Pettersson & Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft

Pettersson & Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft





Echt animiert

Die Geschichten von Pettersson und Findus kennt fast jedes Kind. Seit der schwedische Autor Sven Nordqvist in den 80er-Jahren den Bauern Pettersson und seinen sprechenden Kater Findus erfand, wurden ihre Abenteuer auf jede erdenkliche Weise vermarktet: Nach den Bilderbüchern kamen die Liederbücher, dann folgten Hörspiele und Theaterstücke. 1999 entstand als deutsch-schwedische Koproduktion eine Zeichentrickserie fürs Fernsehen. Kurz danach, genauer gesagt im Jahr 2000, erschien der erste komplett animierte Kinofilm, dem drei weitere erfolgreiche Leinwandadaptionen folgten. "Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft" ist nun die erste Realverfilmung mit echten Schauspielern. Mit einem für deutsche Verhältnisse enormen Budget von knapp achteinhalb Millionen Euro hat sich Regisseur Ali Samadi Ahadi ("Salami Aleikum") ans Werk gemacht - und das kann sich sehen lassen.

Es sind verschiedene Bücher, die für diese Spielfilm-Premiere kombiniert wurden. Da ist zum einen der Band "Wie Findus zu Pettersson kam", mit dem der Film sinnigerweise beginnt: Pettersson, hier gespielt vom Kinderfilm erprobten Ulrich Noethen ("Das Sams"), ist ein alter Mann, der auf dem Land lebt, mit seinen eitlen Hühnern spricht und meistens an irgendwelchen Erfindungen tüftelt. Er ist mit sich im Reinen, nur manchmal, da packt ihn die Einsamkeit, und er wünscht sich jemandem zum Reden. Da trifft es sich gut, dass seine Bekannte Beda (Marianne Sägebrecht) ihm einen kleinen Kater vorbeibringt, der ein neues Zuhause sucht.

Findus ist gleichwohl kein Kater wie jeder andere, sondern ein ganz besonderes Geschöpf, das nicht nur sprechen, sondern auch singen kann. Zwischen Pettersson und Findus entwickelt sich eine einzigartige Freundschaft, geprägt von guter Laune und köstlichen Geburtstagsfeiern (nach dem Band "Eine Geburtstagstorte für die Katze"). Doch dann kommt ein stolzer Hahn auf Petterssons Hof, weil sein Besitzer, der olle Bauer Gustavsson (Max Herbrechter), das Gekrähe nicht mehr ertragen kann. Da wird Findus ganz schön eifersüchtig, so wie in der Geschichte "Findus und der Hahn im Korb".

Regisseur Ali Samadi Ahadi erzählt keine kohärente Geschichte, sondern verknüpft elliptisch vier Episoden aus dem "Pettersson und Findus"-Universum. Das stört aber nicht weiter, denn jede Geschichte hat ihre eigene Botschaft: Mal geht es um Freundschaft und Vertrauen, dann wieder um Eifersucht und Verzeihen. Es sind kleine moralische Essays, die hier charmant inszeniert werden. Und zwar mit einem äußerst schrulligen Ulrich Noethen, der den Pettersson mit großem Hut und langem Rauschebart recht überzeugend gibt. Etwas blass hingegen ist Marianne Sägebrecht, und Max Herbrechter fällt in seine alte Komikerrolle zurück. Sein zu dick aufgetragenes Spiel reduziert den knorrigen Bauer Gustavsson, der weder Hahn noch Hund im Griff hat, zur bloßen Karikatur.

Der eigentliche Held dieser fast komplett im Studio gedrehten Realverfilmung ist aber keiner der leibhaftigen Schauspieler, sondern der kleine, vom oscargekrönten Unternehmen Pixomondo animierte Kater Findus, der sich überraschend gut in die "reale" Kulisse einfügt. Letztere ist auf geradezu kitschige Weise farbenfroh und detailverliebt: Vor allem dort, wo Findus die geheime Unterwelt der Mucklas, kleiner kurioser Fabelwesen, erkundet, hat sich der Szenenbilder Bertram Strauss selbst übertroffen. So ist dieser erste Realfilm ein liebevoll gemachtes, gleichwohl harmlos-naives Kinoabenteuer, das die große "Pettersson und Findus"-Fangemeinde erfreuen dürfte.

Quelle: teleschau - der mediendienst