Hoffen auf die Sensation

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Wer gewinnt den Oscar?

Rien ne va plus - nichts geht mehr: Am Dienstag, 17 Uhr nach Pacific Standard Time, endete für die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences die Abstimmungsfrist. Die Gewinner der diesjährigen Oscarverleihung stehen also im Grunde schon fest, bis zur Verleihung am Sonntag, 2. März (ProSieben überträgt live ab 01.00 Uhr) müssen nur noch Stimmen ausgezählt, Namenskarten in Umschläge gesteckt und Statuen vorbereitet werden. Zum Spekulieren, wer die begehrte Trophäe denn nun in diesem Jahr mit nach Hause nehmen darf, bleibt trotzdem noch genügend Zeit.

Eine Dankesrede sollte sich bis Sonntagabend auf jeden Fall Cate Blanchett überlegen: Nachdem die Australierin für ihre Rolle in "Blue Jasmine" schon den Golden Globe, den Screen Actors Guild Award, den Critics Choice Award und den britischen Filmpreis BAFTA gewann, wäre es eine absolute Sensation, wenn ihr doch noch jemand den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle streitig machen würde. Bitter ist das vor allem für Amy Adams: Die "American Hustle"-Darstellerin ist die einzige Nominierte in dieser Kategorie, die im Laufe ihrer Karriere noch keinen Oscar gewonnen hat. Immerhin: Buchmacher räumen ihr eine größere Chance auf einen Überraschungssieg ein als Sandra Bullock ("Gravity"), Judi Dench ("Philomena") und Meryl Streep ("Im August in Osage County").

In der Kategorie "Bester männlicher Hauptdarsteller" scheint die Sache ähnlich klar: Obwohl Chiwetel Ejiofor für seine Darbietung in "12 Years A Slave" den BAFTA überreicht bekam, schlägt das Award-Meter doch deutlicher in Richtung Matthew McConaughey aus. Die Rolle des AIDS-kranken Cowboys, der in "Dallas Buyers Club" für seine Rechte kämpft, ist für Preisverleihungen einfach maßgeschneidert. Sorry, Leonardo DiCaprio ("The Wolf Of Wall Street"), das wird wohl auch dieses Jahr nichts mit dem Oscar. Trost kann Leo vermutlich bei seinem Co-Star Jonah Hill suchen, denn geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid: Auch der Preis für den besten Nebendarsteller dürfte den Oscar-Count von "Dallas Buyers Club" erhöhen - mit Ausnahme des BAFTA sackte Jared Leto im Vorfeld der Academy Awards alle wichtigen Preise ein.

Wo da die Spannung bleibt? Im Rennen um die Auszeichnung für die beste Nebendarstellerin, bei dem es auf ein Fotofinish hinauszulaufen scheint: Das letztjährige Oscardarling Jennifer Lawrence gewann mit ihren Auftritt in "American Hustle" den BAFTA und den Golden Globe, Newcomerin Lupita Nyong'o ("12 Years A Slave") erspielte sich den Screen Actors Guild Award und den Critics Choice Award. Selbst die Buchmacher haben noch keine klare Favoritin: Der Vorsprung, den Nyong'o derzeit bei ihnen noch hat, ist so klein, dass sich Lawrence auf den letzten Metern doch noch nach vorne drängen könnte.

Auch in der Königskategorie fällt das Tippen noch schwer: "12 Years A Slave" mag schon einige Preise gesammelt haben. Doch die Hoffnung, dass die Academy mal über ihren Schatten springt und doch den technisch eindrucksvollen Blockbuster dem politisierenden Historiendrama vorzieht, stirbt zuletzt. Falls "Gravity" tatsächlich "Bester Film" werden sollte - und damit auch Kandidaten wie "The Wolf Of Wall Street", "American Hustle" und "Dallas Buyers Club" aussticht -, könnte sich Alfonso Cuarón wohl doppelt freuen: Dass der Mexikaner den Regiepreis für sein Weltraumabenteuer mit nach Hause nimmt, scheint relativ sicher.

Doch bei aller Oscar-Mathematik und Awardzählerei: Im Laufe der Jahre machten die Mitglieder der Academy den Oscarorakeln schon so manches Mal einen Strich durch die Rechnung. Etwa, als sie 1999 völlig unvermittelt "Shakespeare in Love" statt "Der Soldat James Ryan" zum Film des Jahres erklärten, oder 1977, als "Rocky" über "Taxi Driver" siegte. Und niemand war verblüffter als Adrien Brody, als 2003 nicht Michael Caine, nicht Daniel Day-Lewis, nicht Nicolas Cage und nicht Jack Nicholson, sondern er, der noch relativ unbekannte Hauptdarsteller von "Der Pianist" auf die Bühne gerufen wurde. Manchmal ist die Academy eben doch noch für eine echte Überraschung gut.

Quelle: teleschau - der mediendienst