwohl es die Sendung längst nicht mehr gab. Ich bin zu einer Art Doyen des Kabaretts geworden", sagt er stolz und erinnert sich zurück, wie wichtig es für ihn selbst war, dass da einer ist, der einem die Chance gibt. "Der Werner Schneyder hat mich damals in seine Sendung geholt." 1983 war das, vor mehr als 30 Jahren. "Und von da an wussten meine Eltern: Aus dem Bub wird doch noch was ..."

Quelle: teleschau - der mediendienst