Vampire Academy

Vampire Academy





Zahnloser Genremix

Mobbing und Intrigen, Lästereien und Liebeskummer - das Leben an der Schule ist schon hart genug. Was aber, wenn die Mitschüler nicht nur fiese Bälger sind, sondern auch noch veritable Blutsauger? Die beiden besten Freundinnen Rose (Zoey Deutch) und Lissa (Lucy Fry) müssen sich an der "Vampire Academy" zum einen gegenüber ihren Mitschülern beweisen, zum anderen aber obendrein eine düstere Gefahr abwenden. Regie in diesem Genremix aus High-School-Komödie und Vampirsaga führte Mark Waters - eigentlich die beste Voraussetzung, denn der inszenierte schon vor zehn Jahren den Teenie-Kultfilm "Girls Club - Vorsicht bissig!". Doch leider verfügen die Vampirmädels trotz Fangzähnen über wesentlich weniger Biss als ihre zickigen Vorgängerinnen.

Rose und Lissa sind nicht nur beste Freundinnen, sondern seit einem schweren Autounfall auch durch ein geheimnisvolles Band verbunden. Während ein normales Mädchen schon mal die Gedanken ihrer besten Freundin erraten kann, ist Rose dazu in der Lage, Lissas Träume zu teilen und sogar durch ihre Augen zu sehen. Diese Fähigkeiten hat sie auch dringend nötig, denn Lissa wird an ihrer Schule von anonymen Kräften bedroht. Was anfangs noch aussieht wie ebenso gemeines wie letztlich stinknormales Mobbing, wird jedoch bald wirklich gefährlich.

Die Vampirwelt von Richelle Mead, die die Buchgrundlage schrieb, ist nämlich in Kasten aufgeteilt. Kurzer Einblick: Rose ist als "Dhampir" halb Mensch, halb Vampir und darf auch mal an Salatblättern knabbern. Die starken Dhampire sind in der Vampirgesellschaft dazu da, Moroi wie Lissa zu beschützen, die tatsächlich Blut brauchen und zaubern können. Geschützt werden müssen sie vor den bösen Strigoi, die noch am ehesten als klassische Vampire durchgehen: ausschließlich nachtaktiv, blutrünstig und sehr bedrohlich.

Regisseur Mark Waters liegt das Mythische eher nicht, er lässt die Besonderheiten einfach und ein bisschen lieblos per Voiceover erklären. Das ist angesichts der Vielzahl und Variationen an Vampirgeschichten, die mittlerweile im Umlauf sind, durchaus sehr verzeihlich. Doch leider nutzt der Regisseur die dadurch gewonnene Zeit auch nicht wirklich, um den Cliquenkrieg der High-School-Seite seines Films besser auszuarbeiten. Stattdessen arbeitet er die üblichen Stationen ab: Die Eifersüchteleien zwischen den Neuankömmlingen und den heimlichen Chefs der Klassenzimmer, die Außenseiterliebe, das nette Nerdmädchen, das sich als nützlich entpuppt, der heiße ältere Kerl, der große Ball samt vorausgehender Shoppingtour - all das hat man so und besser schon in zahlreichen anderen Produktionen gesehen. Auch die durchaus bekannten Gesichter, mit denen die Akademie bestückt ist (unter anderem Olga Kurylenko, Joely Richardson, Gabriel Byrne), helfen da nicht weiter.

Immerhin, ein paar Variationen zum üblichen Thema gibt es, und die sind auch durchaus erfrischend. So sind Rose und Lissa von Anfang bis Ende einfach gute Freundinnen - kein Zusammenraufen, kein Auseinanderleben, keine Eifersuchtsdramen um die erste Liebe gibt es hier zu sehen. Dieser Aspekt ist wohl der realistischste in der gesamten Geschichte. Mädels, die sich einfach gern haben - soll's geben, kommt aber in Filmen nur selten vor. Ebenso selten übrigens wie die Tatsache, dass die angehende Wächterin Rose ihren angebeteten Mentor lieber im Kampf besiegen als küssen will.

Leider reichen diese kleinen Lichtblicke nicht aus, um aus dem formelhaften Popcorn-Movie noch irgendwie einen interessanten Film zu zaubern. Hätten Waters und seine Schauspieler wenigstens den Teenie-Trash genossen, den sie da produzieren, es hätte noch halbwegs vergnüglich werden können. Doch vor allem Deutchs Versuche, die altkluge Zynikerin im "Juno"-Stil zu geben, wirken irgendwie fehl am Platz. Fast wie ein Vampir an der Highschool.

Quelle: teleschau - der mediendienst