Kim Riedle

Kim Riedle





Schönheit und Freiheit

Die Glamour-Soap "Verbotene Liebe" (wochentags, 18.00 Uhr, ARD) bekommt einen charmanten Neuzugang. Ab Mittwoch, 26. Februar, wird das Topmodel Giselle ein wenig Unruhe in die Serie bringen und für prickelnde Momente sorgen. Gespielt wird sie von Kim Riedle. Die 32-Jährige bringt alle Voraussetzungen mit, die die Rolle verlangt, und sie hat selbst schon einiges erlebt. Im Interview verrät sie lachend, dass sie eigentlich nur ein Mädchen aus einer kleinen Stadt in Oberbayern sei, das die Welt entdecken wollte ...

teleschau: Frau Riedle, die ARD kündigt Sie mit Schlagwörtern wie "lange Beine, sexy Kurven" als Neuzugang bei "Verbotene Liebe" an. Wie finden Sie das?

Kim Riedle: Das ist natürlich sehr schmeichelhaft. Wenn es eine andere Rolle wäre, würde ich mich fragen, warum man so viel über mein Aussehen redet und nicht über das, was ich da spiele. Aber in diesem Fall kann ich es verstehen und damit gut leben.

teleschau: Über welche Dinge würden Sie denn lieber sprechen als über Ihr Aussehen?

Riedle: Ich bilde mir ein, dass ich etwas zu erzählen habe übers Leben. Ich finde es zum Beispiel wichtiger, daran zu arbeiten, dass man liebevoll mit seinen Mitmenschen umgeht und darüber nachzudenken, was in der Welt abgeht und dazu eine Meinung zu haben. Über mein Aussehen habe ich mir ganz ehrlich gesagt nie viele Gedanken gemacht.

teleschau: Aber Sie spielen in "Verbotene Liebe" ein Topmodel!

Riedle: Ich habe Freundinnen, die Models sind, das sind ganz tolle Frauen. Ich finde die Modebranche auch toll. Ich finde es schön, schöne Frauen zu sehen, die wundervolle Mode präsentieren. Die Schwierigkeiten und den Druck in so einer Branche muss man natürlich kritisch betrachten. Bevor ich diese Rolle spielte, musste ich mich damit nie auseinandersetzen. Dadurch, dass ich jetzt die Rolle der Giselle Schulz spiele, denke ich mir schon, dass es ein krasser Druck für ein Model sein muss, wenn es 30 wird.

teleschau: Sie selbst haben Ihren 30. Geburtstag schon hinter sich ...

Riedle: Und das war der beste Geburtstag, den ich je hatte. Inzwischen bin ich ja schon 32 und finde das immer noch nicht schlimm. Natürlich gibt es auch in der Medienbranche einen gewissen Druck, und für Frauen ist der immer größer als für Männer. Aber Schauspielerinnen in meinem Alter reden darüber noch nicht. Ich hoffe aber, dass ich Teil einer starken Frauengeneration bin, die sich von so einem Scheiß einfach freimachen kann, weil es das nicht wert ist. Ich möchte als Schauspielerin so uneitel sein wie nur möglich und glaube auch, dass ich mit 40 oder 50 noch viel bessere Geschichten in Filmen erzählen kann als jetzt.

teleschau: Für Giselle sind ihre Schönheit und ihre Karriere mit das Wichtigste in ihrem Leben. Was ist für Sie das Wichtigste?

Riedle: Ich würde nicht sagen, dass das für Giselle das Wichtigste ist. Sie ist schon ein komplexer, sicherlich auch narzisstischer Mensch, der viele Ecken und Kanten hat. Ich spiele ja keine klischeehafte Hülle, sondern versuche einen Menschen zu zeigen. Das Wichtigste für mich persönlich sind meine Freunde und Familie. Wichtig ist für mich auch ein gewisses Maß an Freiheit und Unabhängigkeit. Natürlich ist mir auch mein Job sehr wichtig. Ich liebe Schauspielen über alles, da steckt mein Herzblut drin. Und natürlich Sonne und gutes Essen, solche Dinge sind mir auch wichtig - die ganz normalen Dinge (lacht).

teleschau: Sie wuchsen im oberbayerischen Geretsried auf, haben ihren Hauptwohnsitz jetzt in Berlin und sind unter der Woche meistens in Köln. Wie oft sehen Sie ihre Familie da noch?

Riedle: Meine Eltern wohnen immer noch bei Geretsried, und mein Bruder lebt mit seiner Familie in München. Sie sind also alle im Süden geblieben. Dementsprechend versuche ich schon, alle paar Monate hinzufahren. Ansonsten haben wir viel Kontakt. Vor allem mit meiner Mama telefoniere ich sehr oft.

teleschau: Sie sagen, dass Sie ein großes Freiheits- und Unabhängigkeitsbedürfnis haben. Wie äußert sich das?

Riedle: Ich sorge dafür, dass ich stets viele Neuanfänge habe. Ich mag nicht so lange in einer Situation oder an einem Ort bleiben. Ich reise sehr gerne und bin auch schon oft umgezogen.

teleschau: Bereits mit 16 waren sie für ein paar Monate zum Schüleraustausch in den USA.

Riedle: Das war super! Wenn man mit 16 mal weg von zu Hause ist, ist das gut fürs Erwachsenwerden. Mir hat es sehr viel gebracht. Nicht nur, weil ich mein Englisch verbessern konnte, sondern ich durfte auch mal über den eigenen Tellerrand gucken. Mei, ich bin halt in einer kleinen Stadt in Oberbayern aufgewachsen, und das war schon auch alles ganz nett. Aber es war auch immer ein bisschen zu eng für mich. (lacht)

teleschau: Kommt daher vielleicht auch ihr Kindheits-Berufswunsch? Sie wollten mal Astronautin werden.

Riedle: (lacht) Ja vielleicht kommt das daher. Als Kind habe ich mir das aber immer ein bisschen romantischer vorgestellt, als es tatsächlich ist. Ich dachte damals mehr in Richtung Luke Skywalker in "Star Wars" - so etwas wollte ich machen. Ich fand Science-Fiction schon immer toll. Ich lag dann in meinem Bett und stellte mir vor, wie ich Raumschiff fliege und welche Knöpfe ich drücken muss. Ich erinnere mich, dass es einen Knopf gab, bei dem irgendwo Pfannkuchen herauskamen. Erst als ich älter wurde, habe ich den Ernst der Situation erkannt und dachte mir: "Nee, dann wirst du lieber Schauspielerin! Vielleicht lässt dich da irgendwer mal Raumschiff fliegen!"

teleschau: Wie kamen Sie dann zur Schauspielerei?

Riedle: Naja, ich spielte im Kindergarten und in der Grundschule schon ein bisschen Theater und schrieb sicherlich auch in irgendein Poesiebuch, dass ich Schauspielerin werden will, aber das war natürlich alles nicht so ernst damals. Ernst wurde es für mich das erste Mal eigentlich mit dem Tanzen. Mit sechs Jahren fing ich an, Ballett zu tanzen, und so ab zehn, elf wurde das dann sehr ernsthaft für mich, und ich trainierte viel, bis ich 15 war. Dann entschied ich mich aber dagegen, Balletttänzerin zu werden.

teleschau: Warum?

Riedle: Lange Zeit war das mein Berufswunsch, aber mit 15 steckt man ja mitten in der Pubertät und denkt sich: "Nee, ich will jetzt auch mal Feiern gehen und mit meinen Freunden abhängen, statt jeden Tag zu trainieren." Vier Tage die Woche zu trainieren, hätte damals schon nicht mehr gereicht. Dann wusste ich auch ganz lange nicht genau, was ich machen möchte. Nach dem Abi habe ich mich erst dafür entschieden, das mit der Schauspielerei ernsthaft machen zu wollen. Das war schon ein großer Schritt, weil ich ja in einer eher konservativen Umgebung aufwuchs, wo man nicht sofort sagt: "Komm, wir machen was Kreatives!" Aber meine Eltern haben mich da zum Glück sehr unterstützt.

teleschau: Tanzen Sie heute noch?

Riedle: Ja, das macht mir zehnmal mehr Spaß als ins Fitnessstudio zu gehen. Tanzen ist einfach mein "Fitness-Ding", aber eben auch eine andere Form von Kunst, einfach etwas, was ich unabhängig davon, ob ich irgendwo besetzt werde, machen kann. Der Fokus liegt mittlerweile aber nicht mehr auf Ballett und Modern, das tanze ich schon ab und zu noch. Mittlerweile liegt mein Hauptfokus auf Pole-Dance.

teleschau: Wie kamen Sie darauf?

Riedle: In Deutschland ist das noch nicht so verbreitet, aber ich mache das schon eine ganze Weile. Letztes Jahr war ich aber ein halbes Jahr in Australien, dort ist Pole-Dance total angesagt.

teleschau: Wie kam es, dass sie so lange in Australien waren?

Riedle: In Berlin lernte ich durch Zufall einige Australier kennen. 2011 flog ich für einen Monat nach Australien, um ein paar Leute zu besuchen. Das gefiel mir so gut, dass ich letztes Jahr beschloss, noch mal länger hinzugehen. Ich habe hauptsächlich in Sydney gelebt und gearbeitet. Einfach mal ein bisschen eine Auszeit genommen und was anderes gemacht. Und Pole-Dance ist dort etwas ganz anderes als bei uns, weil es wahnsinnig viele machen und es eine tolle Gemeinschaft gibt in der Szene. Die unterstützen sich untereinander und sind so liebevoll miteinander. Das fand ich sehr inspirierend und schön.

teleschau: Vermissen Sie ein solches Gemeinschaftsgefühl in Deutschland?

Riedle: In meinem Beruf kommt es einfach oft nicht dazu, dass man sich gegenseitig so unterstützen kann. Ich finde schon, dass wir eine Gemeinschaft haben als Schauspieler, aber bei Tänzern hat man einfach einen direkteren Kontakt und kann sich insofern vielleicht besser unterstützen. Ich habe das schon sehr genossen, nicht das Gefühl zu haben, dass man immer so ein Einzelkämpfer ist.

teleschau: Haben sie momentan das Gefühl, eine Einzelkämpferin sein zu müssen?

Riedle: Nein. Mit der Rolle bei "Verbotene Liebe" habe ich ja jetzt meine erste feste Serienrolle. Das Allerschönste beim Drehen ist eigentlich, dass man seine Set-Familie hat. Und die ist hier auf jeden Fall sehr nett und sehr herzlich.

teleschau: Sind sie selbst "Verbotene Liebe" Fan?

Riedle: Mit 13, 14 habe ich das immer geguckt. Letztens sprach ich auch mit meiner Freundin aus Schulzeiten, die sich das immer mit mir angeschaut hat, und sagte ihr: "Weißt du was? Ich spiel da jetzt mit!" Da haben wir uns erst mal totgelacht. Aber seit damals hab ich es eigentlich nicht mehr geschaut, bis ich die Rolle jetzt annahm.

Quelle: teleschau - der mediendienst