William Shatner

William Shatner





"Science-Fiction kann Antworten geben"

Ein Glas Wein mit James T. Kirk aus "Star Trek" trinken? Im Internet kann man sich anschauen, wie es ist, wenn der Captain der USS Enterprise wildfremde Menschen auf einen guten Tropfen einlädt: William "Captain Kirk" Shatner (82) hat aus einem einfachen Weinproben-Konzept eine erfolgreiche Web-Show auf YouTube gemacht. Es ist nur eines seiner vielen Projekte. Der Kanadier ist Sänger, One-Man-Show-Entertainer ("Shatner's World") und natürlich nicht zuletzt Captain Kirk. Vom 21. bis 23. Februar wird er den deutschen "Star Trek"-Fans die Ehre erweisen und bei der Convention "Destination Star Trek" in Frankfurt/Main vor Ort sein. Im Interview spricht William Shatner über seine Trekker-Beobachtungen, die neuen "Star Trek"-Filme und sein Engagement in sozialen Netzwerken.

teleschau: Captain Kirk kommt nach Deutschland: Wie verbringen Sie denn Ihre Zeit in Frankfurt?

William Shatner: Bei der Convention "Destination Star Trek" in Frankfurt werde ich das typische Programm mitmachen: Autogramme geben, Fotos machen und Fragen beantworten. Außerdem moderiere ich das "Star Trek: The Next Generation"-Panel. Patrick Stewart, der ja Jean-Luc Picard verkörperte, hat leider keine Zeit.

teleschau: Bei wie vielen Conventions waren Sie denn bislang?

Shatner: Drei, vielleicht vier ... (pausiert)

teleschau: Ach?

Shatner: ... (lacht) Na, vielleicht doch ein paar mehr.

teleschau: Freuen Sie sich nach unzähligen Star-Trek-Conventions noch auf solche Events?

Shatner: Natürlich! Es machen immer viele witzige und nette Menschen mit, und die Verkleidungen sind teilweise atemberaubend. Man muss das so sehen: Die Fotos und Autogramme sind eine Art Ritual.

teleschau: Eine Art Ritual? Sie haben die Trekker wohl analysiert?

Shatner: Ja, ich habe darüber auch mal eine Dokumentation gedreht: "Get A Life!". Mich hat interessiert, wer eigentlich zu diesen Conventions geht und warum. Ich kam zum Ergebnis, das es ein mythologisches Ereignis für viele Menschen ist. Jeder sucht nach Antworten: Was ist da draußen? Was passiert mit uns? All diese zeitlosen philosophischen Fragen eben. Science-Fiction kann darauf Antworten geben. Und wie bei jeder anderen Mythologie oder auch Religion, gibt es Rituale. "Star Trek"-Conventions zum Beispiel.

teleschau: Ahnten Sie, als Sie "Star Trek" in den 60er-Jahren drehten, wie groß die Serie werden würde?

Shatner: Nein, überhaupt nicht. Das wäre in etwa so, als würde man Sie fragen, ob Sie glauben, dass es in 20 Jahren eine Convention wegen dieses Interviews gibt. Es war damals überhaupt nicht abzusehen, dass "Star Trek" diese Popularität erreichen würde.

teleschau: Ab wann wurde Ihnen denn bewusst, dass die Leute die Serie verehrten?

Shatner: Die Serie lief nur drei Jahre. Nach der Absetzung beschäftigte ich mich schnell mit anderen Projekten. Doch etwa sechs Jahre nach dem Ende der Serie fragte mich jemand, ob ich davon wüsste, dass in einer Bar in Kalifornien "Star Trek"-Episoden gezeigt werden. Ich hatte keine Ahnung und schaute mal vorbei. In der Bar lief ein Video, das verpatzte Szenen aus der Serie zeigte. Witzige Sachen. Und die Leute dort lachten. Ich frage mich nur: Warum schauen sich die Leute Videos einer Serie an, die sechs Jahre zuvor abgesetzt wurde? Damals begann ich zu ahnen, dass es wohl doch ein Publikum für "Star Trek" geben musste.

teleschau: Das gibt es bis heute: Was halten Sie eigentlich von den neuen "Star Trek"-Filmen?

Shatner: Ich fand sie sehr spannend und gut gemacht. Regisseur J.J. Abrams hat vor allem ein Problem der früheren Filme hervorragend gelöst: "Star Trek" ist jetzt nicht mehr nur für Fans interessant, sondern für ein deutlich größeres Publikum. Die Filme fühlen sich wie eine wilde Achterbahnfahrt an.

teleschau: Würden Sie auch gerne mitspielen, so wie etwa Leonard Nimoy als Mr. Spock?

Shatner: Das wäre ganz großartig, aber wir finden einfach nicht heraus, wie wir einen alten Captain Kirk einbauen können.

teleschau: Sie sind sehr aktiv im Internet: Sie twittern und nutzen Facebook. Andere Menschen in Ihrem Alter setzen sich beileibe nicht so intensiv mit neuen Medien auseinander. Wie kommt das?

Shatner: Ich kann das an einem simplen Beispiel erklären. Vor Kurzem rief ein kanadisches Telefonunternehmen zu einem Wettbewerb auf: Für jeden Tweet, der an den offiziellen Account der Firma geschickt wurde, spendeten sie fünf Cents. Also twitterte ich das an die Leute, die mir folgen. Und das potenzierte sich dann sehr schnell. Insgesamt kamen knapp 5,5 Millionen kanadische Dollar zusammen. Genau das ist eben die Macht von Twitter. Innerhalb kürzester Zeit kann ich meinen Bekanntheitsgrad nutzen, um Menschen für so etwas zu mobilisieren. Ich finde das großartig.

teleschau: Stört sie nicht der ganze belanglose Rest, wenn Leute etwa Fotos ihres Essens twittern?

Shatner: Naja, man muss es ja nicht lesen. Und ich sehe das anders: Wenn Sie zum Beispiel einen Artikel veröffentlichen, den nur fünf Leute lesen, dann haben ihn immerhin fünf Leute gelesen. So ist das bei Twitter auch. Jeder hat sein Publikum.

teleschau: Es gibt auf YouTube einen Kanal von Ihnen, der "Brown Bag Wine Tasting" heißt. Was machen Sie da?

Shatner: Das ist eine kleine Show von mir. Darin setze ich mich mit "normalen" Menschen, also keinen Prominenten, an einen Tisch, wir trinken zusammen Wein und plaudern ein wenig. Der Clou an der Sache ist: Der Wein ist in einer "Brown Bag", einer braunen Tüte versteckt. Ein Sommelier sucht im Vorfeld einen Wein aus, bewertet ihn und gibt ihn uns - ich weiß auch nie, was genau das für ein Tropfen ist. Ich geh dann auf die Straße oder in einen Laden und frage die Leute: "Wollen Sie mit mir Wein trinken?" Die Teilnehmer sollen dann ein wenig über sich reden und den Wein mit ihren Worten beschreiben und bewerten.

teleschau: Und der Wein lockert die Zunge ...

Shatner: In gewisser Weise schon, ja. Der Wein entspannt die Situation.

teleschau: Ist das eine Art Hobby-Projekt von Ihnen oder schielen Sie damit auch auf eine Fernsehsendung?

Shatner: Es ist kein Hobby mehr. Wir haben die Sendung schon verkauft. Zwar nicht an einen Fernsehsender, aber wir werden online demnächst mehr Sendungen machen können.

Quelle: teleschau - der mediendienst