Markus Brandl

Markus Brandl





Ein Hauch von Stenz

Die titelbedingte Reminiszenz an Helmut Dietls kultisch verehrtes TV-Kunstwerk "Monaco Franze" ist bei "Monaco 110" kein Zufall. Ein bisschen Münchener Wesen beziehungsweise Doppelbödigkeit zu transportieren und damit an alte Kultserien anzuknüpfen, ist das Ziel des aus der Feder von Thomas Kronthaler ("Die Gruberin") stammenden neuen "Heiter bis tödlich"-Produkts, das ab 26. März, mittwochs, 18.50 Uhr, im Ersten läuft. Der bayerische Schauspieler Markus Brandl gibt in der neuen ARD-Serie den jungen Dienststellenleiter eines Münchener Polizeireviers, in dem dummerweise auch seine autoritäre Mutter arbeitet - als einfache Polizistin. Um den Spagat zwischen karrierebewusstem Ermittler und getriebenem Muttersöhnchen zu stemmen, konnte sich der 1977 geborene Markus Brandl praktischerweise in seinem eigenen Leben umschauen - und er durfte Franz Xaver Kroetz in "Kir Royal" studieren.

Die Stadt Brannenburg, die laut Statistik vom letzten Tag des Jahres 2012 5.745 Einwohner zählt, liegt zwischen Rosenheim und Kufstein im Voralpenland. Man könnte auch sagen: in der bayerischen Provinz. Hier ist Markus Brandl aufgewachsen, ohne Vater, dafür aber mit einem zeitweiligen italienischen Stiefvater, der im Ort eine Pizzeria betrieb. Für beides finden sich Parallelen in "Monaco 110", wo es auch um eine arg enge Mutter-Sohn-Beziehung geht.

Mops-Liebhaberin Inge Aschenbrenner (Monika Baumgartner) würde ihrem "Bubi" - das ist der Sohn und nicht zu verwechseln mit Hund "Buzzi" - auch am liebsten jeden Schritt im Leben vorschreiben. Blöd nur, dass der nun offiziell ihr Chef wird. Und die Pizzeria? Der junge Polizeiaufsteiger Thomas Aschenbrenner lebt in einer On/Off-Beziehung mit der Halbitalienerin und Ristaurante-Betreiberin Gianna (Isabel Scholz), einer Art zweitem Wohnzimmer der Haidhausener Dienststelle von Familie Aschenbrenner.

Um den Spagat zwischen Mutters "Underdog" und durchsetzungsstarkem Chef zu stemmen, musste sich der zweifache Familienvater Markus Brandl zudem nur an sein eigenes Leben erinnern. "Meine Schüchternheit, die ich als Teil meines Charakters mitbringe, hat auch ein bisschen dazu geführt, dass ich mich erst recht spät getraut habe, mich an Schauspielschulen zu bewerben. Ich war da schon 24, es war so ein bisschen die letzte Chance." Brandl, der auch gerne Psychologie studiert hätte, was aber an seinem Status als Fachabiturient scheiterte, erinnert sich daran, dass er als ambitionierter Handballer nach einer Verletzung eine Zeit in der Rehaklinik verbrachte.

"Ich lernte dort eine Autorin kennen, eine Mitpatientin von mir, die mir erzählte, dass sie eigentlich immer Schauspielerin werden wollte. Als ich ihr sagte, dass das auch mein Traum wäre, war sie skeptisch, wegen meiner Schüchternheit. Wir sind dann immer aus der Klinik ausgebüchst - in das Tegernseer Bräustüberl. Als ich nach ein paar Bier nicht mehr ganz so schüchtern war und sang, meinte sie: Vielleicht solltest Du das doch mal probieren und gab mir die Nummer von einer Freundin, die Schauspiel-Workshops gab."

Weil Markus Brandl den Tipp dankend annahm, ist ihm diese Episode heute noch gut im Gedächtnis. Das Sich-Auflockern im Workshop endete mit der Bewerbung an Schauspielschulen und der Aufnahme in Bochum. Nach fünf Jahren im Pott kehrte der Bayer Brandl nach München zurück, weil er am jungen Münchener Volkstheater unter Intendant und Regisseur Christian Stückl ein festes Engagement erhielt. "Das Münchener Volkstheater war damals auch tatsächlich mein Traum. Nicht nur wegen meiner bayerischen Herkunft. Der Christian Stückl, ein wunderbarer enthusiastischer Regisseur, hat halt dieses Prinzip, dass er junge Leute an sein Haus holt und sie groß spielen lässt. Davon habe ich ungeheuer profitiert, auch weil viele Caster sich die Vorstellungen regelmäßig angucken."

Schauspieler wie Brigitte Hobmeier, Maximilian Brückner oder Friedrich Mücke wurden am Münchener Volkstheater sozusagen für Film und Fernsehen entdeckt. Markus Brandl, mittlerweile Vater mit Verantwortung für ein Kind, hielt fünf Jahre an seinem Theaterengagement fest - ehe er, aus dem Wunsch heraus, mehr Geld zu verdienen, Rollen vor der Kamera annahm. "Als ich damals am Volkstheater kündigte, kam das Angebot, in der deutsch-österreichischen Serie 'Die Bergwacht' mitzumachen, die heute 'Die Bergretter' heißt." Seit 2009 ist Markus Brandl dort in der Rolle des Tobias Herbrechter zu sehen. Die Serie machte sich beim Publikum so gut, dass das ursprünglich 45 Minuten lange Vorabendprogramm zum abendlichen 90-Minüter befördert wurde. Sechs Folgen wurden 2013 gedreht, sie sind derzeit immer donnerstags, 20.15 Uhr, im ZDF zu sehen. Verzichten muss Markus Brandl wegen seines neuen Jobs als Münchener Polizeidienststellenleiter übrigens nicht auf die regelmäßigen Drehs in den Bergen. "Das Gute ist, dass 'Die Bergretter' im Sommer gedreht werden und 'Monaco 110' machen wir im Winter."

Als gut ausgelasteter schauspielerischer Saisonarbeiter fühlt sich Brandl also ziemlich wohl - auch weil er traditionsreiche bayerische TV-Tugenden in seiner neuen Serie umgesetzt sieht. "Die Figuren auf dieser Polizeiwache sind sehr widersprüchlich, teilweise inkonsequent. Sobald eine Figur inkonsequent ist, wird sie lustig. Alles ist aus der Hand gefilmt, das schafft einen gewissen Realismus. Und es sind vor allem menschliche Geschichten, die bei uns im Vordergrund stehen, weniger das Kriminalistische." Der Mutter-Sohn-Konflikt, der Umgang der Kollegen untereinander innerhalb einer Gruppe von Polizisten mit Ängsten, Problemen und Defiziten - dies alles augenzwinkernd leicht zu erzählen, ist das Ziel von "Monaco 110", von dem sicherheitshalber - in Sachen Quote - aber erst mal nur acht Folgen produziert werden.

Der Serientitel "Monaco", Italienisch für München, verweist natürlich auf "Monaco Franze" und seinen Helden Franz Münchinger - gespielt Anfang der 80-er von Helmut Fischer. Heute längst ein Kultstück über das Münchener Wesen. "Ich bin ein großer Fan von den Dietl-Serien", erzählt Markus Brandl im Interview zur Serie, das skurrilerweise im feinen Hamburger Hotel "Vier Jahreszeiten" stattfindet. "Bevor wir mit dem Dreh von 'Monaco 110' angefangen haben, habe ich mir auch noch mal 'Kir Royal' angeschaut. Das ist ohnehin unschlagbar! Es ist unglaublich gut, was die damals gemacht haben. Franz Xaver Kroetz spielte Baby Schimmerlos, diesen Klatschreporter zwischen Macht und Ohnmacht. Ich habe versucht, in dieser Rolle zumindest diese Ambivalenz mitzunehmen und mich ein bisschen davon inspirieren zu lassen."

Ein bisschen Stenz, um den Untertitel der anderen berühmten Dietl-Serie "Monaco Franze" zu zitieren, sollte Brandl jedoch ebenfalls in seine Rolle als Thomas Aschenbrenner einbringen. Der ist nämlich auch ein bisschen eitel als Mann, durchaus bindungsscheu und im Beruf wie im Privaten schlitzohriger, als man es dem adretten Dunkelhaarigen auf den ersten Blick zutrauen würde. Was, lieber Markus Brandl, ist also ein Stenz im Jahre 2014? "Für einen Stenz", sagt der bayerische Fachmann nach kurzem Nachdenken, "gibt es immer verschiedenen Definitionen. Er ist aber auf jeden Fall gut gekleidet, schaut den Frauen hinterher und agiert mit schlitzohrigem Charme. Er ist nicht auf den Mund gefallen und ein Lausbub, der immer auch so ein bisschen auf seinen Vorteil schaut." Natürlich ist der Aschenbrenner kein klassischer Stenz, aber ein Hauch davon ist in "Monaco 110" immerhin da. Für eine "Heiter bis tödlich"-Vorabendserie der ARD ist das immerhin ein Anfang.

Quelle: teleschau - der mediendienst