Martin Gruber

Martin Gruber





Der Bergfex, der vom Meeresrauschen träumt

Es ist eine der nervenaufreibendsten Reihen, die das deutsche Fernsehen zu bieten hat - zumindest das öffentlich-rechtliche. In sechs neuen "Die Bergretter"-Folgen geht Martin Gruber, der Andreas Marthaler, den Chef der wagemutigen Helikopter-Notfalltruppe, spielt, wieder an die Grenzen - auch an seine persönlichen Kraft- und Adrenalin-Reserven. Während parallel bei RTL in der Dauerbrennerserie "Alarm für Cobra 11" Fahrzeuge quer durchs Fernsehbild schlittern, hangelt sich der 43-jährige Münchner im ZDF über Abgründe hinweg, steigt für dramatische Rettungsaktionen in Bergwerkstollen ab und flirtet nebenbei noch vor pittoreskem Dachstein-Alpenpanorama. Für die kernige Mischung hat Martin Gruber mittlerweile eine schöne Bezeichnung gefunden: "Wir bieten ein modernes Heimat-Action-Spektakel", sagt er. Am Donnerstag, 13. März, geht es um 20.15 Uhr wieder los.

"Wir haben kein Element ausgelassen", sagt er über die neuen Folgen, die ihn nicht nur mit Fels, Schnee und Erde, sondern auch mit Feuer, Wasser und für Hubschrauber-Einsätze widrigen Winden hautnah in Kontakt brachten. "Es ist anstrengend und nicht ungefährlich - und hat mich mindestens zehn neue Narben gekostet", sagt er über die zurückliegenden Dreharbeiten. "Jedes Mal wenn ich aus der Dusche komme, sehe ich also: Dieser Dreh hat wieder seine Spuren hinterlassen." Martin Gruber ist topfit - und selbst passionierter Kletterer. Anders hätte er die ziemlich extremen Bedingungen vor der Kamera auch nicht meistern können.

Ein Hitzkopf ist der zweifache Familienvater allerdings nicht. "Ich bin ein bisschen vorsichtiger geworden. Ich springe nicht gleich ungefragt überall runter", schmunzelt er. "Manchmal schreitet eben der Vater in mir ein und sagt: Vorsicht, du hast zwei Kinder." Alltäglich ist beim Drehen neuer "Bergretter"-Folgen selten was. Und die Anspannung im Team zehrt an den Nerven. "Wenn du unter deinen Füßen 2.800 Meter freie Sicht nach unten hast, dann ist von den Set-Kollegen schon ein wenig mehr psychologisches Feingefühl gefragt", so Gruber. Man glaubt ihm das gern.

Bei dem sehnigen Muskelmann, der zunächst über Serienrollen, etwa bei "Sturm der Liebe", bekannt wurde, setzt innerlich immer schon der Film ein, wenn er die ersten Script-Zeilen zu lesen beginnt. Und oft mischt sich auch so etwas wie Sorge in die Lektüre - vor allem, wenn ihn seine Frau deswegen löchert. "Sie geben uns absichtlich die Drehbücher nur noch eine Woche vor Drehbeginn", lacht Martin Gruber. "Das ist natürlich Taktik: So hat man gar keine Zeit mehr, sich zu fürchten." Trotzdem gilt für ihn die alte Geht-nicht-gibt's-nicht-Devise. "Augen zu und durch: Jeder Drehtag muss geschafft werden. Der Marthaler packt das", sagt er über seinen Rollen-Alter-Ego.

Das Einzige, womit man ihn schrecken kann - und das offenbar bei fast jeder neuen "Bergretter"-Folgenidee -, sind Unterwasserszenen. Dabei ist Martin Gruber ein guter Schwimmer und kann sich auch im rauschenden Gletscherbach gut halten. "Ich hab's überhaupt nicht mit dem Tauchen. Mit den schweren Geräten in dunkles Wasser zu gleiten, ist ein absoluter Albtraum für mich", sagt er. "Und trotzdem muss ich das jedes Mal machen - wenn sie mich in einen eiskalten Bergsee springen lassen. Ich hasse es, wenn das Licht verschwindet und man rückwärts ins stockdunkle Nichts versinkt", so der Schauspieler. "Das ist das Einzige, das ich auf den Tod nicht ausstehen kann", sagt er, fügt aber augenzwinkernd an: "Ich bin mir sicher, dass Tauchen auf den Malediven viel Spaß machen kann."

Auch ein Bergwerks-Dreh fühlte sich diesmal für ihn etwas mulmig an. "Man darf sich nicht vor Augen führen, was passieren kann, wenn es rumpelt. Lebendig begraben zu werden, ist doch die Urangst eines jeden Menschen", erzählt er. Dass er oft körperlich gefordert wird und weniger als Charakterdarsteller, wurmt ihn nicht wirklich - obwohl er bei entsprechender Gelegenheit auch gerne wieder andere Seiten von sich zeigen möchte. "Actionszenen zu spielen, erfordert eine völlig andere Technik, als wenn man sich schauspielerisch in eine tiefschürfende, schwer dialoglastige Szene versenkt", sagt er. "Beides hat seine Reize. Ich würde mich auch mal wieder auf ein Kammerspiel freuen."

Dafür halten ihn "Die Bergretter" bestens in Schuss - ein Kapital, von dem nicht jeder Kollege seiner Altersklasse zehren kann. "Die Dreharbeiten - inklusive der intensiven Vorbereitungsphasen - sind äußerst zeitintensiv und kraftraubend", sagt er. "Meistens bringt jeder Staffel-Dreh einen Schwund von bis zu acht Kilos mit sich", so Martin Gruber. "Ob ich die auch wirklich an den richtigen Stellen verliere, müsste man eigentlich meine Frau fragen."

Nur verständlich, dass nach einer neuen, der mittlerweile fünften Dreh-Staffel auch die Freizeit nicht zu kurz kommen sollte. Und da geht der erklärte Berg-Liebhaber Gruber gerne mal "fremd". Möglichst weit weg von den Alpen, lautet die interne Familien-Faustregel. "Echtes Ausspannen bedeutet für mich, dass ich mal wieder Sand unter den Füßen spüren kann - und im Hintergrund eine leichte Brise weht und Wellenplätschern zu hören ist", schwärmt er. Allerdings muss es nicht immer eine Fernreise sein. "Ich habe mir für zu Hause extra schon eine CD mit Meeresrauschen gekauft. Die passende Fototapete dafür habe ich allerdings noch nicht", sagt Martin Gruber. "Ich liebe es, wenn ich meine Gedanken einfach mal weg von den Bergen und in Richtung Baywatch wandern lassen kann."

Wenn er die Augen wieder öffnet, ist er in der drehfreien Zeit ganz Familienmensch - vor allem für seine Jüngere, die dreijährige Tochter. "Erfüllt ist die Freizeit natürlich immer dann, wenn ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie verbringen kann", sagt Martin Gruber. Allzu früh möchte er den jungen Nachwuchs - sein erstgeborener Sohn ist schon deutlich älter - nicht an den Action-Papa gewöhnen. "Für meine kleine Tochter wären 'Die Bergretter' derzeit natürlich noch nichts", sagt Martin Gruber. "Ihr größter Held heißt nicht Andreas Marthaler, sondern Bob, der Baumeister."

Quelle: teleschau - der mediendienst