Petra Schmidt-Schaller

Petra Schmidt-Schaller





Rebellin im Wagner-Wahn

Petra-Schmidt-Schaller ist im Mittelpunkt. Im TV-Event "Der Wagner-Clan. Eine Familiengeschichte", dem Film über die Familie Wagner, ist sie als Isolde Wagner der Lichtblick. Sie steht inmitten von Intrigen und vom schauervollen Geniekult um den "Meister" Richard Wagner, der 1883 bei einem seiner Erholungsaufenthalte in Venedig stirbt. Isolde wurde als erstes von drei Kindern Cosimas und Richard Wagners geboren, als Cosima noch mit ihrem ersten Mann, Hans von Bülow, verheiratet war. Der Film macht sie zur aufmüpfigen jungen Gegenspielerin der Bayreuther "Gralshüterin" Cosima. In der Karriere der 33-jährigen Petra Schmidt-Schaller, die nach der Walser-Verfilmung "Ein fliehendes Pferd" und dem Kinofilm "Sommer in Orange" seit 2013 auch im NDR-"Tatort" an der Seite von Wotan Wilke Möhring eine Kommissarin spielt, ist der am Sonntag, 23. Februar, 20.15 Uhr, im ZDF ausgestrahlte Film sicher ein Meilenstein. Im Gespräch ist die Berlinerin vom Prenzlauer Berg, Mutter einer zweijährigen Tochter, mädchenhaft unbeschwert wie eh und je.

teleschau: Isolde, die "Rebellin", wie sie von Wagner im Film genannt wird, war 18, als Wagner starb. Man weiß eher wenig über sie.

Petra Schmidt-Schaller: Die Rolle hat mich sofort fasziniert, als ich vier, fünf Monate vor Drehbeginn das Drehbuch bekam. Es zeigt, was herzlos ausgeübte Macht mit den Menschen machen kann. Man findet keine Aufzeichnungen über Isolde - zwei Fotos nur hatte ich. Isolde liebt die Musik, sie war eine gute Dirigentin und konnte wahnsinnig gut Klavier spielen. Möglicherweise hat sie das, so wie Cosima, aufgegeben für die Karriere ihres Mannes, des Dirigenten Franz Beidler, der mit ihr Bayreuth erneuern wollte. Alles andere habe ich mir über Wagner erarbeitet, der von sich ja in etwa gesagt hat, er sei "Gott". "Dann bin ich eben Halbgott", habe ich mir gesagt.

teleschau: Es gibt eine sehr schöne Szene im Film: Da üben Sie mit ihrem jüngeren Bruder Siegfried, den Lars Eidinger spielt, das Dirigieren für den "Ring" und führen dem Konkurrenten des eigenen Mannes die Hand.

Schmidt-Schaller: Ursprünglich hatten wir abgemacht, dass nur Lars dirigieren sollte, und ich würde nur so tun. Aber dann kam eine Woche vor dem Drehbeginn eigens ein Dirigent nach Gmunden am Traunsee, wo wir drehten, und es hieß: Du musst nun doch dirigieren. Lars hatte bereits in Berlin geübt, und so gab es zwei unterschiedliche Formen des Dirigierens. Ich habe nach langer Weigerung trainiert wie eine Irre und ihn dann wirklich geführt. Dass das, was im Film zu sehen ist, nun nicht genau auf unserem Takt liegt, war ganz schön gemein. Ich geb's zu: Ich war faul, ich habe mich ganz schön lang geweigert (lacht).

teleschau: Im Film knallen Sie dem britischen Cosima-Günstling, dem Rassisten Houston Chamberlain, ganz schön schroff einen vor den Latz, wenn Sie ihm einen Korb geben. Sind Sie in echt manchmal auch so schroff?

Schmidt-Schaller: Eher weniger. Wenn man mir nicht sehr komisch kommt, dann habe ich schon die Art, die Türe aufzuhalten und dem anderen zu sagen: "Kommen Sie mal rein in den Garten!"

teleschau: Sie haben einen Garten?

Schmidt-Schaller: Nein, nein. Ich meine den inneren Garten, den ich in mir trage.

teleschau: Ihre kleine Tochter ist jetzt wohl zweieinhalb Jahre alt. Und Sie drehen ziemlich viel. Wie kommen Sie da zurecht?

Schmidt-Schaller: Es gibt einen wunderbaren Kindergarten und meinen Freund. Die Großmütter reißen sich um die Enkelin. Je älter die Kleine wird, um so leichter wird es. Wir haben ein tolles soziales Netz.

teleschau: Den Namen Ihrer Tochter geben Sie immer noch nicht preis?

Schmidt Schaller: Ja. Weil ich sie noch schützen will.

teleschau: Aber den Namen Ihres Freundes verraten Sie inzwischen.

Schmidt-Schaller: Ja. Mein Freund, der Schauspieler Thomas Fränzel, und ich haben vor einem halben Jahr beschlossen, dass wir das nach sechs Jahren endlich offenlegen.

teleschau: Und dann ist da noch Martin Walser. War er anlässlich der Dreharbeiten zum ZDF-Film "Ein fliehendes Pferd" wirklich in Sie verliebt? Er hat Ihnen in sein neues Buch "Ein liebender Mann" über Goethes letzte Liebe zur jungen Ulrike von Levetzow eine rührende Widmung geschrieben.

Schmidt-Schaller: (lacht) Ich habe damals zur Drehzeit, 2007, wahnsinnig auf die Rolle der jungen Ulrike von Levetzow gepasst. Walser hatte den Roman schon in Arbeit. Ich war einfach eine zusätzliche Inspirationsquelle für ihn, so dass es zu der Widmung kam, die ungefähr lautete: "Diese Zeilen werden Sie einmal spielen. Sie sind meine Ulrike." Das Schöne ist: Letztes Jahr haben mein Papa (der Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller, d.R.) und ich auf Schloss Ettersberg in Weimar aus dem Roman gelesen. Die Sprache, die Modernität sind begeisternd. Walsers Worte sind wahr geworden. Spielen ist allerdings vorbei. Für 19 bin ich nun doch zu alt.

teleschau: Im TV-Film geht es um die Künstlerfamilie Wagner. Sie selbst stammen aus einer Schauspielerfamilie. Sehen Sie da irgendwie Verwandtes?

Schmidt-Schaller: Nein, man kann da keine Vergleiche ziehen. Ja, zu Lebzeiten Wagners vielleicht - das Freizügige, das Feiern, die Lebensweise. Mann oder Frau - Hauptsache du bist glücklich. Aber dazu muss man ja keine Künstlerfamilie sein. In Cosima, in ihrer Verschlossenheit, erkenne ich nichts vom Chrakter einer Künstlerfamilie wieder. Für mich persönlich, als Petra, ist es ein Geschenk, die Tochter von Schauspielern zu sein. Man hat eine klare Sicht auf diesen Beruf, auf seine Höhen und Tiefen.

teleschau: Was Ihre Zukunft betrifft: Gibt es da einen Masterplan?

Schmidt-Schaller: Es gibt keinen. Plan ist nicht in meinem Leben inbegriffen - obwohl ich ja wegen meiner Tochter planen muss. Ich wollte es in der zweiten Jahreshälfte ruhiger angehen, aber das klappt leider auch wieder nicht. Ich lerne, ein bisschen mehr "Nein" zu sagen. Drei Tatorte und zwei weitere Filme sind es in diesem Jahr, dazu kommen weitere Anfragen.

teleschau: Wo bewegen Sie sich, wenn Sie mal so richtig zur Ruhe kommen wollen?

Schmidt-Schaller: Vormittags gehe ich gerne in Galerien und setze mich dann vor riesige Bilder. Oder ich gehe ins Grüne. Ich habe da einen Ort, an dem ich sehr gut auftanken kann. Er liegt bei Potsdam. Aber es ist nicht Sanssouci, wie jetzt wahrscheinlich alle denken!

Quelle: teleschau - der mediendienst