300: Rise Of An Empire

300: Rise Of An Empire





Stilsicher in Runde zwei

Warum eine Fortsetzung von "300"? Das Original von 2007 ist in seiner Energie, Dynamik und Gewaltdarstellung kaum zu überbieten, die Optik schließlich einzigartig. Auch die Geschichte schien zu Ende erzählt: Die titelgebenden 300 Spartiaten unterlagen nach einem Verrat dem persischen Gottkönig Xerxes I. Man könnte also durchaus eine Schnapsidee aus Hollywood vermuten, wo erfolgreiche Filme aus Prinzip ein Sequel bekommen. Doch Regisseur Noam Murro hat Glück - sein "300: Rise Of An Empire" hat im Gegensatz zu manch anderem Folgefilm eine solide Vorlage: Frank Miller, der Zeichner von "Sin City" und eben "300", arbeitet schon länger an einer Comic-Serie namens "Xerxes". Und Murro durfte sich vorab von seinen Fortschritten inspirieren lassen.

Miller, der sich zuletzt vor allem um die filmische Umsetzung des zweiten Teils von "Sin City" kümmerte, versprach einst, dass seine Comic-Reihe "Xerxes" weitaus komplexer sein werde, als es "300" war. In Noam Murros Filmadaption rückt die vermeintliche Hauptfigur, der persische Gottkönig Xerxes (Rodrigo Santoro), allerdings in den Hintergrund. Er lässt kämpfen.

An vorderster Front steht für ihn die blutdurstige und unerbittliche Griechin Artemisia (Eva Green), die sich - von ihren eigenen Landsleuten zur Waise gemacht, vergewaltigt und versklavt - den Persern anschloss. Sie führt Xerxes' Flotte in die legendären Seeschlachten von Artemision und Salamis - Kampfeshandlungen, die teilweise parallel zu den Ereignissen in "300" stattfanden. Auf der anderen Seite steht der stolze Athener Themistokles (Sullivan Stapleton), der in gnadenloser Unterzahl, doch mit taktischer Brillanz, Artemisias Angriffe lange abwehren kann.

Die versprochene Komplexität drückt sich in der Storydichte aus: Während Zack Snyder (diesmal Produzent) 2007 die Gewalt in scheinbar simplen, in Sepia und Blut getränkten Bildern zelebrierte, rücken in "300: Rise Of An Empire" die Figuren mehr und mehr in den Vordergrund. So wird bei allem Bäucheschlitzen und Köpfeabhacken zu Elektrobeats diesmal auch nach links, rechts und sogar zurück geschaut: In Rückblenden zeigt Murro etwa, wie Themistokles einst Xerxes Vater Dareios mit einem Pfeil tötete, oder wie dessen Sohnemann schließlich zum Gottkönig aufstieg. Auch erfährt man, warum sich die Spartaner weigerten, gemeinsam mit den anderen griechischen Völkern zu kämpfen.

Die dichtere Handlung lässt allerdings weniger Raum für das Augenzwinkern, das den Vorgänger "300" so besonders machte. Das hat zur Folge, dass die Athener nie jenen Charme versprühen, der die Spartiaten und ihren Anführer Leonidas (Gerard Butler) auszeichnete. Gut, dass dafür die Vertreter des vermeintlich schwachen Geschlechts in die Bresche springen: Eva Green spielt eine beängstigende Amazone, die zwar nicht viel mehr als einen Gesichtsaudruck zeigt, trotzdem aber sehr eindringlich wirkt. Lobenswert ist auch, dass zu keinem Zeitpunkt die starken Frauenrollen - Lena Headey spielt abermals Leonidas' Frau Gorgo - infrage gestellt werden. Sie bewegen sich wie selbstverständlich in der maskulinen, muskelbepackten Welt und sie tragen den scheinbaren Männerfilm ohne peinliche, sexuelle Reizüberflutung.

Quelle: teleschau - der mediendienst