The Return Of The First Avenger

The Return Of The First Avenger





Der Preis der Sicherheit

Das kommt einem bekannt vor: Nach einem Anschlag auf New York wird klammheimlich und hinter den Kulissen an Supersicherheitsmaßnahmen gearbeitet. Zum Wohl der Menschen natürlich, die sich allerdings herzlich wenig dafür interessieren, dass für die Supersicherheit ihre Grundrechte arg in Mitleidenschaft gezogen werden. Sie twittern, facebooken, datenschleudern munter vor sich hin: Irgendwann geraten sie dann ins Fadenkreuz eines Geheimdienstes und merken es erst, wenn sie tot sind. Captain America (Chris Evans) muss in "The Return Of The First Avenger" gleich gegen zwei mächtige Feinde kämpfen: einen wild gewordenen Geheimdienst und die unfassbare Ignoranz der Menschen. Zum Glück hat er seinen Humor nicht verloren.

Kurzer Rückblick: Captain America ist nicht der einzige Superheld aus dem Marvel-Comicuniversum, der die Welt beschützt. Mit seinen Kumpels Thor, Iron Man und Hulk gehört er zur den "Avengers", einer schnellen Eingreiftruppe des Supersicherheits-Geheimdienstes Shield. Sie hatten vor zwei Jahren im Kino den Auftrag, die Zerstörung New Yorks durch Aliens zu verhindern. Das klappte ganz gut, und Captain America verrichtet seinen Dienst in seinem zweiten Solo-Film nun im Hauptquartier von Shield im relativ beschaulichen Washington D.C.

Dort läuft Captain America mit seinem neuen Freund Sam Wilson (Anthony Mackie) fleißig seine Trainingsrunden und kann sich an die neue Zeit gewöhnen - Schwierigkeiten hat er nicht mit dem hektischen Lebenstempo, mit der unerhörten Musik oder mit all den neuen technischen Spielzeugen. Der durch ein Serum hochgezüchtete Supersoldat zweifelt an seiner eigenen Bestimmung: Die Welt ist paranoid geworden, warum soll man also noch für sie kämpfen? Vor 75 Jahren, als er im Zweiten Weltkrieg die Freiheit der Welt gegen die Nazis verteidigte, wusste er, wofür er kämpft. Doch heute?

Heute ist die Shield-Zentrale das mächtigste Gebäude in Washington. Selbstgefällig und unantastbar steht der graue Koloss am Ufer des Potomac River, größer als alle anderen Gebäude. Es ist ein zeitgemäßes Bild, das sich die Regisseure Anthony und Joe Russo haben einfallen lassen: Nichts und niemand ist mächtiger als der Geheimdienst.

Im Namen der Sicherheit ist alles erlaubt, was dazu führte, dass sich im Inneren von Shield ein Geschwür ausbreiten konnte. Selbst Direktor Nick Fury (Samuel L. Jackson), Captain America und die bezaubernde "Black Widow" Natascha Romanoff (Scarlett Johansson) bekommen es nicht unter Kontrolle. Irgendwann übernimmt dann Furys alter Weggefährte Alexander Pierce (Robert Redford) die Shield-Führung.

Tod und Verrat stehen an der Tagesordnung, niemand ist mehr unantastbar oder unsterblich. Zumal der "Winter Soldier" auftaucht - ein äußerst effizienter Attentäter, mit dem Captain America eine gemeinsame Vergangenheit hat. Die Welt ist aus den Fugen geraten und soll, das wird schnell klar, neu geordnet werden Doch dafür muss die alte Ordnung erst einmal eingerissen werden. Aber welchen Preis sind wir für absolute Sicherheit bereit zu zahlen?

Auch wenn "The Return Of The First Avenger" in erster Linie ein veritables Actionspektakel in schicker 3D-Optik ist, wollen all die pompösen Knalleffekte die hintersinnigen Dialoge nicht übertönen. Was auch gar nicht möglich ist: Der erfrischend rotzige Superheldenfilm ist sendungs- und selbstbewusst, verortet sich ganz natürlich in einer Zeit, in der Edward Snowdens Enthüllungen zumindest im Ansatz erahnen lassen, was wir eigentlich aufs Spiel setzen im Namen der Sicherheit. Dass sich daran in naher Zukunft etwas ändern wird, darf bezweifelt werden: Captain America wird wohl auch im Mai 2016, bei seinem geplanten dritten Kinoabenteuer, wieder alle Hände voll zu tun haben.

Quelle: teleschau - der mediendienst