Mittsommernachtstango

Mittsommernachtstango





Wer hat's erfunden? Die Finnen!

Der Tango kommt aus Argentinien - das weiß jedes Kind. Der Tango, das ist Musik und Tanz, der von der Sehnsucht lebt und vom Gefühl. Sehnsucht, Nostalgie und Trauer sind seine Ingredienzien. Und dann das: Kommt einer wie der Finne Aki Kaurismäki daher und erklärt uns in der Dokumentation "Mittsommernachtstango", dass der Tango aus Finnland kommt. Welch ein Münchhausen. Dabei hat er doch einst immerhin die herrlichen "Leningrad Cowboys" erfunden, die ziemlich erfolgreich den Globus umrundeten. Schade, dass der Film der Dokumentaristin Viviane Blumenschein den Beweis der eingangs behaupteten Kaurismäki-These schuldig bleibt. Oder ihr nicht einmal im Entferntesten nahe kommt.

Wir starten in Buenos Aires, der Mutterstadt des Tangos und werden mit wunderbaren Sentenzen über die Geschichte des Tangos und seiner Stadt konfrontiert. Sehnsucht. Trauer. Nostalgie. Hafenromantik. Begegnungen mit wunderbaren Musikern: alte Bandoneonisten, ein Gitarrist, ein Sänger. Alle mit Sehnsucht in der Stimme und in den Fingern. "Hässliche Stadt, schöner Tango", sagt einer von ihnen und erklärt, Buenos Aires sei eine dunkle Frau, "die gerne blond sein möchte". Und natürlich wird auch noch einmal ein wenig Tango-Geschichte vermittelt: Das ganze Leid eines argentinischen Jahrhunderts sei darin enthalten. Alles kulminiert im Tanz eines Pärchens über den Dächern der Stadt.

Doch dann geht's ab nach Finnland, weil dort ja der Tanz angeblich zu Hause ist. Ein, wie sich herausstellt, leider schlechter Kaurismäki-Scherz, der wenn er nur mit der bekannten lockeren Kaurismäki-Hand verfilmt worden wäre, sicherlich nicht ohne Reiz und Unterhaltungswert gewesen wäre. So aber wird das trotz der Schönheit eines einsamen Landes zwischen Seen und Meer ein doch eher beschwerliches Roadmovie, das jeden Witz schuldig bleibt.

Zu groß ist das Gefälle zwischen argentinischem Tango-Schmerz und finnischem Sauna-Spaß. Ja, es gibt ein paar tüchtige Musiker in Finnland auf dem Lande, die ihren ganz eigenen Panzer-Tango pflegen - schon, weil er den schüchternen Burschen bei der Frauenfindung auf dem Tanzboden dient. Es ist ein aber schrecklicher, Marschtango im Vierviertel-Takt, ohne Eleganz und Erotik in seinem Innern.

Auch den Musikern aus Argentinien graust's: Das soll Tango sein? Trotzdem nähern sich die Braven ihren finnischen Musiker-Kollegen an. Sie lassen sich gar im finnischen Tangostil unterrichten. Eigentlich hätte man's aber lieber umgekehrt. Unsere Argentinier üben sich eine stoische Reise lang im Fach Toleranz - auch andere haben ihre Lieder, lass' dich auch dort mal ruhig nieder.

Wo wurde der Tango erfunden, und wann? - "Ist doch egal!". Zu dieser durchaus wahren Erkenntnis kommen die Buenos-Aires-Gouchos endlich irgendwann, und man pflichtet ihnen gerne bei. Doch bis dahin muss man viel finnische Weite und dazu eine nette Opa-Band im Hasenkostüm beim Tangospielen ertragen. Beim heiligen Aki: Der Tango und Finnland - sie wollen nicht so recht zusammen gehen.

Quelle: teleschau - der mediendienst