Robert Gustafsson

Robert Gustafsson





Briefkästen sprengen? Klar!

Er gilt als der komischste Mann Schwedens - und auch außerhalb seiner skandinavischen Heimat kann man sich nun von Robert Gustafssons Talent überzeugen: Der 49-jährige spielt in Felix Herngrens Verfilmung von Jonas Jonassons Bestseller "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" (Kinostart: 20.03.) die Titelfigur Allan Karlsson. Im Interview verrät er, warum ihm das Altern keine Angst macht und welche Leidenschaft er mit seinem Allan teilt.

teleschau: Haben Sie Angst vor dem Älterwerden, Herr Gustafsson?

Robert Gustafsson: Als ich jung war, hatte ich Angst davor - genau wie vor dem Sterben. Heute nicht mehr. Solange ich mich erinnern kann, habe ich zu Älteren aufgeblickt und sie als die Coolen gesehen. Die wussten, was zu tun ist. Wenn ich zum Beispiel ein Eishockeyspiel schaue, etwa Schweden gegen Kanada, denke ich immer, die Spieler wären älter als ich. Dabei sind sie um die 25, so alt wie meine Kinder. Ich schätze sie aber älter ein, weil sie etwas Wichtiges erledigen müssen, sie müssen Kanada schlagen. Der Präsident, mit seiner Security und seiner Verantwortung, muss älter sein als ich. Sehe ich Politiker, die jünger sind, halte ich die für peinlich und denke, dass die keine Ahnung von dem haben, was sie sagen. Ich wünsche mir dann, dass sie einfach die Klappe halten.

teleschau: Was hat ein Hundertjähriger Jüngeren voraus?

Gustafsson: Du kannst dir einiges erlauben. Du zeigst mit deinem Stock auf jemand und keiner wundert sich. Du könntest anfangen, Drogen zu nehmen oder dich morgens betrinken. Wenn du am nächsten Tag sterben könntest, eröffnet dir das Freiheiten.

teleschau: Sie sind jetzt 49. Fühlen Sie sich auch so?

Gustafsson: Momentan fühle ich mich wie ein 35-Jähriger, während der Dreharbeiten oft eher wie ein Hundertjähriger. Während wir in Thailand drehten fühlte ich mich sogar wie 108. Das war eine Qual mit dieser Maske und der Hitze dort. Jeden Tag verbrachte ich für vier, fünf Stunden in der Maske. Für mich, als ziemlich getriebene Person, war das hart.

teleschau: Wie überbrückten Sie die Zeit dort?

Gustafsson: Ich habe viel Musik gehört. Meine Nahrung nahm ich mit einem Strohhalm zu mir. Manchmal bin ich sogar eingeschlafen und sie mussten mich wecken. Insgesamt waren 35 Arbeitsschritte nötig, um mich herzurichten. Das Make-up musste so gut sein, dass Nahaufnahmen möglich waren. Sonst geht es darum, gut zu schauspielern - hier war es schon harte Arbeit, überhaupt zum Spielen zu kommen.

teleschau: War es etwas Besonderes für Sie, eine Rolle in einem Bestseller wie Jonassons "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" zu übernehmen?

Gustafsson: Vor drei Jahren hat Felix Herngren gefragt, ob ich die Rolle übernehme. Da kannte ich Jonassons Buchs noch nicht. Als ich es gelesen hatte, dachte ich, der spinnt. Das kann ich nicht machen. Das Hörbuch dauert 14 Stunden! Wie soll man daraus einen zweistündigen Film machen? Felix sagte, dass ich mich darum nicht kümmern soll und er mir ein erstes Drehbuch schicken will. Über das Drehbuch habe ich mehr gelacht als über das Buch. Da wusste ich: Das wird ein verdammt guter Film.

teleschau: ... in dem Sie viele historische Persönlichkeiten "treffen" durften.

Gustafsson: In einigen Situationen dachte ich, das sei Realität. Ich stand Stalin gegenüber. Diese Begegnung des Diktators mit dem Normalo, die muss es in dieser Zeit immer wieder mal gegeben haben. Das ist eines der Geheimnisse dieses Buchs: Es erzählt ein Märchen, das wahr sein könnte. Wenn du etwas genau wissen willst, musst du einfach ältere Menschen fragen. Da wirst du spannende Sachen erfahren.

teleschau: In Schweden scheint es so unglaublich viele begabte Krimi-Autoren zu geben. Warum sind die Thriller ein Exportschlager und die Komödien nicht?

Gustafsson: Ich habe immer Komödien gemacht. Ich liebe Komödien. Unsere Krimis ermüden mich ein wenig. Vielleicht gehe ich da mit unseren schwedischen Filmen auch zu hart ins Gericht. Ich mag das Image der Filme nicht mehr.

teleschau: Mögen Sie stattdessen tanzende Männer? Ihre Figur Allan hat im Film ja eine sehr klare Meinung in diesem Punkt.

Gustafsson: Das ist sicher eine der lustigsten Sätze im Film. Ich bin sehr heterosexuell und gebe mir gleichzeitig große Mühe, sehr offen zu sein. Ich finde es sehr lustig, Männer tanzen zu sehen. Ich verstehe in jedem Fall, warum Allan sagt, dass Männer nicht tanzen sollten. Das passt zu seiner Generation. Die einzige Beziehung, die er geführt hat, ist die zu seiner Katze Molotov. Ist er vielleicht ein Autist? Oder verrückt? Ich habe darauf keine Antwort. Er verlor seine Eltern früh und war immer auf sich selbst gestellt. Mit der Zeit hat er herausgefunden, dass er gerne Sachen in die Luft jagt. Mir hat das als Kind auch Spaß gemacht. Puppen und Briefkästen sprengen, das steckt auch in mir. Genau wie das Abbrennen von Sachen.

teleschau: Was war das letzte, das Sie abgefackelt haben?

Gustafsson: Einen Stuhl in meinem Sommerhaus.

Quelle: teleschau - der mediendienst