Uschi Glas

Uschi Glas





Powerfrau und Schätzchen

"Gebt mir einen Laster, aber bitte den großen, zeigt mir wie das geht, und ich fahr damit." Die Arbeiter des Kieswerks Kirchstockach waren ziemlich verblüfft, als Uschi Glas bei den Dreharbeiten zur SAT.1-Erfolgsserie "Anna Maria - Eine Frau geht ihren Weg" (1994 bis 1996) ins Führerhaus eines 38-Tonners kletterte und ihnen nach kurzer Einweisung den Arbeitsplatz streitig machte. "LKW-Fahren wollte ich schon immer", meinte Uschi Glas damals mit einem spitzbübischen Grinsen, einer Mischung aus kindlicher Neugierde und engagierter Power-Frau. Für die "Kieserer" war Frau Glas schon bald die "Uschi", die in Gummistiefeln und Jeans die Herzen der Belegschaft im Sturm erobert hatte. Die Serie von damals, in der die Münchnerin die Geschicke einer Kiesgrube lenkte, hätte deshalb genauso gut auch "Uschi Glas - Eine Frau geht ihren Weg" heißen können. Und das steht nicht nur diese Serie - auch für ihr ganzes, oder besser: halbes Leben. Am 02. März vollendet Uschi Glas ihr 70. Lebensjahr.

Einst zog die Glas sich, als 68-erin in May Spils' "Zur Sache, Schätzchen", auf der Polizeistation zum Striptease aus. Doch bald schon kam die Wende, hin zu Lümmel- und Heimatfilmen, zur stets patenten, attraktiven Lehrerin. Mancher Krimiepisode verlieh sie, schön und dunkelhaarig, geheimnisvollen Charme. Doch so richtig Uschi Glas, wie man sie bis heute kennt, das wurde sie dann doch erst als durchsetzungsstarke Unternehmerin, Marke Anna Maria ab 1994. "'Geht nicht' gibt es nicht", sagte die Schauspielerin, Drehbuchautorin, Mutter und langjährige Ehefrau eines Münchner Produzenten selbstbewusst. "Es ist alles zu schaffen. Man muss nur 'wollen' wollen und dafür kämpfen."

Die Idee zu der elfteiligen Serie hatte Uschi Glas schon seit 30 Jahren im Kopf. "Damals erlitt eine Bekannte von mir einen harten Schicksalsschlag. Ihr Mann, ein Kiesgrubenbesitzer, war tödlich verunglückt. Plötzlich stand die Frau, die zu Hause auf Daunen gebettet war, vor dem Abgrund. Sie hat es sich nicht zugetraut, den Betrieb ihres Mannes zu übernehmen. Innerhalb weniger Monate wurde die Firma von der Konkurrenz aufgefressen, und ihr blieb nichts außer einem riesigen Schuldenberg. Ich glaube, mir wäre das nicht passiert. Zumindest hätte ich es versucht."

Gut, da waren die Kultserien "Zwei Münchner in Hamburg" mit Elmar Wepper (und Enzi Fuchs und Johannes Heesters) und die Franz-Geiger-Serie "Unsere schönsten Jahre", beides Unterhaltungsserien im ZDF, die Fernsehgeschichte machten. Aber diese Geschichte der Kiesgrubenbesitzerin mit ihrem Beinahe-Realismus lag ihr eben doch noch mehr. "Ich bin keine Zicke, die pikiert ist, wenn es mal so richtig dreckig ist oder die Arbeiter zu mir sagen: 'Hey Uschi, wie geht's?', so beschrieb sie sich selbst. "So reden wie die, tu ich auch. Und im Fluchen können die mir nichts vormachen."

Stets braun gebrannt und immer frohgemut, als wäre der Himmel immer genau so "weiß und blau" wie in der Bayernhymne, macht sie kein Hehl aus ihrer Affinität zur CSU, spendete öffentlich für Helmut Kohl und zweifelte erst jüngst bei Lanz wieder die Tauglichkeit von Ostdeutschen für Mindestlöhne an. Manchmal geht mit der versierten Reiterin eben "der Gaul durch", wie man in Bayern sagt, oder die leidenschaftliche Anhängerin des FC Bayern München haut den geschätzten Golfball mit dem Eisen irgendwo ins Unterholz.

Schicksalsschläge wie die Trennung von ihrem ersten Mann Bernd Tewaag oder den Kummer mit Sohn Ben nennt die dreifache Mutter inzwischen gern "olle Kamellen". Just zum 70. hat sie sich mit der prägnanten Rolle einer suizidgefährdeten Burn-out-Lehrerin im Erfolgsstreifen "Fack ju Göhte" selbst ein schönes Geburtstagsgeschenk gemacht. Und über allen Charity-Events und Promitreffen sollte man ihren zuverlässigen Charme sowie ihre sozialen Projekte wie "brotZeit e.V." nicht vergessen, die sie zusammen mit Dieter Hermann, ihrem Ehemann seit 2005, betreibt. Dank der Schauspielerin ist jetzt an 21 Münchner und Berliner Grundschulen für ein tägliches kostenloses Frühstück gesorgt.

Quelle: teleschau - der mediendienst