Tim Seyfi

Tim Seyfi





Das türkisch-bayerische Chamäleon

Tim Seyfi ist einer der vielseitigsten Schauspieler der Welt. In zehn oder elf Sprachen hat der 42-Jährige Münchener bisher gespielt. Neben jenen fünf, die er perfekt beherrscht, waren Exotenrollen in Tschetschenisch, Serbisch und Finnisch dabei. Trotz der Guinnesss-Buch-verdächtigen Leistung ist der 42-Jährige in Deutschland immer noch ein Geheimtipp. Dies könnte sich nun ändern - durch seine Hauptrolle in der ARD-Detektivserie "Koslowski & Haferkamp" aus der "Heiter bis tödlich"-Reihe (ab 20.03., immer donnerstags, 18.50 Uhr, im Ersten).

"Als Schauspieler kommt man zwar von einem Ort, aber man ist doch immer ein anderer. Man muss nicht aus Dänemark kommen, um Hamlet zu spielen." So antwortet Tim Seyfi auf die in seinem Fall ziemlich verrückte Frage, ob man denn als Münchener einen Ruhrpott-Detektiv spielen kann. Als Gegenbeweis zählt Tim Seyfi jene Rollen auf, die er im vergangenen Jahr ausfüllte: In der Türkei, wo er ein Kinostar ist, spielte er gerade einen "Californication"-artigen Schwerenöter in einer Serie. "So jemanden, der 17 Frauen in 13 Folgen hatte", lacht er. Danach kam ein Niederbayern-Krimi, in dem Seyfi einen Dorfpolizisten gab. Es folgte ein Film in Frankreich als singender Zigeuner, und nun ist eben der Ruhrpott-Detektiv Hasan Haferkamp in der neuen "Heiter bis tödlich"-Serie "Koslowski & Haferkamp" an der Reihe. "Früher, als es noch eher kleine Rollen waren, kam ich manchmal auf über zehn Projekte im Jahre. In den letzten Jahren waren es vornehmlich Hauptrollen, da sind es dann natürlich viel weniger Projekte. So kanns gerne weitergehen."

Tim Seyfi, ein offener Kumpeltyp mit dem verschmitzt-geheimnisvollen Gesicht eines Zirkusartisten - man weiß eigentlich gar nicht, wofür er steht. Welches Schubladenfach für ihn als Schauspieler vorgesehen ist. Ihm selbst fällt es jedenfalls schwer zu sagen, welche seine bekannteste Rolle ist. "In Bayern kennen mich viele Leute aus dem Kultfilm 'Wer früher stirbt, ist länger tot'. Das Arthouse-Publikum erinnert sich vielleicht an den bayerisch sprechenden Taxifahrer aus 'Gegen die Wand'. Die jungen Checkertypen sprechen mich an, weil ich mal in einer Folge 'Cobra 11' mitgespielt habe". Tim Seyfi amüsiert seine eigene Chamäleonhaftigkeit, die ihm nicht nur viel Abwechslung in seiner Arbeit, sondern auch einen vollen Terminkalender beschert. Als eines von neun Kindern ist er in einer türkischen Familie in München groß geworden. Beim FC Bayern hat Seyfi einen Mitgliedsausweis. Von seinem 14. Lebensjahr an wollte er Musiker werden und sang in einer Metal-Band, mit der er bis Anfang 20 unterwegs war.

Dazukam ein Dolmetscher-Studium als Simultanübersetzer für Französisch und Englisch. Während der Studienzeit in Frankreich versuchte sich Seyfi - relativ spät - zum ersten Mal als Schauspieler. "Ich probierte das aus und dachte: Ist ja gar nicht so schwer! Deshalb machte ich noch eine Weile Schauspielschule in Frankreich, hörte dann aber auf, weil es schon Rollenangebote aus Deutschland gab." In Frankreich hat es Tim Seyfi trotzdem geschafft, er spielt dort immer wieder Rollen. Zuletzt unter der Regie von Toni Gadliff ("Gadjo Dilo") mit dem Seyfi vielleicht sogar in Cannes vertreten ist.

In Deutschland sieht man den Türken aus München dann noch in der Rolle des so gar nicht südländisch angelegten Manfred Peterson in der ZDF-Krimireihe "Marthaler" mit Matthias Koeberlin. Dazu spielte er in zwei Folgen der Senta Berger-Reihe "Unter Verdacht" sogar einen als zukünftigen bayerischen Innenminister gehandelten CSU-Politiker. "Ja", lacht er, "da dachte ich: Jetzt hast du es schafft. Viele meiner Kollegen mit türkischem Hintergrund beklagen sich zu Recht darüber, dass sie keinen Bock mehr haben, immer nur den Gemüsehändler oder Putzmann zu spielen. Ich habe natürlich das Glück, dass ich mit meinen blauen Augen nicht so extrem dem türkischen Klischee des dunklen Typen entspreche. Mir gehen zwar deswegen manche tolle türkische Rollen flöten, aber so rum ist es mir lieber. Abseits davon glaube ich, dass die Rollenklischees für türkischstämmige Schauspieler gerade immer mehr aufweichen."

Zumindest in der Serie "Koslowski und Haferkamp", die Tim Seyfi an der Seite von Sönke Möhring, dem jüngeren Bruder von Wotan Wilke Möhring, noch bis Mitte April im Ruhrpott dreht, ist die Verschmelzung der Kulturen schon mal gelungen. Als Hasan Haferkamp hat die eine Hälfte des neuen "Heiter bis tödlich"-Detektivduos die Verschmelzung der beiden Kulturen im eigenen Namen hinter sich gebracht. "Im Türkischen gibt es eine Redewendung", erzählt Tim Seyfi, "die lautet eine-Sprache-ein-Mensch. Kannst du mehrere Sprachen, sage ich mir, dann bist du mehrere Menschen. Für einen Schauspieler ist das doch ein gutes Selbstkonzept."

Wenn ihm langweilig ist, lernt der zweifache Familienvater übrigens einfach eine neue Sprache. So wie zurzeit: Er eignet sich gerade Arabisch im Selbststudium an. "Weil ich Anfragen aus Frankreich habe, Arabisch sprechende Rollen zu spielen. Ich bin Türke, ich bin Münchener, ich bin aber auch sehr Frankreich-affin. Ich habe einen Pfarrer, einen Rabbiner und einen Iman schon gespielt. Mehr geht nicht." Einen wie Tim Seyfi kann da natürlich ein bisschen "Ruhrpott Style" in der Sprache des Hasan Haferkamp nicht schocken. Zumal er auch in seiner Serienrolle Fan des FC Bayern München ist. Wenigsten da muss sich der fußballverrückte Schauspieler einmal nicht verstellen.

Quelle: teleschau - der mediendienst